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Freitag, 10. Februar 2012
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Israelisch-arabischer Literaturtransfer Ein Feind, der sich zu lesen lohnt

11.03.2010 ·  Der arabische Schriftsteller Elias Khoury übersetzt den autobiografischen Roman des Israelis Amos Oz, um über den Tod seines Sohnes hinwegzukommen. Das Echo in der arabischen Welt ist überraschenderweise positiv.

Von Hans-Christian Rössler, Jerusalem
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Vergeblich sucht man auf dem Schreibtisch von Elias Khoury Fotos seiner Familie. Früher gab es sie im Büro des Anwalts in Westjerusalem durchaus, doch dann hat er sie alle weggeräumt. Bis heute schmerzt den israelischen Araber mit den lebhaften Augen zu sehr, seinen gestorbenen Sohn George darauf zu sehen. Khoury hat einen anderen Weg gefunden, das Andenken an George zu wahren und damit zurechtzukommen, was im Jahr 2004 an einem Freitagabend geschah.

Damals war sein Sohn unweit der Hebräischen Universität auf dem Ostjerusalemer Scopus-Berg joggen gegangen. Mitglieder der militanten Al-Aqsa-Brigaden eröffneten aus einem Auto das Feuer auf den zwanzigjährigen Jurastudenten. Später „entschuldigten“ sie sich: Man habe den Sohn der angesehenen christlich-arabischen Familie für einen jüdischen Siedler gehalten. Während der Trauerfeier kam es zum Tumult, als Vertreter von Palästinenserführer Jassir Arafat George zum „Märtyrer“ erklärten. Schon Georges Großvater war 1975 in Jerusalem bei einem Anschlag palästinensischer Terroristen umgekommen; Elias Khoury überlebte nur, weil er einige Meter von seinem Vater entfernt stand.

Kampf auf beiden Seiten

Elias Khoury und seine Frau Rima entschlossen sich schon bald nach dem Mord an ihrem Sohn, nicht einfach nur um ihn zu trauern. „Wir wollten nicht in Verbitterung versinken, sondern etwas tun“, erinnert sich Khoury. Deshalb beschloss seine Familie, Amos Oz’ autobiographischen Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ auf eigene Kosten ins Arabische übersetzen zu lassen – im Gedenken an den ermordeten George. Jetzt erscheint das Werk in einem Beiruter Verlag; auch in Israel, wo eineinhalb Millionen arabische Staatsbürger wie Khoury leben, wird es bald auf Arabisch herausgekommen.

„Meine Familie litt unter Israelis wie Palästinensern. Aber viele unserer Leute wissen nur wenig über Israel. Wissen kann wie ein Licht sein, und den anderen besser zu verstehen schadet nie“, erläutert der Anwalt. Khoury schreckt nicht davor zurück, Arafat und seine Nachfolger in Ramallah offen zu kritisieren. Zugleich kämpft er bis zum Obersten Gericht in Jerusalem für Palästinenser, deren Rechte durch die israelische Armee oder die Behörden verletzt wurden. Sein eigenes Heimatdorf Madschal wurde einst von der israelischen Armee zerstört.

Universeller Provinzialismus

Überrascht ist Khoury vom positiven arabischen Echo auf die Übersetzung. Die einflussreiche arabische Zeitung „Al Hayat“ lobte das Buch gleich in zwei Artikeln für seine literarischen Qualitäten. Oz sei ein „Feind, den es zu lesen sich lohne“, schrieb ein Rezensent. In der in London erscheinenden Zeitung „Al Quds al Arabi“ stieß es dagegen schon deshalb auf Ablehnung, weil Amos Oz ein „Zionist“ sei. Khoury freut sich jedoch besonders über eine E-Mail mit einem Bild, das zeigt, dass der Roman aus Israel just auf der Arabischen Buchwoche in der saudischen Hauptstadt Riad ausgestellt war. Normalerweise boykottieren Staaten wie Saudi-Arabien alles, was aus Israel kommt. Selbst in Ägypten, mit dem Israel Frieden geschlossen hat, tun sich israelische Autoren schwer: Der ägyptische Kulturminister und gescheiterte Kandidat für die Unesco-Führung, Faruk Hosni, soll einmal gesagt haben, er würde israelische Bücher eigenhändig verbrennen, sollte man sie in ägyptischen Bibliotheken finden.

Elias Khoury hält es für ein Armutszeugnis für die arabische Welt, wie wenige Bücher aus anderen Sprachen übersetzt werden – ein paar hundert im Vergleich zu den Tausenden Titeln, die jedes Jahr auf Hebräisch in Israel erscheinen. Für Amos Oz, dessen Roman bisher in fünfzehn Sprachen übersetzt und in 27 Ländern erschienen ist, war die arabische Übersetzung offenbar ein emotional besonders bewegendes Ereignis. „Als ich das Buch schrieb, dachte ich, es interessiere nur meine Nachbarn in Jerusalem, und war mir sicher, dass es schon in Tel Aviv keiner verstehen würde“, erinnerte sich Oz vor kurzem in der Zeitung „Haaretz“. Doch habe er inzwischen gelernt: „Je provinzieller ein Buch ist, desto universeller ist es.“

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