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Herbstlektüre : Starke Frauen sind das Gesetz

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„Ich gehöre zu Sarah, aber wir sind kein ’Wir’“: Die Literaturwisschenschaftlerin Silvia Bovenschen und die Malerin Sarah Schumann 1979. Bild: Abisag Tüllmann / bpk

Sechs erstaunliche Bücher machen diesen Herbst zu einem Lesefest. Und das sind nicht einmal die erwartbar gewichtigen Romane großer Autoren.

          Dieser Bücherherbst dürfte selbst für Vielleser mit Schnelllesebegabung eine Herausforderung werden. Lange gab es keine ähnlich dicht mit Spitzentiteln gespickte Saison. Das Gerangel um Aufmerksamkeit wird dementsprechend beträchtlich sein; wie viel für die Verlage dabei auf dem Spiel steht, mag man auch daran erkennen, dass die in den letzten Jahren immer beliebter gewordene Strategie, einzelne besonders wichtige, also auch teure Titel erst nach der Buchmesse zu lancieren, damit sie im Weihnachtsgeschäft reüssieren, in diesem Jahr auffällig verbreitet ist.

          Vor allem die internationale Literatur glänzt mit großen Namen und gewichtigen Umfängen: Den Anfang macht Kazuo Ishiguro mit dem mythisch aufgeladenen Kraftwerk aus der Frühzeit Britanniens, „Der begrabene Riese“ (31. August, Blessing), gefolgt von Jonathan Franzen, der in „Unschuld“ (4. September, Rowohlt) von der DDR durchs Internet bis nach Bolivien der unweigerlichen Verdunklung jugendlicher Ideale nachspürt. „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ (14. September, Piper), der mit dem letztjährigen Booker-Preis ausgezeichnete Roman des tasmanischen Autors Richard Flanagan, versetzt den Leser in ein japanisches Gefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs. Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård, der sich dem Leben ausliefert wie ein Extremsportler den Elementen, führt mit „Träumen“ sein autobiographisches Erzählprojekt fort (21. September, Luchterhand). Der Spanier Javier Marías bietet in „So fängt das Schlimme an“ (S. Fischer, 24. September) ein Mysterienspiel um Liebe und Eifersucht.

          Lektüre für den zweiten Blick

          Sodann lässt Richard Ford sein Alter Ego Frank Bascombe in „Frank“ (28. September, Hanser Berlin) die Nachwirkungen von Hurrikan Sandy für Amerika begutachten. Seit 2012 mit „Der weiße König“ sein multiperspektivischer Einblick in die Ceauşescu-Diktatur erschien, gilt der junge ungarisch-rumänische Autor György Dragoman als eine der ganz großen Stimmen Osteuropas: „Der Scheiterhaufen“ (6. Oktober, Suhrkamp) wird zeigen, wie berechtigt diese Hoffnungen sind. Und gleich nach der Buchmesse erscheint das neueste Verwirrspiel von Italiens Großmeister Umberto Eco („Nullnummer“, 19. Oktober, Hanser).

          Man kann diese – übrigens durchweg männliche – Phalanx großer Namen als Verheißung betrachten, aber auch als Bedrohung. Denn in ihrem Schatten – und jenem der Long- und Shortlists einflussreicher Preise – sind andere großartige Bücher leicht zu übersehen. Und weil es auf die ewige Frage „Was soll ich lesen?“ in den nächsten Monaten viele einschlägige Antworten gibt, beschäftigt sich diese Vorschau auf den Herbst lieber mit sechs Lektüren für den zweiten Blick. Sie stammen von sechs erstaunlichen Autorinnen.

          Debütiert auf dem deutsche Buchmarkt mit 87: Jane Gardam.

          Den Anfang macht die Engländerin Jane Gardam, die mit 87 Jahren ihr Debüt auf dem deutschen Buchmarkt gibt: „Ein untadeliger Mann“ (24. August, Hanser Berlin) erzählt von Sir Edward Feathers, genannt Old Filth. Der Ausdruck „Filth“ steht in seinem Fall für „Failed in London, Try Hong Kong“ und hat nichts Schmutziges an sich, im Gegenteil: Old Filth oder Sir Edward ist nicht nur äußerlich „sagenhaft sauber“ bis zum reinweißen „Rand seiner alten Fingernägel“, sondern erscheint auch sonst wie der dezent nach Blenheim Bouquet duftende Inbegriff des englischen Gentleman, diszipliniert, arbeitsam, wortkarg, als Anwalt und späterer Richter in seiner Zunft legendär.

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