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Im Gespräch: Roger Moore In ironischer Mission

13.06.2009 ·  Er wird 82 Jahre alt in diesem Jahr und hat gerade seine Autobiographie vorgestellt: Der Schauspieler Sir Roger Moore im Gespräch über den Geschmack der Deutschen, den Stil von James Bond und über den Wunsch, einmal ein Schurke zu sein.

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Da lauern sie schon. Autogrammjäger folgen dem älteren Herrn im dunkelblauen Sakko in die Lobby des Hotels, zücken erst ihr Poesiealbum, dann ihr Fotohandy - und Roger Moore erfüllt höflich alle Wünsche. Der Mann, der in den sechziger Jahren „Simon Templar“ war und zwischen 1973 und 1985 sieben Mal James Bond verkörperte, ist für eine Unicef-Veranstaltung in Berlin - und um seine Autobiographie vorzustellen. Er wird 82 in diesem Jahr, und sein Buch lässt milde ironisch, im freundlichen Parlando-Ton noch einmal seine lange, große Karriere vorbeiziehen.

Wie reden wir Sie eigentlich richtig an? Eure Lordschaft? Sir Roger?

Sir Roger wäre die korrekte Anrede, aber normalerweise bin ich einfach Roger.

In ironischer Mission: Roger Moore

Betrachten Sie den Adelstitel auch als eine Belohnung für das, was Sie als Schauspieler geleistet haben?

Ich gehöre ja nicht wirklich zum Adel, ich bin kein Peer, sondern nur ein demütiger Ritter. Und zum Ritter bin ich geschlagen worden wegen meiner Arbeit für Unicef, nicht wegen meiner Erfolge als Schauspieler.

Sie haben auch das Bundesverdienstkreuz erhalten, gar nicht zu reden von Goldener Kamera, Bambi und den vielen Ottos der Zeitschrift Bravo. Sie sind gerade in Deutschland sehr populär. Wie erklären Sie sich das?

Die Deutschen haben einfach einen guten Geschmack.

Könnte es auch daran liegen, dass Sie für viele die Verkörperung des Britischen darstellen?

Keine Ahnung, ich weiß nur, dass ich in der richtigen Rolle zur richtigen Zeit am richtigen Platz war - und die richtigen Leute gekannt habe.

Die Serie Die Zwei, in der Sie zwischen 1970 und 1972 Lord Sinclair spielten, war in Deutschland besonders erfolgreich, sie hatte Kultstatus, vor allem wegen der Dialoge, wegen der vielen Kalauer in der Synchronfassung.

Die Serie war im Original auch witzig, aber ich habe gehört, dass es in der deutschen Version noch lustiger zuging. Aber auch in Frankreich waren „Die Zwei“ sehr beliebt, meiner Autobiographie hat man sogar den Titel der Serie gegeben, „Amicalement vôtre . . .“. Und in Italien hat man einfach mal drei Teile hintereinandergeschnitten, als wäre es ein abendfüllender Spielfilm, was nicht so großartig funktioniert hat und auch Betrug am Zuschauer war. Es ist schon seltsam mit Filmen oder Serien: Manche heben ab, andere nicht.

Ihr Gegenüber in Die Zwei, Tony Curtis, habe viel improvisiert, schreiben Sie. Sie auch? Davon findet man im Buch nichts.

Doch, doch, wir mussten auch improvisieren, wir mussten uns ja ständig Wortgefechte liefern. Anfangs war die Idee, der Plot würde von Tony, dem smarten Amerikaner, getragen. Tony sagte: Ich werde keine Plotlines sprechen. Okay, sagte ich, dann mache ich es, und ich habe dann auch meine Returns gehabt.

Kommen wir noch mal zur Britishness. Sie waren schon vor Bond durch Simon Templar und Die Zwei auf einen bestimmten Typus abonniert: tadellos und elegant gekleidet, mit besten Manieren, weltläufig. Wie wichtig ist Stil in Ihrer Karriere gewesen?

Ich weiß es nicht. David Niven und Cary Grant waren auch Engländer und sehr erfolgreich. Es ist wohl die Art und Weise, wie wir Briten uns benehmen.

Aber Sie haben sich als Schauspieler erst in diese Richtung entwickelt!

Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, mich selbst zu verkörpern (lacht).

Gab es einen Punkt in Ihrer Karriere, an dem Sie die James-Bond-Rolle als logische Fortsetzung Ihrer bisherigen Rollen betrachteten?

Ich habe meine Karriere nie danach geplant, was der nächste Schritt sein würde, es ist einfach passiert. Ich habe keine Türen eingetreten, um bestimmte Rollen zu bekommen. Ich hatte einfach viel Glück.

Als friedliebender Mensch müssen Sie in Ihren Filmen dauernd Schusswaffen und Fäuste einsetzen.

Das ist Schauspielerei, man passt sich der Rolle an. Wenn man einen Schnurrbart tragen soll, trägt man eben einen. Man muss dabei nur so glaubhaft wirken wie möglich.

Hat es Sie manchmal gestört, dauernd den Finger am Abzug zu haben?

Ich mag keine Waffen, aber ich musste sie benutzen. Und es waren ja immer nur Platzpatronen.

Hätten Sie es sich je träumen lassen, dass James Bond Sie so berühmt machen würde?

