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Neuer Krimi von Lone Theils : Dänemark, du kannst es besser

Was geschah 1985 an Bord der Englandfähre? Lone Theils hat einen Roman geschrieben, der schon in vierzehn Sprachen übersetzt wurde. Das ist das eigentliche Rätsel. Bild: plainpicture/Astrid Doerenbruch

Nach hundert Seiten wird es erstmals spannend – um dann wieder zweihundert Seiten öde zu sein: Lone Theils neuer Fall für die Journalistin Nora Sand zeigt, dass zu viele Zutaten den Krimiwurstsalat verderben.

          Es war einmal ein Koffer, den eine Journalistin beim Trödler erstand. Aus dem Koffer purzeln Fotos, die sie sofort an einen ungelösten Kriminalfall von vor dreißig Jahren erinnern – damals verschwanden zwei dänische Mädchen auf dem Weg nach England. Die Korrespondentin eines dänischen Nachrichtenmagazins beginnt zu recherchieren. Dabei trifft sie bei Scotland Yard ihren Jugendfreund wieder. Breite Schultern, weißes Hemd, schöne Augen, leider liiert. So hüpft mit Miss Nora Sand eine Vertreterin der Generation Latte macchiato ins Bild, die endlich Bewegung in den cold case bringt. Denn die Profiler vom Yard und andere Polizisten rätseln, ob eine Verbindungslinie zum Serienmörder Bill Hickley besteht, der angekettet im Hochsicherheitstrakt sitzt.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Seinen samt und sonders jungen weiblichen Opfern hat er die Zunge herausgeschnitten. Ein Besuch in der Zelle der Bestie soll mit neuem Beweismaterial den Durchbruch bringen. Brechen tut stattdessen Hickely, und zwar aus. Er möchte sein Versprechen einlösen und Nora Sand umbringen.

          Ganz routiniert im Nahkampf

          Woran erinnert das? An Stieg Larsson, an Jussi Adler-Olsen und natürlich an Thomas Harris’ „Das Schweigen der Lämmer“. Wenn man sich also so dermaßen ungeniert bei berühmten Vorlagen bedient, möchte man der Autorin zurufen, dann wenigstens richtig. Aber das scheint heute niemanden mehr zu interessieren in den Lektoraten. Übersetzt wird interlinear – und also lausig. „Das Klicken wurde weniger“ heißt es, wenn die Verschlussgeräusche der Kameras einer Fotografenmeute verstummen.

          Lone Theils: „Die Mädchen von der Englandfähre“. Ein Fall für die Journalistin Nora Sand. Kriminalroman. Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Rowohlt Verlag, Reinbek 2017. 432 S., br. 9,99 €.

          Nicht jeder Duschgang, nicht jeder Einkauf muss auserzählt werden, auch die Zutaten für biologisch-dynamische Abendessen helfen der Spannung nicht auf die Sprünge, die erstmals auf Seite 100 auftritt, dann wieder zweihundert Seiten Pause macht. Auch hätte es nicht eines Showdowns bedurft, in dessen Verlauf die in der Kunst des Kickboxens versierte Nora ganz routiniert den Massenmörder im Nahkampf erledigt. Von der Liebesglasur, die rund um den Breitschultrigen aufgetragen wird, ganz zu schweigen.

          Lone Theils – Jahrgang 1971, sechzehn Jahre in London für zwei dänische Blätter tätig, Kickboxerin – tut so, als hätte sie „Lund“ nicht gesehen. Dass ihr früherer Arbeitgeber ihr Debüt als einen „wahnsinnig gelungenen Thriller“ lobt, ist verzeihlich. Da Nora Sand mit einem zweiten Roman in Serienfertigung geht, wird es beim Rezept des Debüts bleiben. Vor Blähungen wird gewarnt.

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