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Veröffentlicht: 15.10.2015, 12:07 Uhr

Ein Warnruf Die Schweiz ist des Wahnsinns

Vor den Parlamentswahlen scheint die Lage so klar wie trostlos: Das Land ist auf dem falschen, rechten Weg. Mit der Kultur geht es bergab und mit den Medien auch. Es ist empörend. Ein Gastbeitrag.

von Lukas Bärfuss
© dpa Man muss sie ja nicht gleich wegwerfen: die Landesflagge vor dem Berg, der fast so berühmt ist wie ein Stück Schweizer Schokolade – das Matterhorn.

Am kommenden Sonntag wählt die Schweiz das neue Parlament. Der dritte Rechtsrutsch in sechzehn Jahren scheint eine ausgemachte Sache zu sein; aber was viele hierzulande in Unruhe versetzt, ist nicht der Wahlsonntag, sondern der ebenfalls nahende 26. Oktober.

An jenem Montag läuft nämlich die Frist aus im Sammelspiel, das Migros, der größte Einzelhändler der Schweiz, in diesen Tagen veranstaltet. In seinen Filialen gibt es für jeden Einkauf über zehn Franken ein Glücksbeutelchen, darin eine von insgesamt fünfzig nationalen Sehenswürdigkeiten. Mit im Beutelchen ein Sticker, den der Sammler in ein Album kleben darf. Die Gebühr für das Heft wird durch die aufwendige Gestaltung gerechtfertigt. Vierfarbig glänzen da die schönsten Schönheiten des Schweizerlandes. Das Spalentor zu Basel, der Zytgloggeturm in Bern, das Schloss Chillon am Genfer See - und als Zugabe eine schillernde Postkarte, die je nach Betrachtungswinkel ihr Aussehen ändert: Im orange Nichts schwebt oszillierend eine Scholle mit den Umrissen der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Titel dieser famosen Sammelaktion: „Suissemania“.

© reuters Berge im Zeitraffer: Die schöne Seite der Schweiz

Heiligtum direkte Demokratie

Eine Manie ist nach dem Pschyrembel eine psychotische Störung der Affektivität, häufig mit Wahnvorstellungen und Katatonie verbunden. Man muss dies alles nicht als Diagnose der hiesigen Malaise lesen. Man muss nicht, aber man kann. Wie auf der Postkarte verliert das Land auch in der Wirklichkeit mehr und mehr jede erkennbare Kontur. Zerrüttet von den globalen Stürmen, sucht das Land Halt in nationalen Monumenten, die mittlerweile auf Miniaturgröße geschrumpft sind, als Beifang des täglichen Konsums kostenlos abgegeben werden und problemlos in die persönliche Nippessammlung passen. Selbst der Werbespruch auf dem Umschlag scheint die hiesige Umnachtung aufzunehmen: „Mit vielen tollen Rätseln!“

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Die Kräfte, die dieses Land im 21. Jahrhundert formen, werden derweil erfolgreich ignoriert. Wie Geister flößen sie den Menschen Angst ein und lähmen sie bis zur Katatonie. Keine der politischen Parteien hat den Mut, sich im Wahlkampf den realen Herausforderungen zu stellen. Dabei liegen sie meterhoch vor den Chalets des gebeutelten Heimatlandes, und es braucht enorme Verdrängungsleistungen, um an ihnen vorbeizusehen.

Am lautesten ist nach wie vor das Schweigen über das Verhältnis zur Europäischen Union. Die Situation ist einfach auch zu kompliziert: staatsrechtlich, diplomatisch und ökonomisch undurchschaubar und obendrein für jeden Politiker im Wahlkampf eine unerhörte Peinlichkeit. Wie soll er seinen Wählern auch erklären, was sie damals, am 9. Februar 2014, bei jener Abstimmung über die Masseneinwanderung, angerichtet haben? Und dass das Heiligste aller schweizerischen Heiligtümer, so himmelsgleich und gnadenreich, dass selbst die Spieledesigner es nicht gewagt haben, es in Plastik zu gießen, die direkte Demokratie nämlich, für diesen Unfall verantwortlich ist? Den nationalen Karren hat er so tief in den Dreck gefahren, dass keiner weiß, wie er jemals wieder befahrbaren Boden unter die Räder bekommen soll.

