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Internet Google fühlt sich mißverstanden

24.10.2005 ·  Google hat mit seinem Programm zur Digitalisierung von Büchern die Buchbranche in Aufregung versetzt: Autoren und Verleger hoffen auf mehr Umsatz, fürchten aber um ihre Urheberrechte. Voller Pathos: die Franzosen.

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Die Internetsuchmaschine Google hat mit ihrem Programm zur Digitalisierung von Büchern eine heftige Diskussion in der Buchbranche losgetreten: Autoren und Verleger hoffen einerseits auf steigende Umsätze, fürchten aber andererseits um ihre Urheberrechte. Die Franzosen setzen noch eins drauf und sehen in Google Print gar den Ausverkauf der abendländischen Zivilisation, wenn ein amerikanisches Unternehmen bestimme, welche Bücher in einer digitalisierten Welt gefunden werden und welche nicht.

Google hat vor einem Jahr begonnen, Bücher aus Verlagsprogrammen und fünf großen Bibliotheken einzuscannen. Spätestens seitdem Jean-Noel Jeanneney, Präsident der französischen Nationalbibliothek, im Frühjahr sein Buch "Quand Google defie l'Europe" (Wenn Google Europa herausfordert) herausgebracht hat, dreht sich die Diskussion aber nicht nur um den Schutz der Urheberrechte. "Die kulturelle Vielfalt ist in Gefahr", klagte Jeanneney auf der Frankfurter Buchmesse. "Wir unterliegen der Gefahr eines Monopols. Nur ein kommerzielles Unternehmen - unterstützt von der Wall Street - könnte den Zugang zu Informationen organisieren", sagte Jeanneney und fordert Anstrengungen der Europäer, um Google das Feld nicht allein zu überlassen.

Neben dem Gegenwind aus Europa schlägt Google der Protest auch in Amerika entgegen. Der amerikanische Verlegerverband AAP hat Klage gegen Google eingereicht (siehe: Verleger gehen gegen Google vor). "Die Verleger sind vereint im Kampf zum Schutz ihrer Urheberrechte. Google will Millionen mit dem Talent und geistigen Eigentum von Autoren und Verlagen verdienen", sagte AAP-Präsidentin Patricia Schroeder.

„Wir gehen sehr konservativ vor“

Das stimme nicht, entgegnete Google-Manager Jim Gerber, der das Projekt in der Unternehmenszentrale verantwortet. "Google erhält keine Erfolgsbeteiligung von Buchhändlern und gibt die Hälfte der erzielten Werbeeinnahmen an die Verlage ab", sagte Gerber in Frankfurt. Auf den Internetseiten, die Sucherergebnisse der Bücher aus den Beständen der Bibliotheken zeigten, werde überhaupt keine Werbung gezeigt, sagte Gerber. Überhaupt fühlt sich das Unternehmen mißverstanden. "Es gibt ein gefährliches Halbwissen im Markt", sagte Google-Manager Jens Redmer dieser Zeitung. "Selbst urheberrechtlich gemeinfreie Werke werden nur in Ausschnitten gezeigt. Wir gehen sehr konservativ vor, um das geistige Eigentum zu schützen", sagte Redmer, der in ersten Gesprächen ein großes Interesse deutscher Bibliotheken und Verlage an dem Programm festgestellt hat.

Die Ängste in der Buchbranche sind vielfältig: Geht Google auch in Zukunft seriös mit den Inhalten um? Könnte Google die Suchergebnisse manipulieren, um die Bücher zahlungswilliger Verlage weiter oben erscheinen zu lassen? "Wir sortieren die Ergebnisse ausschließlich nach der Relevanz für den Nutzer", konterte Gerber.

Trotzdem herrscht in den Bibliotheken Unsicherheit, ob eine Teilnahme an dem Programm Sinn macht. Eigene Initiativen in Europa sind bisher nur in Einzelfällen zu beobachten. Es fehlt vor allem an Geld für die aufwendige Digitalisierung. "Warum sollen wir unsere Bücher mit öffentlichen Mitteln digitalisieren, wenn Google es für uns kostenlos macht", wurde Jeanneney in Frankfurt gefragt, blieb eine klare Antwort aber schuldig. Für Frances Boyle, die an der britischen Oxford-Universität das Google-Projekt leitet, stehen pragmatische Überlegungen im Vordergrund: "Ein großer Teil unserer Bücher wird von Menschen außerhalb der Universität gelesen. Wir wollen ihnen einen einfachen Zugriff auf die Werke ermöglichen", sagte Boyle in Frankfurt.

Google Print

Die Suchmaschine scannt Bücher ein, um seinen Nutzern eine Volltextsuche zu ermöglichen. Das Google-Buchprogramm besteht aus dem Verlegerprogramm und dem Bibliotheksprojekt. Verlage können Google ihre Bücher zum Einscannen zur Verfügung stellen. Ein Nutzer kann in diesem Fall maximal 20 Prozent des Buches am Bildschirm lesen, aber weder kopieren noch drucken. Bücher aus den bisher fünf teilnehmenden großen Bibliotheken, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen (public domain), können vollständig eingesehen werden. Aus Büchern, die dem Urheberrecht unterliegen, werden drei kurze Ausschnitte gezeigt, in denen das Suchwort vorkommt. Je nach Programm werden Bezugsquellen für die Bücher oder die Standorte in den Bibliotheken mit angezeigt.

Quelle: ht., F.A.Z., 24.10.2005, Nr. 247 / Seite 21
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