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Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Literatur Hexenwerk: Paulo Coelho zum Sechzigsten

24.08.2007 ·  Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hat 85 Millionen Bücher in mehr als sechzig Sprachen verkauft. Führen lässt er sich von Zeichen - zum Beispiel von der Begegnung mit einer rumänischen Stewardess. Heute wird er sechzig.

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Sein jüngstes Buch hat er an einem Tag im Februar beendet, und zwar exakt um 19.47 Uhr. Das kann kein Zufall sein, dachte sich Paulo Coelho, denn der Brasilianer wurde 1947 geboren. Nach einem wechselhaften Leben als angehender Jurist, Weltreisender, Drehbuchautor und Manager einer Plattenfirma, nach Drogenerfahrungen und der Einweisung in psychiatrische Kliniken durch die eigenen Eltern, nach politischen Aktivitäten und Gefängnishaft, hatte Coelho ein religiöses Erweckungserlebnis in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau. Seitdem lässt er sich von Zeichen führen: Zeichen, so sagt Coelho, sind die Sprache Gottes und führen uns zu dem Ziel, das uns bestimmt ist.

Bislang stehen die Zeichen für den Bestsellerautor auf 85 Millionen verkaufter Exemplare in mehr als sechzig Sprachen. Welche Auflage Coelhos jüngstem Roman bestimmt ist, scheint indes noch ungewiss, weshalb es nicht schaden kann, die Wartezeit bis zum nächsten Fingerzeig Gottes mit ein wenig gezielter Marketingarbeit zu überbrücken: Seit Anfang der Woche steht jeden Tag ein Kapitel des neuen Romans „Die Hexe von Portobello“ im Internet (Zur Homepage von Paulo Coelho). Elf Folgen sind kostenlos erhältlich, wer danach wissen will, wie es weitergeht, muss das Buch kaufen. Wenn der Vorabdruck gerade an der spannendsten Stelle abbräche, wäre das nicht ein eindeutiges göttliches Zeichen?

Stewardess in Transsylvanien

Dass sich auf der Homepage des Brasilianers bislang erst ein einsamer Leserkommentar finden lässt, ist hingegen weder Indiz noch Zeichen, sondern zweifellos eines jener seltsamen Phänomene, mit deren Existenz wir uns Coelho zufolge nicht nur abzufinden haben, sondern die wir ausdrücklich begrüßen sollten, ist es doch gerade das Unerklärliche, Mystisch-Rätselhafte, das unser Leben bereichert. Etwa so wie die Begegnung mit einer rumänischen Stewardess in Transsylvanien, die Coelho zu seinem Hexenroman inspiriert hat. Vom Titel sollte man sich indes nicht abschrecken lassen. Eine Hexe, so erklärt Coelho auf seiner Homepage, sei „eine Frau, die imstande ist, ihr Handeln von ihrer Intuition leiten zu lassen, die mit ihrer Umgebung kommuniziert, die keine Angst hat, sich neuen Herausforderungen zu stellen“. Simsalabim, kann man da nur sagen.

Aber während einerseits die Hexe definitionsmäßig kurz und bündig entzaubert wird, mehren sich andererseits doch die Zeichen und Wunder. Denn gerade jetzt, da dieser Text online geht, ist es 9.47 Uhr. In genau zehn Stunden wird es 19.47 Uhr sein. 1947 aber ist das Jahr, in dem Paulo Coelho geboren wurde, und zwar heute vor sechzig Jahren. Und dass genau an diesem Tage diese Glosse erscheint, das ist kein Zeichen mehr, sondern schon Hexenwerk.

Quelle: igl / F.A.Z., 24.08.2007, Nr. 196 / Seite 33
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