Was auf der Strecke bleibt

Europa ist auch im Herbst 2015 ein vergifteter Trank, von dem zu kosten, sich selbst robuste Naturen nicht trauen. So hält man sich allenthalben an den Trost seiner Halluzinationen, schließt die Augen und hofft, das Problem möge auf magische Weise von allein verschwinden. Keine erfolgreiche, aber dafür eine verbreitete Methode: Was riecht, wird auf den Balkon gehängt. So verpesten die zum Verlüften aufgehängten Kümmernisse mehr und mehr die Umgebung. Doch wer die Augen verschließt, mag sich auch die Nase zuhalten, auch wenn ihm dann bald die Hände für eine vernünftige Arbeit fehlen.

Zu tun gäbe es genug. Die Schweiz hat seit 1990 das niedrigste Wirtschaftswachstum aller OECD-Länder. Ein Umstand, den man hier angeht, indem man Arbeitnehmer drangsaliert, Arbeitszeiten verlängert und Löhne kürzt. Die Linke und die Gewerkschaften, von denen man Protest erwarten könnte, verharren in einer über Generationen angelernten Bravheit, glauben immer noch an den Arbeitsfrieden und den Sozialvertrag und haben noch immer nicht verstanden, dass sie vom Melker zur Kuh geworden sind.

Die Exportwirtschaft ächzt unter dem starken Franken, aber man deutet die monetäre Folter zum Ertüchtigungsprogramm um, das in der gesundbeterischen Logik der ökonomischen Elite schließlich dem gesamten Organismus zugutekommen wird. Weil sich höhere Angestellte gern beim Dauerlauf in Schwung halten, reden sie sich ein, auch eine Volkswirtschaft müsse ein wenig an die Grenzen gehen, um zu besseren Zeiten zu rennen. Was bleibt dabei auf der Strecke? Löhne, Steuern, Investitionen in Bildung und Forschung.

Ein Land unter Druck

Hoffnung für die Wirtschaft kommt nur aus deutschen Exklaven und den grenznahen Gebieten jenseits des Rheins. Dort hat man sich auf die Verhältnisse eingestellt und neue, innovative Geschäftsmodelle entwickelt. Weil die Schweizer Konsumenten schneller als die Politik begriffen haben, dass man den starken Franken in diesen Zeiten besser hortet als ausgibt, kaufen sie ihre Ware gerne bei ausländischen Lieferanten im Internet. Die fakturieren glücklicherweise in Euro, also viel billiger. Und um gleich noch die Mehrwertsteuer zu sparen, lässt sich der helvetische Shopper das Paket an eine deutsche Adresse schicken. Und so erblüht das deutsche Jestetten, fast ganz von schweizerischem Territorium umgeben, im Zug der florierenden Paketdienste. Getränkehändler und Frisörsalons stellen ihre Postadressen preisbewussten Schweizern zur Verfügung, nehmen die Ware in Empfang, lagern sie treu, bis der Eigentümer sie auslöst. Die Autokolonnen am Wochenende und nach Feierabend nimmt man in Kauf. Schließlich verdient man ordentlich. In Jestetten. Für die schweizerische Volkswirtschaft bedeutet der Einkaufstourismus im laufenden Jahr einen Schaden von elf Milliarden Franken.

