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Schriftstellerin Paula Fox tot : Eine Analytikerin ihrer selbst

Paula Fox (1923 - 2017). Bild: dapd

Die amerikanische Schriftstellerin Paula Fox wurde berühmt, geriet in Vergessenheit und wurde wiederentdeckt. Sie war eine Meisterin des Dialogs. Nun ist sie im Alter von 93 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

          Paula Fox erlebte zwei Phasen literarischen Ruhms. Die erste kam Anfang der siebziger Jahre, als die 1923 geborene Autorin zwar schon ein halbes Dutzend Kinderbücher und 1967 den Roman „Poor George“ geschrieben hatte, aber dann mit „Desperate Characters“ (auf Deutsch als „Was am Ende bleibt“ erschienen), dem beklemmenden Kammerspiel einer scheiternden Ehe, jenes Buch veröffentlichte, das ihr in den Vereinigten Staaten den Durchbruch sicherte. Ein Jahr später wurde der Roman mit Shirley MacLaine in der Hauptrolle verfilmt, und 1972 publizierte Paula Fox mit „Western Coast“ (auf Deutsch „Kalifornische Jahre“) ein weiteres Opus magnum, in dem sie auf der Grundlage von eigenen Erlebnissen das Psychogramm einer jungen Amerikanerin in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zeichnete. Dann war die erste Erfolgswelle schon wieder vorbei, wobei sie 1978 noch den Hans-Christian-Andersen-Preis verliehen bekam, die wichtigste internationale Jugendbuchauszeichnung. Doch als Romanautorin fürs erwachsene Publikum schien ihre Zeit vorbei.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Durch die Begeisterung von Jonathan Franzen für das Buch wurde „Desperate Characters“ ein Vierteljahrhundert später zum zweiten Mal entdeckt und diesmal auch zum internationalen Erfolg. Vor allem aber brachte Paula Fox 1999 ihr Erinnerungsbuch „Borrowed Finery“ heraus, das auf Deutsch „In fremden Kleidern“ heißt. Darin erzählte sie von ihren ersten fünfzehn Lebensjahren, der Zeit vor den „Kalifornischen Jahren“, als sie ohne Eltern in der Obhut eines Predigers aufwuchs, denn ihre zwanzigjährige Mutter hatte sie nach der Geburt in ein Waisenhaus gegeben. Die daraus resultierende Verstörung der kleinen Paula verhinderte nicht, dass sie als junge Frau genauso handeln sollte wie die Mutter: Als Paula Fox ihrerseits mit zwanzig eine Tochter bekam, gab sie die zur Adoption frei. „In fremden Kleidern“ hat ein grandioses Schlusskapitel, das auf den Tod der greisen Mutter das erste Wiedersehen von Paula Fox mit ihrer Tochter folgen lässt, und es schließt so: „Ich lasse uns dort am Randstein sitzen, dicht nebeneinander. Ab und zu kam jemand vorbei, ohne uns Beachtung zu schenken, während wir uns Geschichten aus unser beider Leben erzählten und von Zeit zu Zeit in Schweigen verfielen.“

          Das „Ich lasse ...“ verwandelt das Buch doch wieder in einen Roman, denn Paula Fox machte damit ihre Erinnerungen im letzten Moment zur Fiktion. Ganz ähnlich hielt sie es 2005 in „Der kälteste Winter“, in dem sie über ihren Aufenthalt als Journalistin im kriegszerstörten Europa des Jahres 1946 schrieb. Im Spätwerk ist Paula Fox ganz Beobachterin und Analytikerin ihrer selbst und doch auch hinreißende Erzählerin einer ganzen Epoche. Allerdings verzichtete sie in den beiden Memoirenbüchern auf die virtuosen Dialoge, die ihre Romane auszeichnen. Kein amerikanischer Autor – und das will einiges heißen – hat darin eine solche Meisterschaft erreicht.

          Ein Werk charakterisiert ihr ganzes Dasein

          Der Verlag C. H. Beck hat in den letzten zwei Jahrzehnten dafür gesorgt, dass Paula Fox auch hierzulande zur festen literarischen Größe wurde. Und 2008 gewann ihr fast vierzig Jahre altes Kinderbuch „Ein Bild von Ivan“ als Neuübersetzung den Deutschen Jugendliteraturpreis. Für ihre Romane oder die Memoiren hat sie nie etwas gewonnen. Am 1. März ist Paula Fox in New York gestorben, dreiundneunzig Jahre alt. Der Satz aus ihrem Werk, der ihr ganzes Dasein charakterisiert, steht in „Was am Ende bleibt“. Er lautet: „Ich wollte, es könnte mir jemand erklären, wie ich leben kann.“

          Quelle: F.A.Z.

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