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Katja Kraus Was heißt Scheitern heute?

 ·  Wenn es so aussieht, als sei alles umsonst gewesen: Katja Kraus, einst Managerin beim HSV, hat ein Buch über prominente Abstiege und Leute geschrieben, die von der Erfolgsspur abgekommen sind.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (26)
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Svenja Sirisee
Svenja Sirisee (Sirisee) - 04.04.2013 23:13 Uhr

"Schlüsselblumen"

... wenn man jung ist, sind alle Texte "Schlüsseltexte", so wie für Kinder alle bunten Blumen Dulpen sind.

Das Thema Scheitern in Karrieren ist ein Modethema, so dass ein Schlüsseltext für mich eher ein Text wäre, der erklärt, warum es die tatsächlich gelebten Wertvorstellungen - privat und im Beruf - andere sind, als in derartigen tröstenden Texten. Sind es die Gene? Ist es die Leistungserziehung? Ist es menschlich-allzumenschlich?

Ist die geistig-spirituelle Krise dadurch ausgelöst, dass viele die Verheißungen geglaubt haben und irgendwann merken, dass nur wenige, und nicht sie dazu berufen sind oder nicht mehr mithalten können? Yoga als Ort für die Abgehängten?

Wie ist privates Scheitern? Was sind die gelebten Kriterien? Sind nicht in allen Tröstungen (ich habe aber usw.) auch Abwertungen immanent?

Schön immerhin, dass man über den unsterblichen Boetius gedanklich auch nach 1500 Jahren nicht hinaus ist. Da lohnt die Anschaffung, denn das war und ist ein Schlüsseltext

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Thomas Mirbach
Thomas Mirbach (lurkius) - 03.04.2013 20:49 Uhr

@ Frau Kelkmann, stimmt auch im Kleinen!

Meiner Generation und Herkunft (baby-boomer aus der Mittelschicht) wurde doch immer eingebläut: "Streng dich an, schreibe gute Schulnoten, möglichst Prädikatsexamen, dann wird aus dir auch etwas". Es gibt zu "Erfolg" keine Alternative! Sommer's Gedanken unter der Dusche (was kann heute schief gehen) hatte ich als mittlerer Manager auch. Mit dem beschrieben Gefühl des Kontrollverlusts und der Entfremdung von den vermeintlichen Erfolgen meines Handelns, (aber nicht von den den Misserfolgen). In meinem Job war ich so gut wie mein letzter Deal. In einem Gedicht von Kipling steht der schöne Satz: "If you can meet with triumph and disaster, and treat those two impostors just the same".

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.04.2013 21:57 Uhr
Marie Kelkmann
Marie Kelkmann (MKelk) - 03.04.2013 21:57 Uhr

Es stimmt ja leider auch im ganz kleinen

Selbst den, der nicht tiefer fallen kann, treten wir noch, beladen ihn mit "Selber schuld!", verfluchen ihn ins dritte Glied.
Ein archaisches Muster, wie @Herr Bült schon bemerkte: Die Meute braucht ihr Opfer.
Grade in den Ostertagen ist mir das wieder bewusst geworden: Welch revolutionärer Sprengstoff, welch Unverfrohrenheit in diesem Aufrührer und Schwerverbrecher gesteckt hat, den man da vor einer Ewigkeit zum Tode verurteilte. Das ultimative Opfer um die Notwendigkeit des Opfers abzuschaffen. Da stellte sich einer hin und postuliert ins Mantra seiner Lehre: "Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern." Da rief einer die spirituelle Generalamnesie aus. Die könnten wir mal wieder brauchen. Statt der ewigen Schuldzuweisung bis auf die Kinder und Kindeskinder herab.
Stattdessen verwechseln wir Verantwortung mit Schuld. Und sind nicht geizig damit, sie jedem ohngeachtet seiner Kräfte auf die Schultern zu türmen. Als ob wir uns damit "entschuldigen" könnten.

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Closed via SSO

Ursachen?

