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Michel Houellebecq : Jetzt redet er

Erst kamen die „Elementarteilchen“, dann die „Unterwerfung“: Der Schriftsteller Michel Houellebecq. Bild: AFP

Zu glauben, man könne Grenzen niederreißen, hält er für einen Wahn, an Frankreichs Regierung lässt Michel Houellebecq kein gutes Haar. In einem Artikel holt der Schriftsteller zur Generalabrechnung aus.

          Staatspräsident François Hollande bezeichnet er als „bedeutungslosen Opportunisten“, Premierminister Manuel Valls sei ein „Geistesschwacher“ („débile mental“). In einem Artikel, den die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ am Donnerstag veröffentlichte, rechnet Michel Houellebecq mit der Regierung seines Landes ab – Titel: „Ich klage Hollande an und verteidige die Franzosen“. Die Regierung sei ihrer Verpflichtung, die Bevölkerung zu schützen, nicht nachgekommen, sie habe auf ganzer Linie versagt. Der Schriftsteller wirft ihr die Sparmaßnahmen bei Polizei und Armee vor. Es sei ein Wahn, zu glauben, man könnte die Grenzen niederreißen.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          „Kriminell und idiotisch“ sei schon der Angriff der Amerikaner im Irak gewesen - dem sich die Franzosen unter Chirac nicht angeschlossen hatten. Auf den damaligen Außenminister Dominique de Villepin stimmt Houellebecq ein Hohelied an. Die Folge aber war ein Chaos, wie es später von Frankreich in Libyen und Syrien angerichtet worden sei. Von den Franzosen hingegen zeichnet Houellebecq ein heroisches Bild: Sie leisteten Widerstand, hätten ihr „Vertrauen in die Armee und die Ordnungskräfte stets bewahrt“ und mit „Verachtung auf die Predigten der moralischen Linken bezüglich der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten reagiert“. Für sein Land wünscht er sich einen Churchill.

          „Houellebecq ist nicht Frankreich“, hatte Valls im Januar erklärt. Jetzt schlägt der Schriftsteller auf genauso dumme Weise zurück. Gleichzeitig verbreitet er im „Corriere“ eine Stimmung der Resignation, die auch seine Romane auszeichnet: „Man gewöhnt sich an alles, auch an Attentate.“ Nicht einmal mehr den Fernseher habe er diesmal eingeschaltet.

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