15.04.2006 · Die schottische Schriftstellerin Muriel Spark ist im Alter von 88 Jahren in der Toskana gestorben. Die Autorin wurde mit Romanen wie „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ und „Der letzte Schliff“ bekannt.
Die britische Schriftstellerin Muriel Spark ist im Alter von 88 Jahren in der Toskana gestorben, wie die italienischen Behörden am Samstag mitteilten. Spark, die seit rund drei Jahrzehnten in Italien lebte, sei am Donnerstag in einem Krankenhaus gestorben. Die Autorin wurde mit Romanen wie „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ und „Der letzte Schliff“ bekannt.
Muriel Spark hatte sich bereits um 1960 in die dunklen, von ihren Landsleuten weitgehend unerschlossenen Gegenden jenseits der engen Grenzen der zeitgenössischen britischen Romanliteratur vorgewagt; seitdem trotzte ihr Werk unerschrocken allen Konventionen. Ihre geistige Heimat war das frühe zwanzigste Jahrhundert. Rasiermesserscharfe Sätzen waren seit der Veröffentlichung von „Memento Mori“, Sparks frühem Meisterwerk aus dem Jahr 1959, das Markenzeichen dieser Autorin, die 1993 von der englischen Königin in den Adelsstand erhoben worden war und sich seither „Dame Muriel Spark“ nennen durfte.
Tief geprägt vom Katholizismus
Muriel Sarah Camberg wurde 1918 im schottischen Edinburgh in eine Familie mit jüdisch-schottischen und presbyterianischen Vorfahren geboren. Sie trug seit 1937 den Namen ihres geschiedenen Mannes, dem sie neunzehnjährig in die britische Kolonie Rhodesien, das heutige Zimbabwe, folgte. Sie war Stenotypistin im britischen Geheimdienst MI6 und streitbare Herausgeberin der einflußreichen Zeitschrift „Poetry Review“. Im Jahr 1954 konvertierte Muriel Spark zum Katholizismus, etwa gleichzeitig wie Graham Greene, Evelyn Waugh und T. S. Eliot.
Der Katholizismus hat Sparks Werk tief geprägt, weniger im Sinne einer zu verkündenen Botschaft wie bei Greene als in ihrer erzählerischen Haltung. Sparks Erzähler sind allwissend wie Gott, sie jonglieren mit der Zeit, mit Leben und Tod, mit Wahrheit und Fiktion: „Meinen Stil habe ich erst gefunden, als ich Katholikin wurde. Er ist unbeschwert, und dafür braucht man Sicherheit“, hat Spark einmal erklärt.
Muriel Sparks größter Romanerfolg ist wohl die „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ (1961): Ihre Lehrerin Christina Kay hat dieser exzentrischen Frauenfigur Patin gestanden, die altjüngferlich ist und doch erotisch begehrenswert, die an ewige Werte glaubt, an Schönheit und an die italienischen Fascisti. Letzteres bringt sie zu Fall. Eine ihrer Lieblingsschülerinnen verrät Miss Brodie und begibt sich ins Nonnenkloster: Der Verrat und der Glaube sind nicht nur in diesem Roman der Muriel Spark Nachbarn.