Vielleicht liegt die Ursache auch in der Tatsache, dass es Personen gibt, die aus irgendeinem unerfindlichen Grund in Positionen kommen, für die sie eigentlich gar nicht geeignet sind. Im Grunde hat man den Eindruck, dass diese Menschen nicht sie selbst sind, sondern eine Rolle spielen, der sie nicht gewachsen sind. Diese Leute zerbrechen früher oder später an den Anforderungen ihrer Rollen.

Als Beispiel für Menschen, die ihre Positionen ausgefüllt haben fallen mir ad hoc Leute ein wie Michael Schumacher, Franz Josef Strauss, Herbert Wehner, Konrad Adenauer, Carl Lewis, Mohamed Ali, usw.

Interessanterweise hat keiner dieser Leute gewusst, wann sinnvollerweise Schluss ist. Viele dieser Leute waren am Ende ihrer Laufbahn Misserfolgen ausgesetzt. Trotzdem verbinden wir mit diesen Namen keine Misserfolge. Warum?

Möglicherweise gehört zu einer erfolgreichen Karriere nicht nur das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sondern die richtige Einschätzung dessen, was man nicht kann.

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Herold Binsack
Herold Binsack (Devin08) - 03.04.2013 15:27 Uhr

Von den Massen gehetzt, wie von den Spezialisten verführt

„Ich habe vieles nicht verstanden,was damals passiert ist,weder die Steigerung auf 200 Mark noch den Fall auf acht Euro. Ein schon sich selbst erklärender Satz.Das Kapital nämlich erlag da einer Bewegung,just in dem Moment,wo beide – Kapital und Bewegung – sich der Hybris einer jeweils eigenen Realität hingaben. Ortega y Gasset,schon vor langer Zeit mahnend (Der Aufstand der Massen),blieb unverstanden.Die negativsten Seiten der Massen sind ihm gemäß genau dort zu suchen,wo sie am stärksten geleugnet werden:bei den „Spezialisten“.„Von den Massen gehetzt,wie von den Spezialisten verführt“,ist da kein Widerspruch.Denn das Kapital erliegt hier nicht mehr nur einem „Phantasma“,sondern einer höchst realen Bewegung-seiner eben „notwendig“ (Marx) phantasmagorischen.Nicht der eines „revolutionären Subjekts“,dieses scheint geschlagen,sondern des „automatischen“.Wo die Massen Kapitalismus spielen (statt sich ihm zu stellen),da verlieren selbst die Großen des Systems die Kontrolle über das System.

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Andreas Wilfling

Zutreffend

Ein sehr zutreffendes Buch. Allerdings muss man sagen, dass die Medien vor allem Auflagenzahlen im Auge haben. Sie foerdern bewusst die heute weitgehend existierende Neidgesellschaft, wo sehr viele Leser/Zuseher mehr und mehr darauf aus sind, eine Person des oeffentlichen Lebens entweder diskreditiert zu sehen oder beim Absturz zuzusehen.
Das erfuellt viele mit Genugtuung aus verschiedensten Gruenden - die eigenen Ziele nicht erreicht, auf der Karriereleiter steckengeblieben oder auch weil sie es ja schon immer gewusst haben, dass da was nicht stimmt. Dass es ihnen selbst aus unterschiedlichen Gruenden zu der kritisiertenten Prominenz fehlt , wollen sie entweder nicht wahrhaben oder begreifen...
Ich moechte nicht wissen, welchem Druck Ron Sommer zum Beispiel von politischer Seite in Deutschland ausgesetzt war. Das er die Telekom Aktie staendig schoenreden musste hat ganz sicher auch politische Ursachen - man wollte die Bevoelkerung ja etwas von der Konservativitaet abbringen...

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Guido Wirtz

Wer tief fällt, ist häufig zuvor als Heilsbringer unangemessen hochgelobt worden.

Das ist nicht die Schuld der Hochgelobten, die von ihren - leicht zu enttäuschenden - Anhängern als Projektionsfäche missbraucht werden für die quasireligiöse Illusion, ein einzelner Mensch könne Großes vollbringen.

