28.03.2006 · Er war nicht nur einer der prominentesten Science-Fiction-Autoren, sondern auch einer der schärfsten Kritiker des Genres. An diesem Montag starb der polnische Schriftsteller Stanislaw Lem, Autor von „Solaris“ und „Sternentagebücher“, im Alter von 84 Jahren in einer Klinik in Krakau.
Der polnische Science-Fiction-Schriftsteller Stanislaw Lem ist tot. Der Autor von „Solaris“ und „Sternentagebücher“ starb am Montag im Alter von 85 Jahren in einer Klinik in Krakau, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP.
Der 1921 im heute ukrainischen Lemberg geborene Lem debütierte 1946 mit „Der Mensch vom Mars“ als Schriftsteller und machte sich über die Grenzen Polens hinaus einen Namen als Science-Fiction-Autor. Seine Romane, die auch auf deutsch erschienen sind, gehören zu den literarisch anspruchsvollen Klassikern des Genres.
Er war nicht nur einer ihrer prominentesten Vertreter, sondern auch einer der schärfsten Kritiker von Science-Fiction und zeichnete sich durch ein tiefes Wissen über Kybernetik und Weltraumfahrt aus. Seine Werke sind voll Humor und Tragik und verkauften sich weltweit mehr als acht Millionen mal.
Die Invasion der Technik in die geistige Welt
Der Sohn eines polnisch-jüdischen Arztes soll mit einem Intelligenzquotienten von 180 das intelligenteste Kind des ganzen damaligen Südpolen gewesen sein. Nach dem Abitur im Jahre 1939 begann Lem in seiner Heimatstadt ein Medizinstudium, das vom Krieg unterbrochen wurde. Während der Kriegsjahre 1941 bis 1944 brachte sich Lem als Automechaniker durch. 1945 übersiedelte er nach Krakau und setzte an der dortigen Jagellonen Universität bis 1948 sein Medizinstudium fort. Wichtiger für seine spätere Arbeit war allerdings die Begegnung mit Mieczyslaw Choynowski, dem Leiter des Krakauer Konservatoriums für Wissenschaftslehre, der Lem ein umfassendes Privatstudium in den Fächern Physik, Biologie, Kosmologie und Philosophie ermöglichte.
Eine kurze Zeit war Lem als Arzt und als Assistent am Krakauer Konservatorium Naukozncze tätig. Seit Anfang der fünfziger Jahre arbeitet er als freier Schriftsteller. Schon zuvor hatte er wissenschaftliche Artikel und Science-Fiction-Arbeiten publiziert. „Der Mensch vom Mars“ erschien 1946 in einer Romanheftreihe, geriet dann aber völlig in Vergessenheit, bis er 1989 neu aufgelegt wurde. Das eigentliche literarische Debüt von Lem, „Hospital der Verklärung“, vereitelte 1948 die Zensur des polnischen Staates. Aufgrund der zunehmenden internationalen Bekanntheit konnte der Autor später seine Werke ohne größere Probleme im In- und östlichen wie westlichen Ausland verlegen lassen. 1973 wurde Lem Dozent für polnische Literatur an der Universität Krakau.
Lems literarisches Schaffen ist weitgespannt und umfaßt Gedichte, Humoresken, Märchen, Fabeln, Erzählungen, viele Romane, aber auch Hör- und Fernsehspiele, Essays und philosophische Abhandlungen. Zu Weltruhm gelangte er als Meister der seriösen und intelligenten Science-Fiction-Literatur, in der er mit Vorliebe die Invasion der Technik in die geistige Welt schildert. Lem gilt mit seinen millionenfach verbreiteten, in viele Sprachen übersetzten Büchern zugleich als der erfolgreichste Autor der modernen polnischen Literatur.