24.02.2006 · Ein wilder Mann im Sumpf, verschwundene Jäger, ein Brunnen und ein Prinz mit vergoldetem Schopf: „Der Eisenhans“ von den Brüdern Grimm.
Als Erwachsenen stürzt mich die Frage nach dem Lieblingsmärchen in Verlegenheit. Keines hat mich, alles andere wäre gelogen, immerfort begleitet. Als Kind wußte ich hingegen ganz sicher, welches mein Lieblingsmärchen ist, „Der Eisenhans“ nämlich.
Die Geschichte geht so: Es war ein König, der hatte nahe seinem Schloß einen Wald. In ihm verschwinden nach und nach seine Jäger, wie viele er auch auf die Suche nach den Verschollenen schickt. Nach Jahren erbietet sich einer, die Sache aufzuklären. Der Aufklärer findet, daß mitten im Wald ein Sumpf alles Lebendige verschluckt. Der Sumpf wird trockengelegt, auf dem Grund des Übels sitzt ein wilder Mann. Gefangengenommen und in Ketten geschlagen, wird er in ein Verließ im Schloß geworfen. Dem Sohn des Königs fällt sein goldener Ball in diesen Käfig. Heimlich befreit er den wilden Mann, um wieder an das Spielgerät zu kommen, merkt dann aber, daß ihm das bestimmt Schläge eintragen wird. Er bittet den Flüchtenden, ihn mitzunehmen, was geschieht.
Ein verwunschener König
Der Knabe soll nun für den wilden Mann einen Goldbrunnen bewachen, auf daß nichts hineinfalle und ihn verunreinige. Aber erst steckt er seinen Finger ins Wasser, der dadurch vergoldet wird, dann fällt ihm ein Haar hinein und zuletzt der ganze Schopf, daraufhin glänzend wie die Sonne. Prüfung nicht bestanden - der Wilde schickt das Kind in die Welt, verspricht ihm aber, wenn der Junge in Not gerate und „Eisenhans!“ rufe, werde er kommen und ihm helfen. Drei, vier Nöte und Rufe später hat der Prinz mit dem vergoldeten Schopf, zwischendurch zum Gärtner an einem fremden Hof heruntergekommen, mit Hilfe des Eisenhans eine Prinzessin erobert, ein Königreich, und alles ist gut. Denn auch der Eisenhans wird erlöst, er war ein verwunschener König.
Was das alles bedeutet, darüber kann man lange nachdenken. Daß es mein Lieblingsmärchen war, hatte aber wenig mit der Bedeutung zu tun. Mein Vater las abends vor dem Einschlafen aus Grimms Märchen vor. Durfte ich mir eines wünschen, wollte ich nur dieses - weil es von allen im Buch das allerlängste war. Ich war noch nicht müde, und das Vorlesen sollte nicht aufhören. Also rief auch das Kind immer wieder nach dem Eisenhans.