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Veröffentlicht: 13.09.2016, 13:31 Uhr

Benedikt XVI. im Gespräch Der Blick des Christen geht immer in die Zukunft

Benedikt XVI., der zurückgetretene Papst, gibt dem Journalisten Peter Seewald noch einmal Auskunft über sein Pontifikat, die Gründe für den Rückzug, seine Begeisterung für Adenauer - und wie er sich auf seine letzte Begegnung vorbereitet.

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© dpa Gibt Auskunft über die Gründe seines Rücktritss: Benedikt XVI.

Der Titel könnte makaber wirken. Die „Letzten Gespräche“, das vierte Buch aus Interviews von Peter Seewald mit Joseph Ratzinger, erscheinen schließlich zu Lebzeiten des emeritierten Papstes. Aber unangemessen ist der Titel nicht. Benedikt XVI. tritt uns nicht als ein Mensch entgegen, der mit dem Leben abgeschlossen hat. Aber sein Leben ist in die Phase der letzten Konzentration eingetreten, geht auf in Vorbereitung auf den Tod.

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In einfachsten Worten schildert uns Benedikt die täglichen Verrichtungen eines auf einem Auge erblindeten Greises. Der äußere Radius seiner einst den Erdkreis umspannenden Tätigkeit ist auf eine Wohngemeinschaft im Vatikan geschrumpft, eine Art Klosterzelle. Er schreibt noch, aber keine Bücher mehr, sondern nur noch Predigten für den gleichsam privaten Gebrauch in der Sonntagsmesse vor den Mitbewohnern.

Er spricht nicht mehr als Papst

Seewald hat in die Gesprächsprotokolle auch knappe Notizen über nonverbale Regungen seines Gesprächspartners aufgenommen. Dieser firmiert stets als Papst. Das kann irritieren. Benedikts Nachfolger Franziskus hat ihm Papstnamen und -titel im Sinne einer Ehrenbezeigung belassen. Aber wenn der frühere Papst sich wozu auch immer äußert, spricht er nicht mehr als Papst; sein Sekretär hat sich in diesem Zusammenhang gelegentlich in verwirrender Weise eingelassen. Andererseits spricht aus Benedikts persönlichen Mitteilungen seine Auffassung vom Papstamt, und anhand von Angelegenheiten, die jeder Mensch mit sich selbst ausmachen muss, kann vielleicht ganz besonders deutlich werden, wie die Nachfolger des Petrus ihr Amt verstanden haben.

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Wie Benedikt berichtet, beschäftigte ihn beim Nachdenken über seinen Rücktrittsplan die Frage, ob er mit dem präzedenzlosen Schritt einer „funktionalistischen“ Umdefinition des Papsttums Vorschub leisten würde. Es wäre eine Ironie der Kirchengeschichte, wenn ausgerechnet Ratzinger, der Kritiker der Selbstsäkularisierung der Funktionärskirche, dafür sorgen sollte, dass aus dem Diener der Diener Gottes ein Beamter mit Pensionsberechtigung werden würde. Es ist nicht auszuschließen, dass es entgegen Benedikts Absicht dazu kommt.

Diskrepanz zwischen Intentionen und Konsequenzen

Die Diskrepanz zwischen Intentionen und Konsequenzen ist in der Kirche besonders groß, weil die Stabilisierung der Institution durch kontrafaktisches Beharren auf der Normgeltung, die es in jeder Organisation gibt, hier auf der Annahme eines übernatürlichen Fundaments ruht und die Adressaten der kirchlichen Botschaft außerhalb wie innerhalb des Apparats die Personen in ihrer Eigenschaft als Personen sind. Leopold von Ranke konnte die Geschichte der Institution des Papsttums als Geschichte der aufeinanderfolgenden Päpste schreiben, im ironischen Modus.

Über Pius IV., der 1559 mit sechzig Jahren zum Papst gewählt wurde, erzählt Ranke, er sei nach der Genesung von einer als lebensgefährlich eingeschätzten Krankheit aufs Pferd gesprungen, zu dem von ihm als Kardinal bewohnten Palazzo geritten und dort treppauf und treppab gelaufen: „,Nein, Nein!‘ ruft er, ,Wir wollen noch nicht sterben!‘“ Benedikt demonstriert eine entgegengesetzte Haltung, wenn er Einblick in den Inhalt seiner täglichen Meditationen gewährt. „Dass ich immer wieder daran denke, dass es zu Ende geht. Das Wichtige ist eigentlich nicht, dass ich mir das vorstelle, sondern dass ich in dem Bewusstsein lebe, das ganze Leben geht auf eine Begegnung zu.“ Im Tod, so seine Hoffnung, muss sich die Wahrheit enthüllen, in deren Dienst er sein Leben gestellt hat.

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