http://www.faz.net/-gqz-81zn9

Konkurrenz zu Amazon : Nette Buchhändlerinnen allein reichen nicht

  • -Aktualisiert am

Von Amazon lernen heißt siegen lernen: Der lokale Buchhandel könnte sich einiges vom großen Konkurrenten abschauen. Bild: Michael Kretzer

Im jetzigen Zustand wird der Buchhandel weiter Kunden an Amazon verlieren. Nur wenn die Verlage einen eigenen Vertrieb im Netz aufbauen, haben sie eine Chance. Ein Vorschlag.

          Allenthalben wird das Loblied auf den deutschen Buchhändler gesungen. Die Kulturstaatsministerin bekannte soeben auf der Leipziger Buchmesse, sie habe noch nie ein Buch online bestellt: Sie suche, trotz ihrer allgemeinen Wohlinformiertheit, den Rat eines singulären, persönlichen Buchhändlers.

          Dass es dem deutschen Buchhandel so geht, wie es ihm geht, liegt erstens an den deutschen Großhändlern, die bis zum nächsten Tag liefern können – eilig wie Pharmadienstleister –, und zweitens an der Buchpreisbindung. Drittens am geringen Mehrwertsteuersatz. Viertens an einer äußerst kulanten Regelung der Verlage, die dem Einzelhandel erlaubt, nicht verkaufte Bücher zu remittieren, also mit geringem Risiko im Geschäft vorrätig zu halten. Das Buch gilt als bedrohte Art, weshalb viele Deutsche glauben, die günstigen Umstände wären auf ewig garantiert.

          Wie gut es dem Buchhandel wirklich geht, kann man nur ermessen, wenn man den deutschen Arm des amerikanischen Anbieters Amazon mit in Betracht zieht, dessen Erfolg mit Büchern umso erstaunlicher ist, als sich dahinter, wie jeder weiß, ein gigantisches Warenkaufhaus verbirgt. Amazons Buchsegment allein gilt die Sorge aller. Amazon ist, wie mich ein New Yorker Buchhändler kürzlich wissen ließ, „ein totalitärer Staat“, der mit seinen Vertragspartnern die neuen Bedingungen nicht mehr aushandelt, sondern ihnen diese mitteilt. Nach dem Motto: Stimmt, ab heute gibt es für dich wieder weniger und für uns wieder mehr.

          Dem Konzern einen Zacken aus der Krone brechen

          Vor fünf Jahren veröffentlichte ich in dieser Zeitung einige Thesen zum Buchhandel. Damals waren die Buchhandelsketten im Zenit ihres Erfolgs und behandelten die Vertreter der Verlage bereits wie lästige Köter. Man ließ sie nicht mehr rein. Deshalb hatte ich mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, wenn ein Gegenkonzern gegründet würde – und wie vorteilhaft es wäre, wenn dieser den Verlagen gehörte. Im Rückblick lässt sich urteilen, dass ein solcher Schritt völlig übertrieben gewesen wäre, denn die Buchhandelsketten haben sich bei weitem nicht als so stark erwiesen, wie ich und viele andere es damals glaubten. Und dennoch: Wäre ein solcher Zusammenschluss umgehend erfolgt, gäbe es das Problem Amazon in Deutschland heute nicht. Zumindest nicht in dieser Dimension.

          Natürlich kann man annehmen, dass sich alles zum Guten wenden und nur wenig online bestellt wird. Tatsächlich aber gibt es keine Garantie, dass die Mehrwertsteuer dort bleibt, wo sie ist, die Buchpreisbindung nicht gekippt wird und die bestehenden Großhändler überleben werden. Alles mag in den nächsten fünf Jahren noch so bleiben, aber auch in zehn Jahren oder fünfzehn? Viel wahrscheinlicher ist, dass wir uns in einem Zeitfenster befinden, das sich irgendwann schließt. Deshalb sollte jetzt etwas getan werden.

          Will dem Großhändler einen Zacken aus der Krone brechen: Der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler

          Die Absicht ist ja nicht, Amazon bei Toastern, Windeln, CDs, Filmen und Computerspielen Konkurrenz zu machen. Es geht nur darum, dem Konzern einen Zacken aus der Krone zu brechen. Was ein Gegenkonzern der Buchdistribution bieten müsste, wäre: 1. Lieferung direkt vom Lager nach Hause. 2. E-Books zu fairen Preisen. 3. Ein vorzügliches, komplettes Angebots- und Bestellsystem deutscher Verlage. 4. Reibungslose Bezahlung. 5. Ein Marktplatz für den Antiquariats- und Laienhandel.

          Weitere Themen

          Käfer- und Katzen-Mumien Video-Seite öffnen

          Grabstelle in Ägypten : Käfer- und Katzen-Mumien

          Archäologen in Ägypten haben am Wochenende seltene Grabfunde vorgestellt. Sie fanden am Rand der Totenstadt von Sakkara mumifizierte Katzen und eine ganze Sammlung mumifizierter Skarabäen. Diese Käfer wurden als Symbol für den Sonnengott verehrt.

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.