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Literaturstipendium Potsdamer Plattenbau-Perspektiven für Andreas Maier

04.11.2004 ·  Schlecht geplant oder hintersinnig? Andreas Maier, erster Literaturstipendiat Potsdams, soll in der Kulturhauptstadt in spe im Plattenbau residieren. Jetzt streitet man sich dort über die geeignete Unterbringung.

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Andreas Maier, Autor der Romane „Wäldchestag“ und „Klausen“, ist von der Stadt Potsdam für ein Literaturstipendium ausgewählt worden. Vier Monate lang soll der Schriftsteller in der Landeshauptstadt residieren, eine gute Idee, schließlich soll ein Teil seines neuen Romans dort spielen.

Keine gute Idee hingegen war es, im kommunalen Haushalt keine Mittel für die Unterbringung des ersten Potsdamer Literaturstipendiaten vorzusehen. Und es war ebenso keine gute Idee, womöglich aber eine vorschnelle Entscheidung, einfach das Angebot von zwei Wohnungsunternehmen anzunehmen, die dem Schriftsteller kostenlos eine Bleibe in der Stadt überlassen wollten. Die beiden Wohnungen, die dem Kulturamt angeboten wurden, liegen in der Waldstadt II und am Schlaatz. In Postsdam selbst und anderswo in den neuen Bundesländern nennt man solche Siedlungen „Platte“.

Nicht für Schlösser zuständig

Freundlich, mit allenfalls leicht ironischer Note vermutete Maier, dessen Debütroman in der heimischen Wetterau spielt, jetzt im Gespräch mit den „Potsdamer Neusten Nachrichten“, das Stipendium müsse wohl als „soziologisches Experiment“ angelegt sein. Er habe noch nie im Plattenbau gewohnt, erklärte der Schriftsteller. „Insofern ist es schon interessant, aber vielleicht nicht im Sinne des Stipendiums, es sei denn, man verkauft es als Absurd-Stipendium. Meistens jedoch will sich eine Stadt mit ihrem Stipendium schmücken. Klar ist aber, daß mein Blick vorstrukturiert sein wird, wenn ich in der Platte wohne.“

In seinen bisherigen Stipendien habe er in einem Schloß, einer Villa an der Ostsee oder einem aufgearbeiteten Bauernhaus gewohnt. Die beiden Wohnungsunternehmen erklärten daraufhin zunächst, sie seien nicht für Schlösser zuständig und könnten den Schriftsteller leider nicht beherbergen. Später bekräftigten sie ihr Angebot jedoch.

Die mit der Stipendiatenauswahl betraute Jury hatte in einem Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gewarnt, die geplante Unterbringung könne „der Stadt nachgerade zur Unehre gereichen“. Jetzt hat Andreas Maier, der den Brief persönlich zwar etwas pathetisch, insgesamt aber, auch mit Blick auf die ihm folgenden Literaten, schon richtig findet, seine Anreise um drei Wochen verschoben: Er will erst am 22. November nach Potsdam kommen. Hoffentlich hat sich in der Stadt, die sich um den Titel Kulturhauptstadt 2010 bewirbt, bis dahin eine geeignete Unterkunft gefunden.

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