21.02.2006 · Die „Geschichten aus der Murkelei“ sind von Hans Fallada für seine eigenen Kinder geschrieben worden. In einer erscheint das Leben als eigentliches Abenteuer und als schönstes Märchen. Findet die Schriftstellerin Kirsten Fuchs.
Die „Geschichten aus der Murkelei“ sind von Hans Fallada für seine eigenen Kinder geschrieben worden, und es ist ihnen anzumerken, daß sie gutes Publikum bei der Uraufführung hatten. In der Geschichte vom verkehrten Tag wird der Vater vor die Kutsche gespannt und mit einem knappen „Hüh, Papa!“ angetrieben. Die Tiere werden gesiezt, und die Fenster gucken aus den Leuten. Wer unbedingt eine Moral hintendran braucht, der bekommt von der Mummi ein „Der Tag war mir ein bißchen zu verkehrt“, und aus ist der wilde Flug in der Suppenterrine. Das Leben ist schön so, wie es ist.
Meine Lieblingsgeschichte aber war die von Christa, die sich ein Brüderchen wünscht. Die Mutter sagt, daß Christas Püppings wie Kraut und Rüben im Puppenwagen liegen und Christa sicher nicht auf ein lebendiges Brüderchen aufpassen könnte. Der Vater verrät Christa, daß Sterne kleine Kinderseelen sind, die als Sternschnuppen in die Herzen der Mütter fallen. Christa müsse es sich nur wünschen. Der Vater tut sicherlich das Seine dazu, aber das muß ja Christa nicht wissen.
Er wollte lieber mit den anderen Sternen spielen
Ihr kleiner Bruder ist gar nicht so erfreut, als er herabgewünscht wird. Er fand es schön, am Himmel zu leuchten und mit den anderen Sternen zu spielen. Christa überzeugt ihn, daß es auf Erden auch schöne Spiele gebe: Seifenblasen machen und rodeln gehen. Das Leuchten werde durch das schlagende Herz ersetzt, das manchmal so laut klopfe, daß man nicht wisse, wohin mit sich vor Glück. Christa verspricht dem Brüderchen, daß sein Herz nie traurig klopfen werde. In dieser Geschichte erscheint das Leben als eigentliches Abenteuer und als schönstes Märchen. Das Leben ist eben schön, wenn wir darauf achten, daß die Herzen nicht traurig klopfen.
Natürlich vergißt Christa ihr Versprechen, der Bruder ist klein, kann nicht sprechen und schreit. Bestimmt liegen auch wieder die Püppings wie Kraut und Rüben im Wagen. Erst als der Bruder krank wird und sein Herz traurig klopft, erinnert sich Christa. Sie schenkt ihrem Bruder ihr schönstes Bilderbuch und sagt: „Du darfst es auch zerreißen!“ Da zerreißt es mir das Herz. Erstens, weil mein großer Bruder das nie zu mir gesagt hat. Zweitens, weil man Bilderbücher doch nicht zerreißt, vor allem wenn es die schöne Ausgabe von den „Geschichten aus der Murkelei“ mit den Bildern von dem großartigen Hans Ticha ist.