Das ist der Deal des Publikums mit den modernen Helden: Ich vergöttere Dich, aber im Gegenzug will ich Deinen Arbeitsbereich in makellosen Händen wissen, der mir eine tröstende heile Welt sein soll. Eine verantwortungslose Überschätzung Einzelner. Aber eine gute Ersatzreligion für ein Publikum, das von seinen Göttern weder an die eigene Unzulänglichkeit erinnert werden will noch bereit ist, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Dieses Spiel kann keiner gewinnen. Den langfristigen makellosen Erfolg gibt es bei aller Anstrengung nicht.

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Marie Kelkmann
Marie Kelkmann (MKelk) - 03.04.2013 14:49 Uhr

Wenn wir wenigstens im Kleinen Gnade walten ließen

Doch auch im kleinen, ja alltäglichem wird Scheitern gnadenlos geächtet. Niemand fragt mehr nach dem wie, warum und woher, nur das Ergebnis zählt.

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Stefan Neudorfer
Stefan Neudorfer (sttn) - 03.04.2013 14:22 Uhr

Sehr einseitige Sicht, weil es

nur Menschen betrifft die im Rampenlicht stehen und auch dort sehr gerne stehen. Und das Scheitern ist dann halt das Risiko was man damit eingeht.

Da keiner der betreffenden Damen und Herren zu ihrern Lebensweg gezwungen wurden, wundere ich mich schon über die späterne Tränen des Abstiegs.
Denn außerhalb des Rampenlichtes gibt es sehr wohl erneute Chancen wenn man mal gescheitert ist.

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Oliver Wirthmann

Welche Selbstgerechtigkeit der Kommentatoren...

kommt da tendenziell zum Vorschein!? Mit dem Verweis auf die glamouröse Öffentlichkeit und einen guten Verdienst wird abgetan, wie es Menschen im Visier der veröffentlichten Meinung geht. Ein schwaches Argument, zu sagen, das habe man eben zu ertragen. Das Volk sucht immer eine Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Selbst kann man sich in der eigenen Bedeutungslosigkeit weiden und lustvoll auf dem Sofa die Demontage von Personen des öffentlichen Interesses "reinziehen". Vergessen wird, dass nicht nur Prominente die Öffentlichkeit suchen, vielmehr die Gesellschaft solche Zeitgenossen geradezu heran züchtet, um auf der Bühne neue Gestalten zu sehen. Wie verlogen der Vorwurf, dies müssten sich die Stars eben gefallen lassen. Wir sind eine Gesellschaft der Zuschauer geworden!

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.04.2013 17:10 Uhr
Corinna Bauer

Wenn es mal nur die Klatschpresse wäre ...

Herr Calvelage, ich stimme Ihnen voll zu.

Nur leider ist es nicht nur die Klatschpresse, auch sogenannte seriöse Medien wie z.B. dieses Blatt hier, die sich an dem Treiben beteiligen.

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 03.04.2013 16:25 Uhr

Was hat denn das mit Selbstgerechtigkeit zu tun?

Sie bringen in Ihrem Beitrag einiges durcheinander. In diesem Artikel ist vor allem von Personen die Rede, denen zuzutrauen ist, dass sie wussten, worauf sie sich eingelassen haben, als sie ihren Posten übernommen haben. Man wird nicht zufällig Dax-Vorstand, Sportmanagerin oder Politikerin, man muss darauf hinarbeiten und die Schattenseiten in Kauf nehmen. Ich halte das für ein ziemlich starkes Argument.

Es ist nicht das Volk, das Säue für die Dörfer sucht, sondern die Klatschpresse, die in diesem Zusammenhang sehr weit zu fassen ist. "Journalisten" brauchen "Storys", damit sich ihre Blätter verkaufen - und das am laufenden Band. Ergeben sich diese nicht von selbst, werden sie eben lanciert. Ihre Abscheu gegen Menschen, die sich an der öffentlichen Demontage anderer ergötzen, teile ich, Sie werden diese Verhältnisse aber nicht ändern.