Ganz zu schweigen vom Geld, das der öffentlichen Hand durch die Schlaumerei entzogen wird. Die demographische Entwicklung wird die Altersvorsorge zusätzlich demontieren, aber darüber hört der Schweizer selten Verlässliches. Sicher ist nur: Die Kantone stöhnen unisono unter Haushaltsdefiziten. Und auch diese Jeremiaden werden so wenig Anlass zum Handeln wie der von der Regierung längst versprochene Energiewandel. Der älteste Atommeiler der Welt steht bekanntlich auf schweizerischem Boden. Das Kernkraftwerk Beznau produziert ebenso zuverlässig Strom wie Störfälle. Internationale Experten schütteln über die Fahrlässigkeit den Kopf. Die Aktien der Trägergesellschaft liegen vollständig in den Händen der Kantone, und die verspüren wenig Lust, für sicheren Strom mehr Geld zu bezahlen. Und so lässt man den Lotter-Reaktor weiter brennen. Und hofft, der Herrgott im Himmel möge der Eidgenossenschaft weiter so gnädig sein wie bisher und das Schlimmste verhindern.

Niemand sollte glauben, dass sich das Land nicht verändert. Im Gegenteil. Es transformiert sich so schnell wie Ektoplasma aus Hollywood. Die Form, die es sich anzunehmen schickt, ist nicht dem himmlischen Schicksal überantwortet, sondert reagiert, wie jedes Plasma, auf Druck. Und Druck ist reichlich da. Dass sich die Schweiz seit zwanzig Jahren in einem Kulturkampf befindet, bezweifelt niemand mehr. Obwohl es einige Pessimisten gibt, die behaupten, dieser Kampf sei bereits entschieden und seit kurzem vorbei.

Notorische Lügen

Die nationale Rechte lässt die Bären tanzen, wo und wann sie will. Was die Schweiz von Ländern wie Frankreich und Österreich unterscheidet, sind die 3,6 Milliarden Privatvermögen, über die der Extremismus hierzulande verfügt. Geld in den Händen eines chemischen Industriellen, Christoph Blocher, der seit Jahr und Tag das Land mit seinen obskuren Ideen inspiriert. Kunstsinnig wie immer, ist er auf seine alten Tage zudem großzügig geworden. Der Mann besitzt nicht nur Milliarden, er scheint mehr und mehr gewillt, sie auch auszugeben.

Zum Frühstück spendiert er sich die erste öffentliche Ausstellung seiner privaten Gemäldegalerie in einem respektablen Kunstmuseum, dem Oskar Reinhart Museum in Winterthur, das des Industriellen Sammlung hiesiger Genremaler ausstellen darf und ihn dafür mit dem Glanz des Gönners salbt. Und weil ein rechtsnationaler Sammler mit Sendungsbewusstsein ein paar Selbstporträts veröffentlicht sehen will, kauft sich der Mäzen gleich die passende Publikation dazu. Das „Du“-Magazin, über Jahrzehnte das Zentralorgan des honorablen, kunstbeflissenen Bürgertums, hat praktischerweise sein Konzept gewechselt. Nun kann jeder, der sechzigtausend Schweizer Franken zu zahlen bereit ist, das Blatt komplett buchen, und niemand stört sich daran, dass eine Zeitung, die einmal bekannt war für die Arbeiten von Werner Bischoff und Hugo Lötscher, eine Woche vor den nationalen Wahlen den politischen Extremismus mit den Weihen der Kunst bemäntelt und rechtfertigt.

Das bunte Blatt im Hochformat reiht sich damit ein in die neue mediale Front, die von der „Zürcher Weltwoche“ über die „Basler Zeitung“ alle jene verbindet, die bereit sind, ihre journalistischen Standesregeln zu verhökern. Das Geschäftsmodell dieser Parteiorgane sorgt sich längst nicht mehr um Inserate, Abonnenten oder gar Leser. Wie die Defizite gedeckt werden, hat selten jemand gefragt, nie jemand recherchiert. Einer solchen Aufgabe scheinen die schweizerischen Medienhäuser zurzeit nicht gewachsen zu sein. Man begnügt sich mit den notorischen Lügen der Beteiligten.

