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Krimiautor und Staatsanwalt Carofiglio : In Apulien haben wir die Gangster im Griff

  • -Aktualisiert am

Bluttriefende Serienkiller- und Bandenkriegsliteratur ist nicht sein Ding: Gianrico Carofiglio Bild: Flashfotos

In Bari ist Gianrico Carofiglio ein Star: Der Staatsanwalt sorgt nicht nur dafür, dass die Bösen hinter Gitter kommen, er schreibt auch noch phantastische Kriminalromane. Seine Leser nimmt er mit in die staubigen Flure des Gerichts - ganz unspektakulär wie im richtigen Leben.

          In diese Altstadt konnte man abends nicht mehr gehen. Da war die „unsichtbare Linie“ irgendwo hinter der Piazza del Ferrarese, und Gianrico Carofiglio zeigt ins Gewirr der Gassen: „Dahinter patrouillierten immer die Taschenräuber und die Dealer auf ihren Mopeds. Wer da reinging, dem konnte alles passieren.“

          Carofiglio muss es wissen. Nicht allein, dass er als Staatsanwalt in Bari die Gangster beruflich kennt. Er ist auch in der Stadt an der Adria geboren und aufgewachsen. Den kaum verständlichen Dialekt hat er nicht daheim in seiner bürgerlichen Familie gelernt, sondern beim Karate. „Wenn man da ein Wort falsch versteht, kann das fatale Folgen haben.“ Viel später, erzählt er, traf er viele Sportkameraden vor Gericht wieder - „auf der anderen Seite“.

          Die Liebe zur Literatur und die Liebe zu Bari

          Außer seinem Job als Staatsanwalt ist Carofiglio, Jahrgang 1961, vor ein paar Jahren einer alten Leidenschaft gefolgt. Er schreibt Bücher. Seine Kriminalromane um den baresischen Anwalt Guido Guerrieri sind in Italien über eine Million Mal verkauft worden und auch in Deutschland Bestseller; der zweite von bisher drei Titeln - „In freiem Fall“ - wurde 2007 zum Krimi des Jahres gewählt. Dass der Autor in der Staatsanwaltschaft beruflich mit dem Organisierten Verbrechen zu tun hat, macht sich gut auf dem Klappentext. Doch Carofiglio schreibt nicht über die großen Gangster der Camorra und Mafia, und autobiographisch sind seine Bücher, sagt er, schon gar nicht. Oder doch?

          Der Autor konzentriert sich auf sein erlerntes Gewerbe und hat das alte Genre des „legal thriller” zu neuen Höhen geführt

          Ein paar Übereinstimmungen zwischen Lebenswirklichkeit und Fiktion gibt es nämlich. Wenn sein Avvocato Guerrieri aus dem Untersuchungsgefängnis oder dem Gericht heimkommt, dann lebt er seine Passion für Kampfsport, indem er mit Boxhandschuhen auf einen Sandsack eindrischt. Schließlich bedeutet der Name des Anwalts auf Deutsch: „Kämpfer“. Wie Guerrieri liebt auch sein Autor amerikanischen Rock und afrikanische Ethnoklänge. Und dann sind da die beiden großen Leidenschaften, die Guerrieri und Carofiglio einen: die Liebe zur Literatur und die Liebe zu Bari.

          Der Stolz einer ganz eigentümlichen Stadt

          Es könnte daher gut eine Passage aus einem seiner Romane sein, wenn Carofiglio mit uns abends durch die Fußgängerzone der Neustadt eilt. Im Großraum Bari versorgen zwei Buchhandlungen das Publikum bis spät am Abend, und Carofiglio beginnt auch gleich unter den Neuerscheinungen der weißlackierten Laterza-Filiale unweit der Universität, an der er selber Jura studiert hat, eifrig zu stöbern. Aber halt - so simpel schildert ein guter Autor seine Stadt denn doch nicht ab. Es war, erzählt Carofiglio, andersherum: Er ließ seinen Helden nachts im Geschäft schmökern und mit dem Buchhändler philosophieren; erst danach machten zwei Läden auf, die diesem Ideal gleichkamen. „Doch die Betreiber sagen, sie hätten meine Bücher gar nicht gelesen.“ Ist es also die Wirklichkeit, die die Literatur kopiert?

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