Also ist man als öffentliche Person gut beraten, sich seine Präsenz teuer bezahlen zu lassen und sich vorsichtshalber ein sehr dickes Fell zuzulegen.

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Thomas Egerland

Die vier "Abtrünigen", die Frau Ypsilanti "verraten" haben, haben sich lediglich an das gehalten,

was Frau Ypsilanti im Wahlkampf immer gesagt hat: Keinerlei Zusammenarbeit mit den Linken.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.04.2013 00:42 Uhr
Marvin Parsons
Marvin Parsons (mapar) - 04.04.2013 00:42 Uhr

So ist es

Ypsilanti sieht sich also als Opfer. Dabei mußten die vier "Abtrünnigen", die Aufrechten den großen Shitstorm aushalten. Der einen von ihnen, beinamputiert, wurde auf dem SPD-Parteitag unter donnerndem Applaus gewünscht, ihr sollten die Beine abfaulen (die FAZ berichtete). Geht es noch bösartiger?

Und da stellt sich Ypsilanti hin und versteht die böse Welt nicht mehr.

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Peter Gorski

Es ist ein unkompliziertes und billiges Vergnügen in seiner *kleinen Welt* zu sitzen,

und den Schönen und Reichen und Erfolgreichen beim Leben zuzuschauen.
Früher gab es *Praline* und *Die Bunte*, die einen erfreuten sich am neuen Liebesglück der schwedischen Königin, die anderen lasen mit Abscheu vom Kokainkonsum irgendwelcher Schauspieler!
Das Nachrichtengeschäft ist härter geworden, alle Zeitungen brauchen Auflage und die Leser mögen diese Geschichten vom Scheitern und Abstieg, auch und gerade von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik!
Alles muss ganz nah dran sein...
Heute wird auch nur noch Popstar, wer sich vorher in einer Castingshow komplett nackt gemacht hat!
In der politischen Berichterstattung ist dies ein schmales Brett zwischen nötiger Aufklärung von Sachverhalten und dem Abschlachten und Ausweiden einer Persönlichkeit!
Eigentlich gehört Scheitern ja zur Bildung einer grossen Persönlichkeit.
Die Führungsebenen der Unternehmen können ein Lied von singen, wenn Angst vor dem Scheitern Entschlusskraft lähmt und durch Ebenen verschiebt!

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Wolfgang Schlage

Ich schmunzel da überhaupt nicht

"Frau Schavan hat den ersten Stein aus dem eigenen Lager auf Herrn Guttenberg geworfen, wer schmunzelt da nicht, wenn sie kurz darauf selber Ziel solcher Vorwürfe wird?"

Erstens sehe ich einen Riesenunterschied zwischen der Doktorarbeit der Frau Schavan und der des Herrn zu Guttenberg, und noch mehr zwischen den *Personen* dieser beiden Menschen; auch ihre Amtsführung war *sehr* unterschiedlich. Und zweitens würde ich nicht einmal "schmunzeln", wenn sie sich ähnlicher sähen. Ich empfinde eine solches "Schmunzeln" als ein Zeichen von Missgünstigkeit, die mich abstößt.

Genau dieses "Schmunzeln", das zu wissen vorgibt, was hier geschehen ist, ohne es wirklich zu tun, die scheinbare Allwissenheit, mit der sich Menschen ein Urteils anmaßen, ist das Problem, welches diese Mediengesellschaft so ekelhaft macht.

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Antworten (6) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.04.2013 18:18 Uhr
Wolfgang Schlage

Meine Reaktion

Beim Schwarzfahrer würde ich das vermutlich "humoristisch" sehen, sprich, ich hätte eine gewisse Schadenfreude: geschieht ihm recht! Wenn ich aber wüsste, dass der Schwarzfahrer deshalb über Wochen oder über Jahre zum öffentlichen Gespött würde, dass er seine Arbeit verlöre und dass er für längere Zeit sich öffentlich nur unter Kampf gegen die eigenen Schamgefühle würde zeigen können oder seine Heimat verlassen müsste, dann hätte ich die Schadenfreude nicht mehr. Da könnte ich auch nicht mehr schmunzeln.

