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Dienstag, 14. Februar 2012
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Literatur Nobelpreis für Orhan Pamuk

12.10.2006 ·  Im Vorjahr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, nun der Literaturnobelpreis: Mit Orhan Pamuk erhält erstmals ein Autor aus der Türkei den Preis. Der Geehrte zeigte sich erfreut und besorgt zugleich.

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Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den türkischen Autor Orhan Pamuk. Das gab die Schwedische Akademie am frühen Donnerstag nachmittag in Stockholm bekannt.

Ausgezeichnet werde ein Autor, so heißt es in der Begründung, „der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat“.

Der Sekretär der Nobel-Akademie, Horace Engdahl, sagte nach der Bekanntgabe: „Es gibt wohl kaum einen Autor in der Weltliteratur, der so faszinierende Stadtschilderungen schreiben kann wie Pamuk.“ Der Preisträger dieses Jahres sei „international wohlbekannt und ja auch als Anwärter getippt worden“. „Damit haben wir wohl letztlich alle wieder überrascht“, sagte Engdahl. Er hob Pamuks „fließende Fantasie“ hervor, die er in seinen Romanen zu „faszinierenden Mustern zusammenflechte“.

Das von der Europäischen Union (EU) kritisch verfolgte Verfahren gegen den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk ist am Freitag vertagt worden.

Pamuk: Geehrt und besorgt

Den Literaturnobelpreisträger hat die Nachricht von seiner Auszeichnung am frühen Morgen in New York erreicht. „Das ist so eine große Ehre“, freute sich der türkische Schriftsteller kurze Zeit später im Gespräch mit einem Vertreter der Nobelpreis-Homepage. Möglicherweise feindselige Reaktionen in seiner Heimat bereiteten ihm allerdings Sorgen: „Unglücklicherweise macht die Tatsache, daß ich als erster Türke den Nobelpreis erhalte, die Sache ganz besonders und politisch“, sagte Pamuk am Telefon. „Das könnte zu einer weiteren Belastung werden.“

Für ihn ist die Auszeichnung auch ein Zeichen gegen die Theorie vom „Zusammenprall der Kulturen“. „Das Bild von Ost und West und ihrem Zusammenstoß ist eine der gefährlichsten Ideen der letzten zwanzig Jahre“, betonte Pamuk. Die Annahme der sich feindlich gegenüber stehenden kulturellen Pole habe schon „den Tod von so vielen Menschen“ mitverursacht. Dabei brauche Kultur doch die Vermischung und die Verbindung vieler Einflüsse, sagte Pamuk. „Meine Arbeit ist der beste Beweis, wie fruchtbar ein Mix von Kulturen sein kann.“

Der erste Preisträger aus der Türkei

Es ist das erste Mal, daß ein Schriftsteller aus der Türkei den begehrten Preis erhält. Der 54jährige Autor hat sich vor allem mit historischen Romanen im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident einen Namen gemacht. Zu den bekanntesten Werken zählen „Die Weiße Festung“, „Rot ist mein Name“ (siehe: Rezension: „Rot ist mein Name“ von Orhan Pamuk) und „Schnee“ (siehe: Orhan Pamuks neuer Roman: Panik in Anatolien). In Deutschland war der Schriftsteller im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden (siehe: FAZ.NET-Spezial: Pamuk und der Friedenspreis).

In seiner Heimat sieht sich Pamuk politischen Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt. Wegen „Herabwürdigung des Türkentums“ wurde der Autor vor Gericht gestellt, weil er in einem Interview gesagt hatte, in der Türkei seien „eine Million Armenier und 30.000 Kurden umgebracht“ worden. Der von der Europäischen Union heftig kritisierte Prozeß war Anfang des Jahres eingestellt worden (siehe: Türkei: Verfahren gegen Pamuk eingestellt).

Die Nobelpreise sind mit jeweils umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Sie werden immer am 10. Dezember in Stockholm überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Im vergangenen Jahr hatte der englische Dramatiker Harold Pinter die höchste literarische Auszeichnung erhalten.

Von Orhan Pamuk sind bislang sechs Bücher auf Deutsch erschienen und lieferbar:

„Der Blick aus meinem Fenster. Betrachtungen“, Essays (Carl Hanser Verlag, München, 2006)

„Schnee“, Roman (Carl Hanser Verlag, München, 2005)

„Rot ist mein Name“, Roman (Carl Hanser Verlag, München, 2001, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main, 2004)

„Das neue Leben“, Roman (Carl Hanser Verlag, München, 1998, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main, 2000)

„Das schwarze Buch“, Roman (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main, 1997)

„Die weiße Festung“, Roman (Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 1990)

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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