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Manfred Krug im Interview : Immer eine Eins in Deutsch

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Manfred Salow. Den gibt es noch. Der lebt noch. Der ist stolz darauf.


Und dass Sie ihm jetzt zur Strafe eine Makrophallie andichten, wie Sie es nennen . . .


Die war echt! Ich habe mit dem oft in der Sauna gesessen und da dieses Rüsselchen gesehen.


Der andere körperbetonte Aspekt in dieser Geschichte ist der, dass da außergewöhnlich viele Hände geschüttelt werden . . .


Sie werden es selber schon oft erlebt haben, dass es Leute gibt, die Schwitzehändchen haben. Glitschige Händchen. Kalt und schwitzig. Kalt und glitschig. Heiß und trocken. Fleischig. Knochig. Und so weiter. Und der Händedruck hat sich ja nicht aus Spaß ergeben, sondern ursprünglich wohl dadurch, dass man seine Waffenlosigkeit demonstrieren wollte . . .


. . . und in der DDR wurde, wie es in der Erzählung heißt, den ganzen Tag lang kaum noch etwas anderes gemacht, als sich gegenseitig die Hände zu drücken. Gleichzeitig ist es das SED-Zeichen. Wollten Sie darauf hinaus?


Das Logo ist nicht schlecht. Grotewohl und Pieck beim Vereinigungsparteitag 1946. Wenn der Rest der Partei so gut gewesen wäre wie dieses Logo . . .


. . . ein Händedruck wird beschrieben: „Finger wie ungebratene Bratwürste“ . . .


Ja, schrecklich.


Eine gewisse Handfestigkeit des Gegenübers ist schon wichtig für Sie?


Wenn ich der Queen von England mal begegnen sollte, würde ich darauf keinen so großen Wert legen. Aber ein Händedruck heißt ja Händedruck und nicht Händegeschlabber.


Einer der beeindruckendsten manfredkrugschen Händedrücke kommt in „Spur der Steine“ vor: Eberhard Esche stellt sich auf der Baustelle als neuer Parteisekretär vor, und Brigadeführer Balla schüttet ihm den gesammelten Regen aus seiner Zimmermannshutkrempe - platsch! - in die Hand!


War eine Idee von mir. Heute noch stolz drauf!


. . . und sagt dann: „Und ich bin Pittiplatsch, der liebe.“ Einverstanden, dass das einer der schönsten Krug-Sätze überhaupt ist?


Ja, ja, der war auch nicht im Buch. Mit Frank Beyer konnte man wunderbar solche Dinge machen. Zuerst hatte ich ihn eher für einen grüblerischen Schreibtischregisseur gehalten, der auch gern mal Schwitzehändchen hatte. Er wurde immer besser, immer lockerer. Dass der fehlt, bedauere ich sehr. Und „Pittiplatsch, der liebe“, das war eine Figur aus dem Kinderfernsehen, ein schrecklicher kleiner Kobold. War furchtbar. Ich habe gerne vorgeschlagen, dass wir Versionen machen. Eine Version ohne, eine mit - und er sollte am Schneidetisch entscheiden.


Der Balla in seiner ganzen unverschämten Ballahaftigkeit ist im Grunde erst eine Erfindung von Ihnen gewesen?


Natürlich immer in Absprache mit dem Regisseur. Der musste ja dafür dann geradestehen, nicht der Schauspieler, und Frank Beyer wurde ja dann prompt auch zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen. Das war ein schwerer Schicksalsschlag, auch dass der Film den werktätigen Massen bis 1990 vorenthalten wurde.


Und für Sie? Sie haben mal gesagt, der Film sei vielleicht „der Gipfel meines Eisberges“.

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