16.04.2007 · Harry Potter und Hape Kerkeling müssen sich warm anziehen: „Jesus von Nazareth“, das neue Buch des Papstes Benedikt, ist ein Verkaufsschlager. Es dürfte sich um den bislang erfolgreichsten Start eines religiösen Sachbuches handeln.
Das neue Jesus-Buch von Papst-Benedikt XVI. ist am Montag in den deutschen Buchhandlungen mit einer Erstauflage von 250.000 Stück wie ein Mega-Seller gestartet. „Es geht weg wie warme Semmeln, das gibt es sonst vielleicht nur noch bei Harry Potter“, sagte eine Sprecherin des Herder Verlags in Freiburg. Es dürfte sich um den bislang erfolgreichsten Start eines religiösen Sachbuches handeln.
In Italien kam das Werk „Jesus von Nazareth“ (siehe: Papst-Buch „Jesus von Nazareth“: Ein dramatischer Befund) am 80. Geburtstag Joseph Ratzingers sogar mit einer Startauflage von 350.000 auf den Markt. Die polnische Ausgabe erscheint an diesem Mittwoch mit 100.000 Stück. Übersetzt werde das Buch bereits in 32 Sprachen, hieß es bei Herder. Allein in einer Freiburger Buchhandlung wurden innerhalb von zwei Stunden 130 Exemplare „Jesus von Nazareth“ verkauft. Eine Münchner Buchhandlung orderte bereits am ersten Tag zu den zunächst bestellten 800 Stück weitere 500.
Sehr „gemischte Käuferschaft“
Auch in einer Hamburger Thalia-Buchhandlung gab es eine große Nachfrage: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Abverkauf.“ Der für ein religiöses Sachbuch ungewöhnlich hohe Absatz übertreffe sogar den Run auf Hape Kerkelings Erfolgstitel „Ich bin dann mal weg“, sagte eine Mitarbeiterin. Das Berliner Kulturkaufhaus Dussmann verzeichnete schon in den ersten Stunden einen sehr guten Verkauf. Das Buch spreche eine sehr „gemischte Käuferschaft“ an, von jung bis alt. Dussmann rechnet damit, dass das Buch bis zum Wochenende „reißenden Absatz“ finden wird. Nach Angaben der Herder-Sprecherin gibt es allerdings in Westdeutschland ein erheblich stärkeres Interesse als in den ostdeutschen Bundesländern. Groß sei die Nachfrage in katholischen Hochburgen wie Köln und mit Abstand am größten in Bayern, der Heimat von Joseph Ratzinger.
In dem Buch setzt sich Ratzinger mit der Frage auseinander, ob Jesus tatsächlich Gottes Sohn war, wie es die Kirche lehrt - oder vielleicht doch nur ein Wanderprediger oder Rebell gegen die römischen Machthaber? Die meisten Aussagen des Neuen Testaments über Jesus sind nach Erkenntnissen der historisch-kritischen Bibelforschung erst nach dem Tode Jesu entstanden. Gegen diese Mehrheitsmeinung heutiger Bibelwissenschaftler betont der Papst in seinem Buch, dass Jesus schon zu Lebzeiten als Sohn Gottes aufgetreten und verstanden worden sei. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sieht in dem Werk Ratzingers einen mutigen Schritt über die bisherige Bibelforschung hinaus. „Ich bewundere ihn, dass er dieses Wagnis eingeht“, sagte Lehmann am Wochenende. „Der Papst hat ein sehr umsichtiges und bedächtiges, abgewogenes und feinsinniges, ausgesprochen stilles und nüchtern begeisterndes Buch geschrieben, das viele auf den Weg Jesu mitnehmen möchte und gewiss auch mitnehmen wird.“