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Libanesischer Autor Jabbour Douaihy Wir leben immer zwischen zwei Attentaten

Der Schriftsteller Jabbour Douaihy ist einer der bekanntesten Intellektuellen des Libanon. Im F.A.S.-Interview spricht er über die drohende Ausweitung des syrischen Bürgerkrieges auf sein Land.

© AFP In Beirut hat sich die Lage nach dem Attentat auf den Geheimdienstchef wieder beruhigt. In Tripoli führen sunnitische und alawitische Stadtviertel einen Stellvertreterkrieg

Der Schriftsteller und Literaturprofessor Jabbour Douaihy zählt zu den bedeutendsten Intellektuellen des Libanon. Er will die Gewalt, die dieses Land immer wieder erschüttert, mit literarischen Mitteln ergründen. Jahrzehntelang war seine Familie in eine Blutfehde verwickelt, der in den fünfziger Jahren an einem einzigen Tag zwanzig Menschen zum Opfer fielen. Die Ereignisse von damals hat Douaihy in seinem Roman „Morgen des Zorns“ verarbeitet. Per Mail gibt er mir seine Handynummer, nennt eine Uhrzeit und sagt, er freue sich auf das Gespräch. Als er abnimmt, hört man vor allem lautes Rauschen.

Herr Douaihy, wo erreiche ich Sie gerade?

Ich sitze im Auto und bin gerade erst aus Beirut rausgefahren. Tut mir leid, es war Stau.

Wie ist die Lage dort? Nach der Trauerfeier für den ermordete Geheimdienstchef al Hassan wirkte es, als stünde der Libanon wieder vor einem Bürgerkrieg.

Die Situation ist angespannt. Es liegt etwas in der Luft, das nicht gut ist, jeder spürt das. Es sind mehr Soldaten in der Stadt als sonst, und manchmal hört man Schüsse. Aber die Leute im Libanon hatten oft genug Gelegenheit, um sich an solche Situationen zu gewöhnen. Wenn es ein Attentat gegeben hat, dann wissen wir, dass es auch ein nächstes geben wird. Wir leben immer zwischen zwei Attentaten. Das ist schließlich Beirut.

Die Leute haben keine Angst?

Vielleicht schon. Trotzdem geht das Leben seinen Gang. Die Läden und Straßen der Stadt sind voll, die Restaurants auch. In Beirut feiert man das Leben, denn man weiß ja nie, wie lange es noch dauert.

Man sagt, die syrische Regierung stecke hinter dem Attentat.

Vor allem die Leute, die den Kampf der syrischen Rebellen gegen Assad unterstützten, glauben daran. Der Libanon war unter syrischer Besatzung, erst 2005 haben wir uns befreit. Manche Leute sehen eine Ähnlichkeit zwischen dem Aufstand gegen Assad und der damaligen libanesischen Befreiungsbewegung. Die Hizbullah ist natürlich anderer Meinung.

Sie unterstützt ja auch Assad.

Ja, sie schickt Waffen und Kämpfer nach Syrien.

Und was glauben Sie?

"Incroci Di Civilta" - Portraits © Getty Vergrößern „Wenn die Schießereien zu heftig werden, fällt die Vorlesung natürlich aus“, sagt Jabbour Douaihy

Na ja, es wäre nicht das erste Attentat, das unser Nachbar hier verübt, und sicherlich wird es auch nicht das letzte sein. Syrien mischt sich seit dreißig Jahren in libanesische Angelegenheiten ein. Das Regime kennt dabei nur ein Mittel, und das sind Bombenattentate. Gegner werden nicht überzeugt, sondern eliminiert. Und da es im Libanon ziemlich viele Gegner der syrischen Regierung gibt, wird es auch noch weitere Attentate geben. Glauben Sie mir, Syrien hat hier echt viel zu tun, und ich fürchte, dass das Regime keine Scheu haben wird, dem nachzugehen. Dabei sollte man meinen, Assad habe gerade genügend andere Probleme.

Wie viele Morde gehen schon auf sein Konto?

Seit dem Mord an Rafik Hariri 2005, dessen Sicherheitschef der jetzt ermordete al Hassan ja war, sollen etwa zwanzig Persönlichkeiten von Handlangern des Regimes ermordet worden sein.

Kurz bevor es Hariri traf, hatte er sein Amt als Ministerpräsident niedergelegt, aus Protest gegen die Einflussnahme des Nachbarlandes.

Ja, und dann haben Sie ihn mit einer Bombe an seinem Fahrzeug hochgehen lassen. Ein ähnliches Vorgehen wie jetzt bei al Hassan.

Ich habe gehört, Sie sitzen oft in den Beiruter Kaffeehäusern. Haben Sie das in den vergangenen Tagen auch gemacht?

Aber ja, natürlich.

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