Bei hohen Ämtern ist es wohl unumgänglich, dass der Inhaber sie schnell und plötzlich verlieren kann; das ist Teil der öffentlichen Kontrolle. Aber öffentliche Häme wie das öffentliche Niedermachen und Verleumden früherer Idole sind absolut überflüssig für die öffentliche Kontrollfunktion. Und es vergiftet die Atmosphäre nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für alle anderen, die wissen, dass auch sie nicht unfehlbar sind.

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Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 03.04.2013 16:46 Uhr

Lassen sie es mich mit einem Bild erklären:

Sie sitzen in der U-Bahn. Jemand wird beim Schwarzfahren erwischt. Jetzt mockiert sich ein anderer laut, dass er sich schämen würde für den Schwarzfahrer. Und zwar nicht nur heimlich. Jetzt fahren Sie am darauffolgenden Tag U-Bahn und sehen genau den, der sich öffentlich aufgeregt hat, erwischt beim Schwarzfahren.

Kein Witzeschreiber würde sich trauen sowas zu schreiben. Wenn es aber dann doch passiert, auf einer sehr großen Bühne. Dann ist es eher humoristisch als tragisch aufzufassen, finde ich.

Und jetzt sie. Warum sehen sie es tragisch? Abgesehen davon, dass der Bundesbildungsminister ob seiner Gestaltungsmöglichkeiten im Amt eher eine tragische Gestalt ist.

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Wolfgang Schlage

Wie soll man denn sonst "schmunzeln" verstehen?

Herr Dono verteidigt sich, dass sein "Schmunzeln" keine Missgünstigkeit ausdrücken sollte, was ich in einem Vorkommentar angenommen hatte. Gut, ich kann falsch liegen. Aber was kann es sonst ausdrücken? Mitgefühl? Entsetzen? Mitleid? Doch wohl eher nicht. Selbst wer Frau Schavans Fall lediglich als gerechte Strafe für ihre Äußerung zu Herrn zu Guttenberg ansieht, muss doch nicht "schmunzeln".

Mir jedenfalls fällt als Interpretation zu "Schmunzeln" in diesem Zusammenhang nichts anderes als eine gewisse Schadenfreude oder Genugtuung ein, und beides enthält eine Portion Missgunst. - Soweit meine Auffassung. Ich lasse mich gern eines anderen belehren.

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Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 03.04.2013 15:32 Uhr

Was mir hier auffällt...

... ist, dass eine andere, begründete, Meinung hier gerne mal persönlich angegriffen wird. Diskutanten als "Spack" zu bezeichnen oder "abstossende Missgünstigkeit" zu unterstellen halte ich für nicht zielführend.

Aber zumindest bei Ihnen, Herr Bült, ist Geschmack und Stil zu Hause. Das sehe ich schon an Ihrem Profilbild. ;-)

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Werner Bült

Ich sehe das ähnlich wie Sie, Herr Schlage...

...aber wir müssen uns heute wohl damit abfinden, dass jeder Spack seinen Senf in die Welt schreiben kann. Er kennt den Sachverhalt nicht, meint aber sich ein Urteil bilden zu können, da er die Blöd-Zeitung liest.
Dazu kommt noch: Je überdrehter, spektakulärer man die Gehässigkeiten kundtut, desto mehr Likes bzw. Empfehlungen. Da schließe ich dieses, allerdings niveauvollere, Forum explizit mit ein (Causa Wulff!)
Eine mit Scheinwahrheiten gefütterte Bevölkerung lässt sich leicht instrumentalisieren, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. Erst wenn die gehetzte Person vollkommen und definitiv zerstört am Boden liegt, wischt sich die Meute den Schaum vom Mund und zeigt generös Mitleid!!

