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Lyrik international : Frankfurter Anthologie öffnet sich

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Bild: F.A.Z.

Vierzig Jahre lang wurden in der Frankfurter Anthologie unter der Redaktion von Marcel Reich-Ranicki ausschließlich deutschsprachige Gedichte besprochen. Jetzt ist Zeit für eine Öffnung.

          Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die Frankfurter Anthologie begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Auch nach vierzig Jahren ist der ewige Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht. Dennoch ist es an der Zeit für eine Öffnung.

          So wird sich die Frankfurter Anthologie, die von nun an von Hubert Spiegel betreut wird, künftig der Poesie aus aller Welt widmen: Neben deutschsprachigen Gedichten soll auch fremdsprachige Lyrik behandelt werden, sofern sie in einer angemessenen Übersetzung vorliegt. Dass wir Lyrik aus vielen Sprachen und Ländern der Welt auf Deutsch lesen können, verdanken wir dabei zum nicht geringsten Teil deutschsprachigen Dichtern: Es sind häufig Lyriker, die Lyrik übersetzen.

          Den Auftakt machen wir mit Joseph Brodskys „Sonett“, das damit in der vierzigjährigen Geschichte der Frankfurter Anthologie das erste Gedicht ist, welches nicht in deutscher Sprache verfasst wurde. Der russische Literaturnobelpreisträger (1940 bis 1996) verfasste es im November 1962, als sich der Kalte Krieg auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise so dramatisch zuspitzte, dass ein neuer Weltkrieg bevorzustehen schien.

          In den nächsten Wochen wird sich die Frankfurter Anthologie Gedichten von Charles Simic und William Carlos Williams widmen, interpretiert von den Lyrikern Silke Scheuermann und Dirk von Petersdorff.

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