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Krimi „Die Lieferantin“ : Wenn die Drogen mit der Drohne kommen

Plötzlich hat es „Klick“ gemacht: Die Autorin Zoë Beck. Bild: Victoria Tomaschko

Zoë Beck wollte nie Regional- und auch keine Frauenkrimis schreiben. Darin ist sich die Schriftstellerin treu geblieben. Sie erzählt lieber von einem Drogenkrieg in London nach dem Brexit.

          Die Drohne war früh aufgestiegen, sie schwebte schon über dem Exposé, gerade mal so groß wie ein Spatz, Zoë Beck hatte es nur noch nicht bemerkt. Sie wollte in ihrem neuen Roman von Drogen erzählen und von organisierter Kriminalität, von einer jungen Frau in London, die Drogen verkauft. Dazu hatte sie recherchiert. Ein Bekannter hatte ungefähr zu der Zeit eine Dokumentation über Drohnen fertiggestellt, sie fand das Thema aufregend, und auf einmal, sagt Zoë Beck, „machte es dann Klick“. Es kam zusammen, was sehr gut zusammenpasst, wenn man den Kriminalroman „Die Lieferantin“ liest.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die junge Ellie, so heißt die Titelfigur, hat ein Start-up-Unternehmen, das Hightech-Drohnen entwickelt, und ohne Wissen ihres Auftraggebers hat sie ein gutes Dutzend davon an Leute verteilt, die damit nach Bestellung im Darknet Drogen in Greater London zustellen, beste Qualität, sicher, geräuschlos, gelegentlich wegen heftiger Witterungsbedingungen mal nicht einsatzfähig. Und mit einer politischen Agenda: Weil die britische Regierung nach dem Brexit den „Druxit“ plant, weil sie an die Schimäre eines drogenfreien Großbritanniens glaubt, dealt die Lieferantin für die Freiheit, „dass erwachsenen Menschen zugestanden wurde, Entscheidungen für sich zu treffen, nachdem sie sich informiert hatten und wussten, welche Risiken sie eingingen“.

          Straßenszene im Londoner Stadtteil Brixton, einem der Schauplätze von Zoë Becks Roman „Die Lieferantin“.
          Straßenszene im Londoner Stadtteil Brixton, einem der Schauplätze von Zoë Becks Roman „Die Lieferantin“. : Bild: Matthias Lüdecke

          Leider gebe es derart leistungsfähige Drohnen noch nicht, sie habe da ein wenig hinzuerfinden müssen, sagt Zoë Beck mit einem Lächeln, während wir beim Mittagessen in Berlin-Zehlendorf sitzen, weit entfernt von Mitte. Hier ist Berlin noch provinziell und dörflich, wie es früher zu West-Berlin-Zeiten war, hier wohnt der Bundespräsident gleich um die Ecke, weshalb man sich bei der Parkplatzsuche misstrauischen Polizistenblicken aussetzt. Die 42-Jährige wohnt hier, in dieser Halbdistanz zur Stadt, Randlagen hat sie schon, als sie in Hamburg und in München lebte, geschätzt.

          Dealen mit politischer Mission

          „Die Lieferantin“ ist bereits ihr achter Kriminalroman, wenn man die fünf nicht mitzählt, die sie unter ihrem Geburtsnamen Henrike Heiland veröffentlicht hat. Als Zoë Beck, wie sie sich nach einem Einschnitt in ihrem Leben nannte, wechselte sie auch Schauplätze und Schreibstil, wenngleich sie sagt: „Ich versuche ja auch, in jedem Buch eine Stimme zu finden.“

          Dass die Beck-Bücher in England und Schottland spielen, liegt ganz einfach daran, dass sie Anglistik studiert und in England gelebt hat, dass ihr diese Welt vertraut ist. Der Terrainwechsel hat allerdings auch damit zu tun, dass die Vorgaben der Verlage für Krimis, die in Deutschland spielen, ihr damals, vor knapp zehn Jahren, viel zu eng waren. Gewünscht waren Regionalkrimis, und bloß nicht zu düster. Henrike Heiland musste sich anhören, ihre Themen seien „zu schwer“, man könne die Bücher schließlich nur in der Region verkaufen.

          Und Zoë Beck ärgert sich noch heute darüber, wie die Einkäufer der großen Buchhandelsketten beinahe diktierten, was geschrieben wurde. Was die Leute angeblich lesen wollten, das wurde an die Agenten weitergegeben, die dann zu ihren Autoren sagten: „Willst du das nicht auch mal probieren?“ Sie wollte nicht. Erst recht wollte sie nicht dem entsprechen, was das Label „Frauenkrimi“ gemeinhin so vorsieht.

          Und weil Zoë Beck als Person wie als Erzählerin einen ausgeprägten Sinn für Ironie hat, spricht sie mit höflicher Distanz von „Strukturvorgaben“ der Verlage, die auf vermeintlich unanfechtbaren Erkenntnissen darüber beruhen, welche Bücher Männer schreiben und welche sie lesen – und welche nicht, Bücher von Frauen nämlich.

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