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Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 03.04.2013 12:24 Uhr

dann...

... schmunzeln sie halt nicht, Herr Schlage.

Ich habe übrigens mit keiner Silbe etwas von Doktorarbeiten geschrieben oder von dem Wahrheitsgehalt der Vorwürfe. Fakt ist, dass sich Frau Schavan -vor Abschluss der Untersuchungen gegen Herrn Guttenberg- sehr kritisch geäussert und einen Rücktritt nahegelegt hat. Und bei Ihr nun ein anderes Maß anzuwenden , wäre -wie Frau Merkel und Frau Schavan selbst das ja auch erkannt haben- schwer zu vermitteln. Gerade als Bildungsministerin. Sie wird schon irgendwo unterkommen, zumal ich Frau Schavan nicht als jemanden einschätze, der es sich im Amt mit allen verscherzt. Aber ich hab geschmunzelt.

Abgesehen davon beneide(te) ich weder Herrn Guttenberg noch Frau Schavan, ich wüsste also nicht, woher die Missgünstigkeit kommen sollte.

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Julius Calvelage
Julius Calvelage (julca) - 03.04.2013 11:59 Uhr

Der Preis der Öffentlichkeit

Wer in der Öffentlichkeit steht, muss auch unfaire Kritik vertragen können. In der Regel wird dies mit hohen Gehältern entschädigt. Ich habe wenig Verständnis für diese selbstmitleidige Vermarktung von derartigen "Schicksalsschlägen", zumal ich von Frau Kraus zuvor noch nichts gehört habe. Darüber hinaus wäre es wohl eher Sache einiger (insbesondere männlicher) Politiker, sich über diffamierende und beleidigende Berichte zu beschweren. Ich wüsste nicht, dass man Katja Kraus oder Hera Lind schon mal in der heute-Show aufgrund etwaiger Sprachfehler lächerlich gemacht oder über Frau Schavan eine platte Sat. 1-Satire gedreht hätte.

P.S.: In Frau Mühls Berichterstattung über die #Aufschrei - Debatte um Herrn Brüderle ist dieser auch nicht gerade glimpflich davon gekommen. Möglicherweise ist dieser Artikel auch für sie ein zu etwas mehr Mäßigung führender Schlüsseltext.

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Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 03.04.2013 11:22 Uhr

bei so manchem Gescheiterten...

... mag die Gesellschaftliche Abkehr der anderen aber auch daran gelegen haben, dass man es mit der Härte - sich gegenüber aber vor allen Dingen gegenüber anderen - vorher ein bisschen zu genau genommen hat.

Frau Schavan hat den ersten Stein aus dem eigenen Lager auf Herrn Guttenberg geworfen, wer schmunzelt da nicht, wenn sie kurz darauf selber Ziel solcher Vorwürfe wird?

Nur: War das jemals anders? Oder wird zur Zeit einfach nur mehr darüber geschrieben?

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.04.2013 13:14 Uhr
Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 03.04.2013 13:14 Uhr

Ich halts da...

... mit Hammerstein:

---snip---
„Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90 % aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.“
---snap---

Es reicht meines Erachtens nicht, klug und fähig zu sein - man muss auch 'verkaufen' können, sich und die Sache. Deshalb wurde Gerhard Schröder Bundeskanzler, deshalb klappts bei Steinmeier nicht so gut.

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Achim Schröder
Achim Schröder (asfn) - 03.04.2013 11:48 Uhr

Vielleicht...

fallen ja einfach nur oft die Falschen nach oben. Ich kenne so fähige Leute mit festem Wertesystem, die einfach nicht da oben ankommen. Und dann sehe ich dort so viele korrupte Krämerseelen wie Wulff, Guttenberg etc., gesteuert von eigenen Karriere- Partikularinteressen statt zuerst dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein. Dieses fürchterliche Parteibonzensystem filtert da irgendwie die falschen Charaktere heraus.

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02.04.2013, 18:54 Uhr

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