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Buch über Hitlers Sexualität : Ein sehr seltsamer Serienmörder

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Normales Liebes- und Geschlechtsleben? Wenn man dem Autor von „Hitler 1 und Hitler 2“ glaubt, hatten Eva Braun und Adolf Hitler das wohl kaum. Bild: AP

Was geschah wirklich in Pasewalk? Volker Elis Pilgrim untersucht die Sexualität Hitlers und entdeckt eine Leerstelle. Dem Leser wird bei der Lektüre übel.

          Dieses immerhin fast tausend Seiten lange Buch widmet sich einer Frage, die auch einigermaßen belesene Kenner der Person, Karriere und Zeit Adolf Hitlers nie für zentral für das Verständnis seiner politischen Verbrechen gehalten haben. Volker Elis Pilgrim, Spross eines preußischen Adelsgeschlechts, Achtundsechziger aus der sexologisch-politisch orientierten „Wilhelm-Reich-Fraktion“ und seit vielen Jahren in einer Art freiwilligem Exil in Australien und Neuseeland, legt den ersten Band einer auf drei Bücher angelegten Hitler-Studie vor, die den deutschen Diktator und seine Untaten als Folge einer pathologischen Sexualverirrung zu deuten unternimmt.

          Diskussionen und Publikationen über Hitlers Sexualität hat es schon einige gegeben. Bereits 1978 hatte Sebastian Haffner in seiner Hitler-Studie auf die seltsam sexualisierte Freude verwiesen, die das Bewusstsein der von ihm befohlenen Massenmorde dem „Führer“ offenbar bereitete. 2015 tauchte ein Untersuchungsbericht aus dem Festungsgefängnis Landsberg auf, das dem späteren Diktator einen „rechtsseitigen Kryptorchismus“ bescheinigt und damit den britischen Soldaten recht gibt, die auf ihrem Vormarsch bekanntlich ein Spottlied sangen, in dem die Zeile „Hitler has only got one ball“ zu den Schmähungen gehörte. Auch diese Entwicklungsstörung, das Verbleiben eines embryonalen Hodens im Hodenkanal, spielt in Pilgrims Untersuchung eine Hauptrolle.

          Befriedigung durch Verbrechen?

          Pilgrim tritt auf mit der These, dass Leben, Wesen und Politik Adolf Hitlers erst dann einen zusammenhängenden Sinn ergeben, wenn man ihn sexualpathologisch ernstnimmt. Pilgrim hält Hitler für einen „serial killer“. Die Persönlichkeit von Menschen, die unter sexuellem Druck periodisch Menschen umbringen und dadurch sexuelle Befriedigung erlangen, ist unter anderem vom amerikanischen FBI studiert und als geschlossenes Krankheitsbild kodifiziert worden.

          Eines seiner Merkmale besteht darin, dass Träger dieser sexuellen Aberration keine Befriedigung durch genitale Sexualität erlangen können, sondern eben nur durch ihre Verbrechen. Der nun vorliegende erste Teil von „Hitler 1 und Hitler 2“ ist keinem anderen Zweck gewidmet, als Hitlers genitales Unvermögen nachzuweisen – das seine Ursache möglicherweise unter anderem in der Scham über den im Erwachsenenalter nicht mehr korrigierbaren Kryptorchismus gehabt hat.

          Bloß kein Sex mit Hitler

          Der Nachweis eines Nichtvorhandenseins ist schwieriger als der eines Vorhandenseins. In aufwendigen Indizienreihen, durch den detaillierten Abgleich aller vorliegenden lebensgeschichtlichen Zeugnisse in einer Art „Mosaiktechnik“ führt ihn Pilgrim im ersten Band von „Hitler 1 und Hitler 2“ auf 924 labyrinthischen, oft quälend zu lesenden Seiten. Unerfreulich ist die Lektüre natürlich vor allem aus inhaltlichen Gründen. Das Buch zwingt seine Leser, den Autor dabei zu beobachten, wie er eine große Masse wenig anziehender Informationsmaterialien – die Taten und Leiden der Hitlerschen Keimdrüsen – von allen denkbaren Seiten so lange hin und her wendet wie jemand, der seinen verlorenen Ehering im Inhalt eines Mülleimers sucht. Nur dass Pilgrim mit äußerster Umsicht, Spürsinn und Dringlichkeit nach etwas Ausschau hält, was man sich in seinen schlechtesten Träumen nicht vorzustellen wünscht: Sex mit Hitler.

          Noch weiter vergällt wird einem die Lesefreude dadurch, dass Pilgrim seine Recherchen und Ergebnisse in einem sehr spezifischen Stil formuliert. Er schreibt eine hochseltsame Mischung aus Sexologenjargon und einem die Dinge „kernig“ – oder auch neckisch – beim Namen nennenden locker-room-talk: „Adolf Hitler war ein Mann, der mit seinem Phallus nicht penetrativ friktierte. Er war weder horizontal noch vertikal ‚hinter(n) rücks‘ = Hintern-bezüglich kniend, liegend oder stehend Stoß-fegend tätig. Er ,sonderbehandelte‘ seinen Phallus im Sitzen durch das Auf und Ab seiner Oberschenkel-Reibungen und -Pressungen.“

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