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Michel Houellebecq Dreifach beschützt

14.09.2005 ·  Vier Bodyguards, ein Lektor und ein Hund: Sicherheit ist groß geschrieben, wenn Michel Houellebecq in Köln seinen Roman „Die Möglichkeit einer Insel“ vorstellt. Das vermeintlich explosive Werk wird überfürsorglich in Watte gepackt.

Von Andreas Rossmann
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Sicherheit ist groß geschrieben bei der Lesung von Michel Houellebecq in Köln, der ersten überhaupt, so die Veranstalter stolz, auf der er seinen Roman „Die Möglichkeit einer Insel“ vorstellt. Vier Leibwächter hat der Verlag für seinen Schützling, dessen Protagonist Araber als „Geschmeiß Allahs“ abtut, angeheuert, und wie sich zwei von ihnen im Comed-Saal des MediaPark aufpflanzen, läßt das Publikum sich in einem B-Movie wähnen und auf eine Bomben-Stimmung hoffen. Doch nichts davon.

Das vermeintlich explosive Werk wird überfürsorglich in Watte gepackt. Denn Houellebecq tritt auch mit literarischem Begleitschutz auf. Zu seiner Rechten sitzt der Übersetzer Uli Wittmann, zu seiner Linken der Lektor Christian Döring. Und wie der berühmte Schriftsteller zwischen ihnen - nein, eben nicht thront, sondern - kauert, geht er ganz auf in dem öffentlichen Bild, das, auch wer ihn nie leibhaftig gesehen hat, von ihm mitbringt: das Hemd offen, das Haar gescheitelt, die Schulter hängenlassend, wirkt er geradezu schüchtern, und kratzt sich, als der Veranstalter bekennt, sich geehrt zu fühlen, verlegen am Hals. „Bienvenu a Cologne.“

„Echtes Interesse am Text

Den Roman stellt dann eher Döring vor, indem er mit einer Musterrezension, wie sie für gewöhnlich ungeschrieben auf dem Wunschzettel des Lektors stehen bleibt, einleitet und darin die griffigsten Attribute über das „Weltuntergangsbuch“ des „Zidane der Literatur“ und „unmoralischen Moralisten“ unterbringt. Die Lesung, französisch-deutsch, gleicht ein wenig dem Versuch, die Konturen eines Malbuchs in zentralen Feldern mit Farbe zu füllen: Als ließe sich im Digest-Verfahren ein Gesamteindruck des Romans vermitteln. Der letzte Auftritt des Autors in Köln, 2002 mit „Plattform“, hatte seinen Nimbus, heikel zu sein, für mehr als eine Zigarettenlänge bestätigt. Doch nichts davon diesmal.

Ein auffallend aufgeräumter Houellebecq steht Rede und Antwort. Kontroverses ist freilich nicht vorgesehen, lenkt Döring das Gespräch doch gleich auf die Rezeption: Die unfreundliche Presse in Frankreich und die positiven Reaktionen in Deutschland erklärt Houellebecq mit dem größeren Rummel dort und dem höheren Niveau der Kritik hier: „Die Deutschen interessieren sich wirklich für den Text.“ Und auf den Papst angesprochen, bekennt Houellebecq, ihn schon vorher für seine klaren und deutlichen Worte geschätzt zu haben: „Meine Beziehung zum Papst ist ausgezeichnet“, sagt dessen Nachfolger unter den prominenten Köln-Besuchern, aber „die Chance, daß ich Theist werde, ist sehr gering“.

Unaufgeregt, fast brav dreht sich das Gespräch um Science Fiction, Sex und Sektenwahn, um früh auf den Hund zu kommen. Denn der, Clement mit Namen, „den ich kennenlernen durfte“ (Döring), ist Houellebecqs engster Begleitschutz und wohl auch Vorbild und alter ego: „Entweder er schläft oder er ist guter Laune.“ So gerät die Vorstellung, daß der Dichter mit ihm, einem Corgi, auf dem Beifahrersitz nun durch Deutschland tourt, zur emblematischen Botschaft der Veranstaltung. Was sie verschenkt hat, findet sich auf Seite 133, wo ein „elohimitischer Künstler“ sich mit Joseph Beuys vergleicht. Houellebecq dazu nachzufragen, wäre im Rheinland interessant und - nach dem „Wie hältst Du's mit der Religion?“ - womöglich des Pudels Kern gewesen.

Weitere Lesungen Houellebecqs in Deutschland:

Freitag, 16. September, 21 Uhr: Babylon Kino, Berlin
Sonntag, 18. September: 12 Uhr, Jahrhunderthalle, Bochum

Quelle: F.A.Z., 14.09.2005, Nr. 214 / Seite 42
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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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