07.08.2012 · Die Zeiten der Geschlechternivellierung gehen vorüber. Kleine Jungs wollen keine Mädchenbücher lesen. Sie wünschen sich Superhelden, Waffen, Abenteuer.
Von Volker WeidermannRichtlinien für Lesermeinungen
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Hauptsache, keine Rollenfixierung
Solange sich jedeR aussuchen kann, was ihm oder ihr gefällt, darf
von mir aus auch die alte Literaturschublade "nur für
Jungs" wiederkommen, solange keine Weltbilder zerbrechen, sobald
ein Junge lieber etwas anderes liest, und ein Mädchen dafür jenes.
Das Problem waren meiner Ansicht nach nicht unbedingt die Rollen an
sich, sondern ihre traurige Alternativlosigkeit, die quasi sichere
Befürchtung, jeder Junge, der keine Superhelden liebt, müsse
automatisch homosexuell werden. Und so weiter. (Natürlich des
gleichen umgekehrt auch für Mädchen.)
Kleine Helden platzen vor Selbstbewusstsein, laufen schwer bewaffnet und
bis zur Unkenntlichkeit vermummt durch die Wohnung, stürzen
brüllend in den Garten um die gegnerischen Kerle im Nachbargarten
mit der Wasserfontäne aus den Hightech-Wassergewehren zu
vernichten. Der Lärm kennt keine Grenzen, nicht zu bremsen ist der
Drang zu kämpfen und zu gewinnen.
Schon im Kindergarten gilt es zu lernen, dass es unerheblich ist, ob das
gewünschte Schwert nun gekauft wird oder ob sich die Jungs eins
aus dem Gebüsch ziehen und zurecht schnitzen.
Star Wars, Sternenkrieg! Ein Alptraum für eine Pazifistin und
Mutter. Krieg und Hass und immer grimmig drein blickende Gestalten.
Schlimm? nein – nur schwer zu verstehen für eine Frau. Aber
eigentlich auch nicht, denn als 100ige Emanze, weiß ich um den
Kampf um die eigene Freiheit und eine unbegrenzte
Entfaltungsmöglichkeit.
Liegt der Fehler also daran, dass Mädchen auch Heldinnen sein
wollen und es bis heute keine geeigneten Vorbilder dafür gibt? Lie
Ein Fehler
Kinder die miteinander spielen hassen nicht. Sie töten sich auch
nicht denn jeder der fällt steht wieder auf und darf weiter mit spielen.
Spiel ist Spiel! Und nicht zu verwechseln mit der Realität oder
auch nur mit ihren Maßstäben zu messen.
Wenn sie das verstehen fällt es ihnen vielleicht auch leichter
entspannt bei "Mord- und Totschlag" im Garten zu zu schauen.
Fehler?
Viele ihrer Geschlechtsgenossinnen gehen leider selbstverständlich
davon aus dass diese Spielarten böse und schlimm sein müssen,
nur weil sie sie nicht verstehen.. und unterdrücken damit bewusst
oder unbewusst die freie bzw. natürliche
Entfaltungsmöglichkeit von Jungen. Eine Verhaltensweise gegen die
sie selbst so gekämpft haben.
Ich nehme also positiv zur Kenntnis dass sie das Verhalten zwar nicht
verstehen, aber dennoch nicht schlimm finden. Schade nur dass man immer
und überall einen Fehler suchen muss!? Ich sehe keinen Fehler..
auch Mädchen haben doch heute genug Heldinnen. Die sanften (davon
sowieso genug), oder auch die harten in Form von Amazonen in Buch oder
Film. Wenn die Jungs ihre Helden mehr und mehr zurückbekommen, wo
ist dann das Problem..
herr igel hat meine ungeteilte zustimmung, ich habe mich in seinem text
teilweise selbst wiedergefunden. klar doch, helden sind gut für
kinder. sie lehren moral, aber auch ehrgeiz. helden sind die perfekten
role models in einer komplexen welt.
