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Kindle, Cybook und Co Die neue Welt des Lesens

14.10.2008 ·  Das Lesen steht vor einer Revolution, die Buchbranche vor bewegten Zeiten. Denn neben Papier finden nun auch Mini-Bildschirme ihren Einsatz. Amazon sorgt in Amerika mit dem Lesegeräte Kindle für Furore. Auch Sony bietet solche Geräte an. Und schon kommt die Idee nach Europa.

Von Stephan Finsterbusch
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Das Lesen steht vor einer Revolution, die Buchbranche vor bewegten Zeiten. Denn neben Papier finden nun auch Mini-Bildschirme, neben Druckerschwärze die elektronische Tinte hier ihren Einsatz. Während der Internetbuchversand Amazon auf dem amerikanischen Markt mit dem Verkauf einer halben Millionen Lesegeräte der Marke Kindle für Furore sorgt, knapp 200.000 Bücher digital über das Internet verfügbar hat und mit diesem Konzept nun auch nach Europa kommt, versucht Sony, mit einem gerade vorgestellten neuen Gerät mit berührungsempfindlichem und lesefreundlichem Bildschirm der Hausmarke Reader dagegenzuhalten.

Darüber hinaus sorgen kleinere Unternehmen wie die in Dresden produzierende Plastic Logic, die japanische Seiko-Epson oder Polymer Vision für viel Wirbel, könnten ihre Plastik-Folien-Displays doch Zeitungen und Bücher papierlos und hauchdünn machen, mit gestochen scharfen Bildern versehen und der Welt der Verlage ein neues Kapital öffnen. Plastic Logic wird 2009 die ersten Folien herausbringen; Seiko-Epson hatte schon vor Jahren in seinen Testlabors Prototypen herumgereicht. Diese Entwicklungen werden nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse an den Ständen von 360 Ausstellern im Zentrum stehen, sie dürften auch den Wettbewerb im momentan vielversprechendsten Markt der Konsumelektronik deutlich anheizen.

Amazon steht an der Spitze

Jeff Bezos, Chef von Amazon, sieht eine neue „Zukunft des Lesens“; Richard Archuleta, der Vorstandsvorsitzende von Plastic Logic, einen milliardenschweren Markt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels rechnet damit, dass dadurch die Verlagswelt völlig durcheinandergewirbelt wird. Bei den Verkäufen der neuen Lesehilfen steht in Amerika Amazon an der Spitze, gefolgt von Sony. Darüber hinaus gibt es in Europa kleinere Anbieter wie Bookeen mit dem Cybook oder die niederländische Irex Technologies. In Japan arbeiten von Nikkei bis Asahi alle großen Zeitungshäuser an Trägermedien jenseits des traditionellen Papiers. Sie setzen auf Kooperationen mit den großen Elektronikkonzernen. Hier steht Sony ganz vorn.

Wie der Kindle der Amerikaner ist auch der neue PRS-700-Reader der Japaner so groß, handlich und schwer wie ein Taschenbuch. Beide Geräte speichern etwa 200 Titel, sind leicht zu bedienen, werden mit leserfreundlicher und kontrastreicher elektronischer Tinte betrieben und ermöglichen die Lektüre von 7000 Seiten mit einer Batterieladung. Anders als Amazon hat Sony sein Gerät nicht via Internet an eine Datenbank geknüpft, um gewünschte Titel aus der Welt der Romane, Sach-, Fach- oder Kinderbücher herunterzuladen. Das neue elektronische Buch aus Tokio ist über den Heimcomputer mit Lesestoff zu füttern. Steve Harber, Chef von Sony Digitales Reading, erklärte, er arbeite schon an einer Übertragungstechnik.

Die Japaner laden sich massenhaft Romane und Comics herunter

Amazon hatte mit der Markteinführung des Kindle vor einem Jahr über ein drahtloses Netzwerk eine Bibliothek von 90.000 Titeln verfügbar gemacht. Heute beinhaltet sie 180.000 Werke. Während Amazon auf das Angebot von Hard- und Software aus einer Hand setzt, will Sony seinen neuen Reader den elektronischen Systemen vieler Buchhändler und Verlagshäuser öffnen. Die Japaner arbeiten seit Jahren an Anbindungen ihrer Lesegeräte an externe Datenbanken. Dagegen setzt Amazon wie einst Apple mit seiner Musikdatenbank iTunes auf interne Systeme, Sony nicht. Die Japaner hatten den Wettlauf gegen Apples iPod in der Musikbranche verloren. Sie suchen nun neue Geschäftsmodelle. Das könnte den Verkauf elektronischer Lesestützen antreiben.

Lesegeräte wie die E-Books von Nuvo Media oder Franklin waren Mitte der neunziger Jahre auf den Märkten aufgetaucht. Doch keines der Produkte hatte durchschlagenden Erfolg. Selbst Sonys doppelseitiges Librie von 2004 ging unter. Während die Entwicklung in Europa in den Kinderschuhen steckt, Amazon und Sony zum Sprung auf den alten Kontinent bereit sind, laden Japaner sich massenhaft Romane und Comics auf ihre Handys, tragbaren Lesegeräte und Minicomputer. Dieser Markt überschreitet nach Angaben der Digital Content Association gerade die Jahresumsatzschwelle von 100 Millionen Dollar. In Amerika wurden im dritten Quartal 2008 nach Angaben des International Digital Publishing Forum Lesegeräte für 12 Millionen Dollar verkauft.

Das Geschäft mit Inhalten ist noch um einiges größer. Nach Einschätzung der Analysten von LJN Dawson werden auf dem Weltmarkt 2010 elektronische Bücher im Wert von 9,5 Milliarden Dollar verkauft. Der Vorstand von Plastic Logic geht noch weiter: Er prognostiziert, dass auf dem Weltmarkt bis 2010 rund 42 Millionen elektronische Lesegeräte nachgefragt werden. Das Umsatzvolumen mit E-Paper schätzt er für 2015 auf 30 Milliarden und für 2025 sogar auf 250 Milliarden Dollar. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels machte inzwischen schon mal klar, dass E-Books, die einem gedruckten Buch entsprechen, preisgebunden sind.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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