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Hohmann-Affäre : Vielleicht muß man das Buch erst mal lesen

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Die Bielefelder Universitätsbibliothek rückt als Quelle der dunklen Hohmann-Rede in den Blick: Ihr Angestellter Johannes Rogalla von Bieberstein hat das von Hohmann zitierte Buch über den „Jüdischen Bolschewismus“ verfaßt.

          Um die Gestalt des Bibliothekars ranken sich Mythen. In Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" gebietet der Mönch Jorge von Burgos, literarischer Doppelgänger des blinden Jorge Luis Borges, als Zentrum einer konservativen Verschwörung über die Bücher des Klosters. Als Schatzhüter und Geheimnisträger ziehen Buchverwalter schon von Amts wegen den Verdacht der Aufklärer an. Ist es ein Zufall, daß auch die Bielefelder Universitätsbibliothek, ein Mythos aufgrund babylonischer Ausmaße und grenzenloser Öffnungszeiten, ihre Verschwörungstheorie besitzt? Denn jene Bibliothek, in der Niklas Luhmann seinen geheimnisvollen Zettelkasten auffüllte, rückt nun als Quelle der dunklen Hohmann-Rede in den Blick.

          Der Historiker Johannes Rogalla von Bieberstein, Verfasser des von Hohmann zitierten Buches ",Jüdischer Bolschewismus'" - Mythos und Realität" ist seit 1974 in der Bibliothek angestellt und betreut als Fachreferent Soziologie das Zentrum für Interdisziplinäre Forschung und Frauenforschung. Hohmann nutzte Rogallas im Antaios-Verlag erschienene Abhandlung als Beleg für seine Unterstellung einer massiven jüdischen Beteiligung an der Oktoberrevolution. Die Antifa-AG verteilte daraufhin bereits in der letzten Woche Flugblätter, in denen der Bibliothekar der "nachträglichen Rechtfertigung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik" beschuldigt wurde. In einem Nebenraum der Bibliothek hütet Rogalla von Bieberstein noch die Überreste eines eigenhändig abgerissenen Transparents mit seinem Namen und der Losung: "Antisemiten raus aus der Uni".

          Konservative Revolution

          Im Bestand der Hochschulbibliothek ist Biebersteins Werk bis zum 3. Dezember entliehen und viermal vorgemerkt. Wie die verschollene Komödientheorie des Aristoteles in Ecos Roman, so markiert das umstrittene Werk auch in der Bielefelder Debatte eine Leerstelle. Biebersteins Kritiker mußten also selbst jene verschwörungstheoretischen Verfahren nutzen, welche sie dem Autor unterstellten. Der AStA stellte einen Text ins Netz, der Bieberstein mit den ebenfalls bei "Antaios" veröffentlichten Erinnerungen des kürzlich verstorbenen Armin Mohler an Ernst Jünger in Verbindung bringt und als Mitglied einer von Adeligen getragenen "Konservativen Revolution" ausmacht - ein Argument, das der Behauptung der vom Judentum betriebenen Oktoberrevolution ähnelt.

          Rogalla von Bieberstein dürften all diese Verwicklungen nicht wundern. Denn in seiner 1972 bei Rudolf Vierhaus eingereichten Dissertation untersuchte er die These eines freimaurerischen Komplotts hinter der Französischen Revolution und fand einen von "antimodernistisch-klerikalen Kreisen" aufgebrachten, "wahnhafte Züge tragenden Verschwörungsglauben". Die Arbeit machte den Autor nach eigener Auskunft zum "Experten für Verschwörungstheorien" - und tatsächlich stellte er seine Arbeiten an namhaften Stellen wie der Pariser "Maison des Sciences de l'Homme" vor und publizierte unter anderem in Helmut Reinalters Suhrkamp-Band "Freimaurerei und Geheimbünde". Mit Stolz verweist Bieberstein auf ein Lob des Historikers Pierre Nora in der Festschrift für den jüdischen Antisemitismusforscher Léon Poliakov, dem das Buch über "Jüdischen Bolschewismus" als langjährigem Gesprächspartner gewidmet ist.

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