Gezählt wird nur noch mit neun Nullen

Schweizerische Medien? Muss man sich um sie Sorgen machen? Man muss nicht, aber man sollte vielleicht. Der Durchmarsch der Rechten hat gerade erst begonnen. Den Sturm auf die Chefredaktion der „Neuen Zürcher Zeitung“ konnte eine mutige Redaktion gerade noch verhindern. Bei der Neubesetzung der Feuilletonleitung ist ihr das leider nicht mehr gelungen. Der rechte Verwaltungsrat hat aus der vorigen Niederlage gelernt und im letzteren Fall den Arbeitsvertrag wohl zuerst unterschrieben - und dann erst über die Personalie informiert. Was vom neuen Kulturchef zu erwarten ist, bleibt abzuwarten. Ein Schuft, der an seiner Haltung zweifelt, nur weil sein letzter Arbeitsort eine Publikation mit einschlägig faschistischer Vergangenheit ist. In diesem Familienstück der Reaktionäre hieß der Chefredakteur früher „Hauptschriftleiter“, die Financiers hofierten Hitler und versorgten den Faschismus mit Barschaft. Heutzutage kommt das Geld von einem Privatbankier, der sein Institut unter dem Druck der amerikanischen Steuerbehörden verscherbeln musste. Aber auch danach blieb offensichtlich genug Geld und Einfluss übrig, um seinen journalistischen Zögling in eine der einflussreichsten Positionen der deutschsprachigen Publizistik zu hieven. Qualifikationen? Unnötig. Internationale Erfahrung? Das wäre in diesen Tagen geradezu unerwünscht.

Aber es gibt ja noch die Konkurrenz auf der anderen Seite der Sihl. Leider scheint auch mancher Redaktor des „Tages-Anzeiger“ mittlerweile von den ewigen Budgetkürzungen zermürbt. Anders kann man es sich nicht erklären, dass der dortige Kulturchef in dasselbe Horn wie jener Schriftsteller bläst, der neulich in der NZZ zur Schließung von Theatern aufgerufen hat und obendrein die nicht ganz von der Hand zu weisende Behauptung aufstellte, Dichter von seiner Sorte gebe es zu viele - ein Mann, der am Schweizerischen Literaturinstitut den Nachwuchs ausbildet. Solche spektakulären Pointen kann man bei der NZZ noch verlässlich dem neoliberalen Schema und ihrem Duktus zuordnen.

Beim „Tages-Anzeiger“ scheinen sie bisweilen nur noch verwirrt zu sein. Das ist allerdings kein Wunder in einem Haus, das fünfzig Prozent des Geschäfts nicht mehr mit Journalismus, sondern mit Adresshandel und einem Internetauktionshaus verdient. Noch weniger erstaunlich ist, es wenn man weiß, dass in diesem Mischkonzern in den letzten Jahren eine gute Milliarde von den Redaktionen zu den Aktionären verschoben wurde. Hierzulande zählt man nur noch mit neun Nullen. Für manches Rückgrat in den Redaktionsstuben ist das nicht ohne Folgen geblieben.

Ein Volk von Zwergen

Hoffnung brächte eigentlich das gebührenfinanzierte Staatsfernsehen. Doch was man dort von Kritik hält, zeigt sich in der Art und Weise, wie man mit Intellektuellen umspringt. Ein kritischer Film über die Schweiz, verantwortet vom Schriftsteller Robert Menasse und dem Übersetzer Stefan Zweifel, wurde kurzerhand aus dem Programm gekippt. Und auch hier fanden die Verantwortlichen, als sie sich nach Tagen zum ersten Mal vernehmen ließen, nur die Fadenscheinigkeit der mangelnden Qualität und also die bekannte Rückzugsposition aller Feiglinge als Rechtfertigung für die Zensur.

