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Literatur im Internet : Eine Lektion für Marbach

  • -Aktualisiert am

Übersichtlich und benutzerfreundlich: der Literaturport Bild: www.literaturport.de

Wer Informationen über Schriftsteller im Internet sucht, ist fast immer auf Literaturportale angewiesen. Und da macht jetzt der kleine Literaturport dem großen Literaturportal mächtig Konkurrenz.

          Der Name ist geboren aus der Tatsache, daß die Adresse Literaturportal.de bereits an das mit grandioser Geste in den Sand gesetzte Online-Portal des Literaturarchivs in Marbach vergeben war ( siehe auch: Marbachs Literaturportal fehlt die Kompetenz): Literaturport.de, der vom Brandenburgischen Literaturverein und dem Literarischen Colloquium Berlin (LCB) initiierte Literaturhafen, ist, bei oberflächlichen Ähnlichkeiten, einem anderen Konzept verpflichtet.

          Während das Portal ein universelles Tor in die Weiten des Internet sein möchte, ist man beim Besuch des Ports bereits angekommen in einer virtuellen, penibel genau lokalisierten neuen Heimat. Nachdem das Internet in seinen Anfangszeiten vor allem als Triebfeder und Verkörperung der Globalisierung gefeiert wurde, entdeckt man nun die Vorzüge des Lokalen. Der Heimatbegriff kommt durch die digitale Hintertür zurück, und der Literaturport überträgt das sehr konsequent auf die Literatur.

          Kleiner Rahmen - exzellent gefüllt

          Die beiden Hauptrubriken „Autorenlexikon“ und „Literaturlandschaft“ zeigen zuerst einmal eine Karte von Berlin und Brandenburg. Daraus kann sich der Besucher beliebig große Abschnitte auswählen. Das ist oft eine gute Möglichkeit, die Fülle der Informationen zu bändigen. Die Liebe zum Detail, der kein Lokalbezug entgeht, mag allerdings den Nicht-Heimatkundler überfordern. Etwa dreieinhalbtausend Autoren aus Geschichte und Gegenwart sind hier versammelt, alle mit mehr oder weniger ausführlichen Beschreibungen. Die historischen Daten dazu stammen aus dem von Peter Walther herausgegebenen Nachschlagewerk „Musen und Grazien in der Mark“, um die Gegenwartsautoren kümmerte sich das LCB. Noch wichtiger als die Zahl der Biographien sind die peniblen Zuordnungen aller Personen zu Berliner und Brandenburger Orten, Stadtteilen und Volksschulen. Daß dies im Fall von Franz Kafka zu einer verkürzten Darstellung führen muß, liegt auf der Hand; andererseits ist es schade, daß Besucher wie Samuel Beckett, über dessen Berlin-Aufenthalt es derzeit sogar eine Ausstellung im Literaturhaus gibt, unerwähnt bleiben.

          Mit Sicherheit kann man sagen, daß der Literaturport bei dem, was er will, erfolgreicher ist als das Literaturportal. Die örtliche Beschränkung gibt ihm einen sinnvollen Rahmen, der exzellent gefüllt ist; das Material ist einfach besser organisiert. So gibt es eine benutzerfreundliche Übersicht zu Literaturpreisen und Stipendien. Der Veranstaltungskalender bietet einen Direktlink zum Routenplaner, der den Weg zum Veranstaltungsort weist. Die Lesungen zum Anhören sind zwar nicht sonderlich originell, aber ein nettes Zusatzangebot, zumal man in der Rubrik „Aus kommenden Büchern“ Hörproben aus Neuerscheinungen der kommenden Saison geliefert bekommt. 23.000 Euro hat die Entwicklung des Literaturports gekostet, im Gegensatz zu den 150.000 Euro, die das Marbacher Literaturportal verbrauchte. Nicht nur die zwei Buchstaben zeigen: Weniger ist oft mehr.

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