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Jürgen Dollase Bildgottesdienst: „Don Camillo und Peppone“

09.03.2006 ·  Hier gibt es nicht nur den Glauben an Gott, sondern auch den Glauben an die Menschen: „Don Camillo und Peppone“ ist zwar kein Märchen, aber märchenhaft und gleichzeitig voller Moral.

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Als nahezu puristischem Sachbuchleser, Anhänger einer nichtfiktionalen Poesie und im übrigen ehemaligem Obermeßdiener sei mir gestattet, bei der Frage nach dem Lieblingsmärchen sofort an die „Don Camillo und Peppone“-Filme mit Fernandel und Gino Cervi zu denken.

Die literarische Vorlage habe ich nie in den Händen gehabt und will sie auch gar nicht lesen, sondern lieber nach einem frühlingshaften sonntäglichen Mittagessen mit guten Weinen auf das Sofa sinken und zu einer Folge von „Don Camillo“ dahinruhen. Ist diese Welt nicht märchenhaft? Sie scheint mit ihrem dauernden cholerischen Unfrieden sehr realistisch, auch wenn sich auf wundersame Weise immer wieder alle auf einer gemeinsamen Grundlage zusammenfinden. Gilt am Ende etwa die Formel: Wenig Kultur gleich viele Grundwerte und viel Kultur gleich wenig Grundwerte?

Märchenhaft und voller Moral

Hier gibt es nicht nur den Glauben an Gott, sondern auch den Glauben an die Menschen, den Bösen, der nicht nur böse ist, und den Guten, der nicht nur gut ist, vor allem aber jederzeit den großen Hauptschalter, der alle zusammen wieder zur Vernunft bringen kann. Das ist märchenhaft und gleichzeitig voller Moral, die zu allerschönstem Überfluß auch noch ohne entsprechende Apostel auskommt. Und dann diese Details! Da kann eine kleine Kapelle selbst von einem Lastwagen nicht weggezogen werden, und was ist das doch für ein Gott, zu dem man nicht nur betet, sondern der sogar antwortet, und das auch noch mit einer Art gebotsloser Weisheit! Welch plötzliche Leere dann, als er einmal eine Zeitlang nichts erwidert.

Natürlich fühlt der Gourmet auch mit, wenn der sich selbst kasteiende Don Camillo italienische Wurstwaren halluziniert, während dem professionellen Esser nicht fremd vorkommt, wie der Pfarrer sich nur mühsam von der Zwangsernährung durch den besorgten Peppone erholt. Sehen wir es doch einmal ganz ketzerisch. Vielleicht sollten die Pfarrer sonntags einmal den wortreichen Gottesdienst ausfallen lassen und einen Don-Camillo-Film zeigen. „Warum nicht!“ würde der Jesus vom Kreuz das kommentieren.

Die Filme „Don Camillo und Peppone“, „Don Camillos Rückkehr“, „Hochwürden Don Camillo“, „Die große Schlacht des Don Camillo“ und „Genosse Don Camillo“ versammelt eine „Bibel-Edition“ mit fünf DVDs.

Quelle: F.A.Z., 10.03.2006, Nr. 59 / Seite 40
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