Ich hatte nie mit mehr als einem Bond-Film gerechnet, ich fühlte mich dann aber auch nie so eingeengt von der Rolle, dass ich nicht auch andere Filme gemacht hätte. Ich habe einfach mich selbst gespielt, nur unter verschiedenen Namen.

Was meinen Sie, wenn Sie im Buch von Ihren begrenzten schauspielerischen Möglichkeiten sprechen?

Das habe ich geschrieben, weil ich mit einem großen Maß an Bescheidenheit gesegnet bin (lacht).

Bedauern Sie manchmal, dass Sie erst nach Hollywood gekommen sind, als die große Zeit des Studiosystems schon vorüber war?

Nein, es war gut, dass ich 1954 noch kurz vor Ende des alten Systems gekommen bin. Als ich kam, wussten sie nicht, in welche Richtung es gehen würde, und als ich ging, produzierte Warner Brothers schon etwa vierzehn Stunden Prime-Time-Fernsehen pro Woche, Serien wie „77 Sunset Strip“, „Cheyenne“ oder „Bronco“.

Die Ironie, die Sie der Bond-Figur mitgegeben haben, ist unter Ihren Nachfolgern weitgehend verschwunden. Woran liegt das?

Es war einfach meine Art, die Rolle zu spielen, mein Stil, und natürlich hatte es auch damit zu tun, was damals im Kino überhaupt vor sich ging. Heute geht es eher zu wie in der „Bourne Identity“, es gibt viel mehr Gewalt, und das Ganze ist ziemlich humorlos. Sie tun im Grunde, was wir damals machten, als wir 1979 „Moonraker - Streng geheim“ drehten. Alle Studios produzierten Science-Fiction-Filme, also versuchten wir, uns an den Trend anzupassen.

Hatten Sie denn damals Zweifel, ob Bond für Sie die richtige Rolle war? Sie waren ja immerhin schon 46.

Nein. Auch wenn ich meine Frisur, meinen ganzen Look ändern musste nach „Die Zwei“.

Wie groß war denn Ihr Einfluss auf die Drehbücher, auf die Gestaltung der Figur? Während Sean Connery eher etwas Raubtierhaftes hatte, haben Sie Bond zum Gentleman gemacht.

Ich musste es auf meine Weise machen. Das letzte Wort lag ohnehin beim Produzenten und beim Regisseur. Viel Einfluss hatte ich nicht, aber ich war mit den Vorgaben einverstanden. Sie wussten ja, was sie mit mir bekamen - dass ich nicht Laurence Olivier war.

Hätten Sie Ihre Karriere anders gestaltet, wenn Sie früher für Unicef tätig geworden wären? Hätten Sie sich andere Rollen gesucht?

Ich war ja vor Bond nicht so bekannt, dass ich als Repräsentant für Unicef hilfreich gewesen wäre. Es gibt in Hollywood eine schöne Redewendung: Es dauert fünfundzwanzig Jahre, um über Nacht ein Star zu werden. Aber ich war in meiner Karriere nie allzu überrascht oder allzu enttäuscht, weil sich alles sehr stetig entwickelt hat. Und ich war glücklich, als Audrey Hepburn mich 1991 gewissermaßen rekrutiert hat für Unicef. Ich bin ihr sehr dankbar dafür.

Bedauern Sie es, nicht ein einziges Mal einen richtig großen Schurken gespielt zu haben?

Ich hätte es geliebt. Die Schurken in den Bond-Filmen haben die besten Rollen und die besten Dialoge. Ich sage ja immer nur „Mein Name ist Bond, James Bond“. Und der Schurke muss auch nicht jeden Tag arbeiten. Leider hat niemand den Bösen in mir gesehen, ich war zu sehr auf die Helden festgelegt.

Sind Sie froh, heute nicht mehr vor der Kamera stehen zu müssen?

Aber sicher! Ich muss nicht mehr so früh aufstehen und um fünf Uhr morgens auf dem Studiogelände vor mich hin frieren. Früher hat mir das nicht viel ausgemacht, aber heute wäre das nichts mehr für mich. Ich genieße die leichten Seiten des Lebens.

Wenn man Ihr Buch liest, hat man den Eindruck, es sei für Sie schon immer eher leicht gewesen.

Es war auch so (lacht). Als Schauspieler ist man der glücklichste Mensch der Welt, wenn man seinen Beruf liebt. Man kann sich überhaupt nicht mehr vorstellen, von neun bis fünf Uhr in einer Bank zu arbeiten oder in einer Schraubenfabrik am Fließband zu stehen. Und wenn die Leute fragen, ob es nicht langweilig ist, siebenmal dieselbe Szene zu spielen, dann sage ich: Nein, man macht es jedes Mal ein bisschen anders und ist dann fertig, wenn der Regisseur es sagt.

Waren Sie jemals in großer Gefahr bei Dreharbeiten?

Ja - wenn ich nach mehr Geld gefragt habe.

Das Gespräch führten Andreas Kilb und Peter Körte.

Roger Moore: „Mein Name ist Bond . . . James Bond: Die Autobiografie“. Aus dem Englischen von Rudolf Mast. I.P.-Verlag Jeske/Mader, 368 Seiten, 19,90 Euro

Quelle: F.A.S.
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