http://www.faz.net/-gr0-9ehk1

Krimiautor -ky : Horst Bosetzky gestorben

  • Aktualisiert am

Horst Bosetzky im August 2011 Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild

-ky ist tot. Der Soziologe Horst Bosetzky galt als Erfinder des sozialkritischen deutschen Krimis – und als nimmermüder Erzähler Berliner Geschichten.

          Er hat lange gekämpft, aber den 80. Geburtstag wollte er unbedingt noch schaffen. Nun ist Horst Bosetzky, einer der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren, ein halbes Jahr nach seinem runden Jubiläum gestorben. Er erlag am Sonntag in Berlin seiner langen Krankheit, teilte der Jaron Verlag mit.

          Noch mindestens zehn große Geschichten habe er auf dem Computer, hatte der gebürtige Berliner damals erzählt und mit dem für ihn typischen trockenen Humor hinzugefügt: „Aber posthume Veröffentlichungen sind ja auch etwas Schönes.“

          Lange vor den Zeiten der mysteriösen italienischen Bestsellerautorin Elena Ferrante war Bosetzky unter dem Pseudonym -ky berühmt geworden. Buch um Buch rätselten Krimifreunde in den siebziger Jahren, wer hinter dem geheimnisvollen Kürzel stecken könnte. Wer ließ da einen Oberkommissar Mannhardt so lebensnah und packend in den kniffligsten Fällen ermitteln – immer das Herz am rechten Fleck?

          Abgerechnet wird zum Schluss

          Erst viele Jahre später gab sich der Autor als der renommierte Soziologieprofessor zu erkennen, der damals an der von ihm mitbegründeten Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin lehrte. Er blieb bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 dort tätig.

          In seinem zweiten Leben als Schriftsteller entstanden mehr als sechzig Krimis, dazu Romane, historische Biografien, Hörspiele, Drehbücher und eine große Familiensaga. „Ich denke manchmal selbst, das kann doch gar nicht alles von mir sein“, gestand er zum Geburtstag. „Aber das Schreiben ist meine Leidenschaft. Ich komme davon nicht los.“ Noch Anfang 2018 erschien der Krimi „Abgerechnet wird zum Schluss“ – jetzt sein Abschiedswerk.

          Ein Geheimnis wird gelüftet

          Als Anfang der siebziger Jahre seine ersten Bücher herauskamen, wurden die handlichen rororo-Thriller schnell Kult. Bewusst griff der Autor brisante gesellschaftliche Themen auf wie Mobbing („Ein Toter führt Regie“), Sektenwahn („Einer will’s gewesen sein“) und Ausländerhass („Feuer für den großen Drachen“) – oft mit einem Bezug zu seiner Heimatstadt Berlin.

          Der Autor und Kritiker Rudi Kost schrieb einmal: „-ky wurde geradezu zum Inbegriff des 'Sozio-Krimis', der die Leichen nicht zur gefälligen Abendunterhaltung liefert, sondern mit ihnen ausdrücklich aufklärerische Absichten verbindet.“

          Mehrere seiner Geschichten schafften es auch ins Kino. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte 1974 die Verfilmung von „Einer von uns beiden“ unter der Regie des späteren Hollywood-Stars Wolfgang Petersen („Das Boot“). Als 1981 auch der mehrfach ausgezeichnete Titel „Kein Reihenhaus für Robin Hood“ auf die Leinwand kam, nutzte Bosetzky die Premiere, das Geheimnis um sein Kürzel zu lüften.

          Wie ein Schweben im Weltraum

          1938 in einfachen Verhältnissen in Berlin geboren und im Stadtteil Neukölln aufgewachsen, hatte er zunächst eine Lehre als Industriekaufmann bei Siemens absolviert. Zum Schreiben kam er, weil er sich sein späteres Studium an der „linken“ Berliner FU durch Groschenromane verdiente. Schon früh trat er in die SPD ein. Trotz mancher Enttäuschung blieb er ihr bis zum Schluss treu.

          Als in Zeiten von Globalisierung und Science Fiction bodenständige Kriminalgeschichten zunehmend an Zuspruch verloren, verlegte sich Bosetzky mehr auf historische und biografische Stoffe. Allein seine autobiografische Geschichte, die sich detailfreudig und augenzwinkernd um sein Alter Ego Matuschewski rankt, kommt auf zehn Bände – angefangen bei „Brennholz für Kartoffelschalen“ (1995) bis hin zu „Bratkartoffeln oder die Wege des Herrn“ (2008).

          Hier macht der Leser auch Bekanntschaft mit Bosetzkys Familie. Er war in zweiter Ehe mit einer um 21 Jahre jüngeren ehemaligen Studentin verheiratet, hatte drei Kinder und seine geliebte Enkelin Lydia. Und wie er im richtigen Leben, so leidet auch sein Held jahrelang an Krebs.

          Angst vor dem Tod hatte er nicht, wie er bei einem Gespräch zu seinem Geburtstag versicherte. „Ich hatte bei einem Zuckerschock mal eine Nahtod-Erfahrung, seitdem ist es mit der Angst vorbei“, sagte er. „Alles war rosa, alles hell, wie ein Schweben im Weltraum. Das waren die glücklichsten Momente meines Lebens.“

          Weitere Themen

          Lust und Verblendung

          Hürlimanns Roman „Heimkehr“ : Lust und Verblendung

          Er erzähle eine einfache, uralte Geschichte vom verlorenen Sohn, der heimkehrt zum verlorenen Vater, schreibt Thomas Hürlimann selbst über seinen Roman. Aber einfach ist hier nichts. „Heimkehr“ ist eine opulente Schelmengeschichte.

          Lieder von Feuer und Eis

          Buchmesse-Reportage : Lieder von Feuer und Eis

          Klopfende Affen an der Seelentür und Butterbrote in der Schmuddelecke: Auf der Frankfurter Buchmesse wird vor lauter Gerede ganz vergessen, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen.

          „Tatort: KI“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Tatort: KI“

          Am Sonntag läuft um 20.15 Uhr der Tatort „KI“ im Ersten.

          Topmeldungen

          Rundumschlag beim FC Bayern : Lieber Mist statt Dreck?

          Der FC Bayern übt strenge Medienschelte und fordert: Sachliche Kritik ja, Polemik, Beleidigungen nie und nimmer! Ein schöner Vorsatz. Doch wenig später bezeichnet Uli Hoeneß die Leistung eines Spielers selbst schon wieder als „Scheißdreck“. Ein Kommentar.
          Kann vom 23. bis 25.10. neue Pläne machen: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

          Fall Khashoggi : Deutsche-Bank-Chef sagt Reise nach Saudi-Arabien ab

          Lange hat Christian Sewing gezögert, nun aber sagt der Chef der Deutschen Bank seine Teilnahme an einer wichtigen Investorenkonferenz in Riad ab. Um Siemens-Chef Kaeser wird es einsam.
          Den Vorhang lieber zu: So viel kann aa koa Engel saufn.

          Fraktur : Zwei Münchner im Himmel

          Frei nach Ludwig Thoma: Franz Josef und Wilfried im Gespräch über die CSU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.