18.11.2008 · Mit Genugtuung und Freude entnehme ich dem Beitrag "Süßwassermatrose" (F.A.Z.-Feuilleton vom 31. Oktober), dass Rostock, der Geburtsort Walter Kempowskis, nicht irgendeine Nebenstraße nach dem berühmten Sohn ihrer Stadt zu benennen ...
Mit Genugtuung und Freude entnehme ich dem Beitrag "Süßwassermatrose" (F.A.Z.-Feuilleton vom 31. Oktober), dass Rostock, der Geburtsort Walter Kempowskis, nicht irgendeine Nebenstraße nach dem berühmten Sohn ihrer Stadt zu benennen gedenkt, vielmehr künftig ein ganzes "Kempowski-Ufer" - ich stelle mir dabei eine Promenade, die an der Warnow entlangführt, vor - mit seinem Namen zu würdigen beabsichtigt.
Ob Walter Kempowski dies auch recht wäre, fragt sich der Verfasser des erwähnten Beitrags selbst. Der Schriftsteller und unermüdliche Sammler von Lebensgeschichten, Tagebüchern und Briefen anderer Menschen würde, wenn er eine solche Ehrung noch erleben könnte, wahrscheinlich nicht unbedingt auf einer Bank am Ufer sitzen und mit Wohlgefallen auf die erfrischende See hinausblicken wollen. Dies hat er uns in aller Deutlichkeit gesagt. "Wasser ist ja eigentlich zum Kotzen! O Gott. Wie habe ich mich an der Ostsee immer gelangweilt, als Schüler." Diese Aussage werden die Rostocker wohl keineswegs übersehen und deswegen bei ihrer Entschlussfassung wahrscheinlich beide Augen zugedrückt haben.
Kempowskis letztem Tagebuch "Somnia" ist, während er sich im Juli 1991 auf der Nordsee-Insel Langeoog befand, außerdem die Notiz zu entnehmen: "Leute aus dem Inland erkennt man daran, dass sie statt ,die See' - ,das Meer' sagen." Diese maritime Erkenntnis war auch mir bis dahin unbekannt. Ich werde sie als Inländerin in jedem Fall beherzigen.
IRMGARD HELMSTÄDTER, MÜNSTER