und unterschätzen sie eins nicht: in einer welt, in der alles
gegendert wird, in der selbst ich nach einem studium nicht so ganz
weiß was man mit diesem kram nun anfangen soll, sind - speziell
männliche - heldenfiguren eine wichtige hilfe für kinder,
überhaupt ein rollenverständnis zu entwickeln. und auch wenn
gender studierende / praktizierende das manchmal gern anders
hätten: ohne rollenbilder geht es dann doch nicht.
die Eltern sind natürlich mit schuld. Mein Sohn ist 8 und hat schon mit 7 sämtliche 3 Winnetoubände selber gelesen, danach freiwillig(!) den Schatz im Silbersee, jetzt die griechischen Sagen ... Und warum? Weil wir ihm immer vorgelesen haben, und zwar genau das! Und dann hab ich immer gesagt: wenn du lesen kannst, brauchst du deinen Papa nicht mehr dazu, dann kannst du das selber. Die Ideologen schütten in allen Systemen ihren Müll zuerst in die Schulen, aber den Eltern steht es frei, gegenzusteuern. Völlig richtig: Jungs brauchen Pathos, und eine Vorstellung von Gut und Böse. Wer soll sonst später die Welt retten...?
Jungen werden benachteiligt und umerzogen
Im Rahmen des Gender Mainstreaming, welches weder durch Bundestag noch Bundesrat legitimiert wurde, sondern 1999 durch einen Rot/ Grünen "Kabinettsbeschluss" für alle staatlichen Bereiche als Handlungsvorgabe, also auch für Bildung und Erziehung, festgelegt und eingeführt wurde, werden Jungen im Bildungssytem nachweislich nicht nur in schlechteren Noten benachteiligt, die sie bei gleicher oder sogar besserer Leistung bekommen, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung(vgl. Jahresgutachen Aktionsrat Bildung 2009). Dies beginnt schon in der KITA. Jungensein wird aberzogen. In der Schule wird dies dann weiter forciert. Die einzige Maßnahme in NRW für die Förderung von Jungen heißt "Jungen fördern ohne Mädchen zu benachteiligen" und umfasst 8 Massnahmen, wobei nur 2 Maßnahmen für Jungen sind: "Ausdruckstanz" und "Antiagressionstraining". Der Rest sind Maßnahmen für Mädchen !!! Im Bund heißt das übrigens "neue Wege für Jungs".
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.08.2012 10:49 UhrDanke!
Danke für diese sachkundigen Informationen - auch wenn es für mich einmal mehr ein Schock war, dies in derartiger Klarheit präsentiert zu bekommen.
Natürlich Helden, was denn sonst. Ich habe als Kind
grundsätzlich "moderne" Kinderbücher, in denen
Kinder oder Tiere irgendwelche zwischenmenschlichen Alltagsprobleme
lösen müssen, verschmäht. Ich habe mich geradezu geekelt davor.
Nachdem beim Vorlesen russische Heldenmärchen Favoriten waren,
kamen in der Schulzeit Science Fiction (Helden!), Wolkow (weibliche
Helden sind genausogut!), mehr Märchen, Lederstrumpf, Karl May,
Welskopf-Henrich (Helden!), Dumas (Helden!), Odyssee und Ilias (richtige
Helden!), Sherlock Holmes (Superheld!), Poe (Pym!) usw. usf.
Stellt mir ruhig ein vernichtendes Psychogramm aus, mir egal.
Heldenmoral ist nicht die schlechteste.
Erst im (technischen) Studium habe ich angefangen, Goethe, Mann,
Stendhal, Nietzsche, Schopenhauer etc., und irgendwann auch moderne
Romane zu lesen. Viel zu spät, werden einige sagen, aber was
soll's. Meine Schulbildung war eben trivial, mich haben nur die
Heldenbücher gerettet. ;)
Volker Weidermann Jahrgang 1969, verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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