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Im Gespräch: Lutz Wolff Kurs halten - gegen die Konzernverlage

Mit 65 Jahren gehen andere in den Ruhestand, Lutz Wolff hingegen, früher beim Deutschen Taschenbuch Verlag, leitet künftig den Kölner DuMont Buchverlag. Im Gespräch mit FAZ.NET erläutert er seine Pläne und kündigt eine eigene Taschenbuchreihe an.

© Lutz Wolff Vergrößern Plant ein Taschenbuchprogramm bei DuMont: Lutz Wolff

Seit dem 1. April ist Lutz Wolff der verlegerische Geschäftsführer des DuMont Buchverlags und folgt damit Marcel Hartges nach. Dreißig Jahre hat Wolff zuletzt als Lektor beim Deutschen Taschenbuch Verlag gearbeitet. Mit 65 Jahren gehen andere in den Ruhestand, Wolff aber hat große Pläne für den Kölner Verlag.

F.A.Z.: Herr Wolff, man hat mit allen möglichen Leuten gerechnet als Nachfolger des überraschend zu Piper gewechselten Marcel Hartges. Nun sind Sie der Leiter des DuMont Buchverlags, wie haben Sie das angestellt?

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Lutz Wolff: Am meisten überrascht war ich wohl selber. Ich saß in meinem bereits leergeräumten Zimmer bei dtv, da ereilte mich an einem Mittwoch Ende März des Königs reitender Bote in Form eines Telefonats. Am Freitag habe ich dann in Köln mit Alfred Neven DuMont gesprochen und das Haus mit einem Vorvertrag verlassen. Am Montag war die lange geplante Abschiedsfeier bei dtv, die ich durch die Mitteilung über meine neue Aufgabe bereichern konnte.

Marcel Hartges hat soeben verkündet, Piper biete ihm alles, was er sich für seine Arbeit wünsche. Der DuMont Buchverlag tut das demnach nicht. Bietet er dennoch mehr als dtv?

DuMont ist ein toller Verlag, und es ist ganz klar eine unterschiedliche Position. Ich habe bei dtv sehr lange das belletristische Programm verantwortet, also grob die Hälfte aller Titel, aber es hat sich dort nie ergeben, verantwortlicher Geschäftsführer zu werden. Zu Marcel Hartges' ohne Not getroffener Entscheidung kann ich nur sagen: Er hat mit seinem Abgang ein gewisses Vertrauensvakuum bei Autoren und Mitarbeitern hinterlassen, und ich werde mich bemühen, dieses so schnell wie möglich zu füllen.

Und doch ist er als Sanierer gegangen.

Die wirtschaftliche Lage des Verlages war lange Zeit schwierig, wie ich mir habe sagen lassen. Sie ist dann natürlich durch einen Seller von anderthalb Millionen stark verbessert worden, kein Zweifel.

Hätte man nicht gedacht, dass einmal ein Buch wie die „Feuchtgebiete“ zur wirtschaftlichen Stütze des DuMont Buchverlags wird.

Man muss neidlos anerkennen, dass mein Vorgänger und Jo Lendle das Potential des Titels erkannt haben. Allerdings ist ein solches Buch ein einmaliger, nicht wiederholbarer Coup.

Haben die Gesellschafter des Verlages programmatische Wünsche an Sie herangetragen?

Nein.

Es soll kein neuer Kurs eingeschlagen werden?
Nein.

Es gibt keine Vorgaben?

Es gibt ein paar objektive Zusammenhänge, die sich mir nicht verschließen. Wenn man in unmittelbarer Nähe von drei wichtigen Kölner Zeitungen arbeitet, dann wird man natürlich schauen, ob es da Synergieeffekte für das Programm gibt.

Synergien welcher Art?

Nun ja, all business is local. Ich denke an Bücher zu regionalen Themen, zum Rheinland, zu Köln, und ich freue mich darauf, die Kolleginnen und Kollegen aus dem journalistischen Bereich kennen zu lernen.

Wie groß sind die Gewinnerwartungen der Gesellschafter?

Die Gesellschafter, denke ich, sind sich darüber klar, dass Gewinne in einem Hardcover-Verlag nicht von heute auf morgen zu erzielen sind. Der Verlag soll schwarze Zahlen schreiben, klar. Was er jetzt auch tut. In manchen Bereichen nimmt die Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg auch eine sehr fürsorgliche, ja sogar mäzenatische Rolle ein.

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Veröffentlicht: 19.05.2009, 06:00 Uhr