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Lyriker Heinz Kahlau gestorben Der Glaube ans Fliegenkönnen

 ·  Heinz Kahlau war einer der bekanntesten Lyriker in der DDR. Hunderttausende lasen ihn. Jetzt ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.

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© dpa Heinz Kahlau 1931 - 2012

Seit der Genieepidemie gerät in Vergessenheit, dass die wahre Wurzel der Poesie die Gebrauchslyrik war: panegyrischer Gesang, Memorieren historischer Schicksale, politische Überzeugungsarbeit. Das neue Ideal heißt Subjektivität – und damit Unbedeutsamkeit. Einer aber sträubt sich gegen leeres Virtuosentum: Der auflagenstärkste deutsche Dichter der Gegenwart ist ein wackerer Rhetoriker unter den Poeten. Die Rede ist nicht vom rüpelnd selbstgefälligen GG, sondern von Heinz Kahlau, dessen riesige Leserschaft – Hunderttausenderauflagen! – sich ausschließlich im Osten der Republik ballt.

Der 1931 nahe Potsdam geborene Arbeitersohn, der das Dichten unter anderem bei Meister Brecht erlernte, blieb stets dem Ideal des Sozialismus zugetan. In der DDR schrieb er ohne falsche Scham, was geschrieben werden musste: Soldatenlieder, Traktoristengedichte, FDJ-Hymnen, engagierte Drehbücher, ein lobendes Poem auf den Mauerbau, überhaupt Agitprop-Lyrik, aber auch kritische Kommentare und sehnsuchtsvolle Liebesgedichte. Nach dem Ungarn-Aufstand, dessen Niederschlagung Kahlau kritisiert hatte, arbeitete er nach eigener Auskunft einige Jahre lang für die Stasi, um deren Verfolgung zu entgehen.

Arbeit an der Utopie

Kahlau dichtet verständlich, doch nicht kunstlos: Die Form hilft stets, eine Idee zur Geltung zu bringen, statt wie so oft Belangloses zu verrätseln. Es ist – über zwanzig Bücher hinweg – Arbeit an der Utopie: „In deinem Alter, mein Kind, / hat jeder Mensch noch Gründe, / anzunehmen, / er könnte / fliegen wie laufen / lernen“, lautet die erste Strophe des Gedichts „Meine Hoffnung“, und dann wie ein Paukenschlag: „Ich werde mich hüten, / dich aufzuklären.  / Vielleicht / bin doch ich es, / der sich irrt.“

Das „vielleicht“ ist natürlich kokett, denn Kahlau spricht hier mit sich selbst. Als „Versemacher“, wie er bezeichnet werden wollte, blieb er bis zuletzt dieses voraufgeklärte Kind, das enthusiastisch ans Fliegenkönnen glaubt. Am Karfreitag ist Heinz Kahlau, der seit einigen Jahren auf der Insel Usedom lebte, im Alter von 81 Jahren gestorben.

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