Vertrauen kann ein Schweizer Bürger heute eigentlich nur noch auf die Justiz. Allerdings nicht auf die schweizerische, sondern auf die amerikanische. Sie sorgt regelmäßig dafür, dass die Eidgenossenschaft den Kontakt zu den zivilisatorischen Nationen nicht ganz verliert. Ohne die Staatsanwälte aus Übersee hätten die Banken das Gold der ermordeten Juden bis heute nicht zurückbezahlt. Die internationalen Steuerhinterzieher würden sich immer noch auf das Bankgeheimnis verlassen können. Und korrupte Sportfunktionäre könnten weiterhin unbehelligt von Zürich aus die Jugend der Welt an den Mammon verkaufen. Da nimmt man als Bürger die peinlichen Wildwest-Szenen aus den Straßen Zürichs, die im Sommer um die Welt gingen, gerne in Kauf.

Ein Volk von Zwergen will man hierzulande sein und bleiben. Darauf besteht man durch alle sieben Böden und bis ins hinterste Tal. Und man zeigt sich jetzt immer erstaunter, dass man vom Ausland plötzlich auch als Zwerg behandelt wird. Die Schweiz hat immer weniger zu sagen. Die Verhandlungen über das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen finden selbstverständlich ohne die Schweiz statt. Die neuen Bestimmungen in allen wirtschaftlichen Bereichen werden die Schweiz in einer Weise verändern, die die Torturen der letzten Jahre als lockere Dehnungsübungen aussehen lassen werden. Als Schweizer hat man dazu kein Wort zu sagen, aber wir werden natürlich nachvollziehen müssen. Der einzige Trost liegt im Umstand, dass man sich auch daran mittlerweile gewöhnt hat. Ein guter Teil der eidgenössischen Verwaltung ist damit beschäftigt, Gesetze nachzuvollziehen, die nicht in Bern, sondern in Brüssel oder New York erlassen wurden.

Böses Erwachen

Als Schweizer hat man in der globalisierten Welt nichts mehr zu sagen. Gefühle der Ohnmacht werden gerne mit großen Worten kompensiert. Und wenn große Worte nicht mehr reichen, nimmt man eben unanständige. Der Populismus wird immer frecher, die Anwürfe immer primitiver. Im Schweizer Fernsehen muss sich ein Moderator zur besten Sendezeit auf eine Weise antisemitisch angehen lassen, die in keinem anderen Land möglich wäre, vielleicht mit Ausnahme Irans. Die Empörung darüber hält sich in sehr engen Grenzen. Genauso wenige stört es, wenn die größte Partei der Schweiz mit Nazisymbolen Werbung macht. Die Einzige, die ihr Fett abbekommt, ist die Schriftstellerin, die darauf hingewiesen hat, dass die Ziffernfolge „88“, die in diesem Wahlclip einer Bundesratspartei präsentiert wird, unter Nazis als Chiffre für „Heil Hitler“ steht. Sie muss sich von den Parteiideologen in ihren Kampfschriften anpöbeln lassen und erhält Morddrohungen, wie sie viele kennen, die hierzulande kritische Fragen stellen.

Man darf sich deswegen nicht beklagen. Andere zahlen einen noch höheren Preis. Etwa jener jüdische Mitbürger, der in Zürich am helllichten Tage von einem braunen Mob angegangen wurde. Zusammenhänge? Man wird doch nicht so paranoid sein! Suissemania: Der Wahnsinn, die Katatonie, die psychotische Störung können nicht ewig herrschen. Die Vernunft hierzulande ist nicht tot, sie schläft einfach sehr, sehr tief. Es wäre an der Zeit, sich zu regen und den Monstern zu trotzen, die ihre Ruhe gebiert. Sonst wartet am Ende einer langen Nacht ein böses Erwachen und als Trost nur die Nippessammlung, das Kloster Einsiedeln, die Schlacht am Morgarten und das Schellen-Ursli-Haus im schönen Graubünden, jedes davon durchschnittlich drei Zentimeter groß, aus ordinärem Plastik und selbstverständlich made in China.

Glosse

Der Zyniker braucht ein Gegenüber

Von Simon Strauß

Der Dramatiker Heiner Müller ist vor zwanzig Jahren gestorben. Seine Sätze über die angebliche Dummheit von Politikern aber klingen bis heute nach. Haben sie uns etwas zu sagen? Mehr 1 2

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