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Henning Mankell : Ich hatte einen Traum vom Ende der Menschheit

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Kommissar Wallander hat ihn berühmt gemacht: Autor und Intendant Henning Mankell Bild: REUTERS

Henning Mankell gilt nicht nur als erfolgreichster Schriftsteller Schwedens seit Strindberg. In Moçambique leitet er das einzige professionelle Theater im Lande. Ein Gespräch über Afrika, Aids und den Platz des Todes.

          Henning Mankell gilt als erfolgreichster Schriftsteller Schwedens seit Strindberg. Der Achtundfünfzigjährige schrieb drei Dutzend Romane und Kinderbücher, Bestseller wurden vor allem die Thriller um den schwermütigen Kommissar Wallander. An seinen zweiten Wohnsitz in Maputo, der Hauptstadt von Moçambique, leitet Mankell das einzige professionelle Theater im Lande. Im vorigen Jahr wurde er von Horst Köhler in die Expertenrunde der Initiative „Partnerschaft mit Afrika“ des Bundespräsidenten berufen.

          Herr Mankell, wie haben Sie heute nacht geschlafen?

          Nicht sehr gut. Ich schlafe seit meiner Jugend schlecht. Das ist eine der Plagen, die mich quälen. Ich weiß nicht, woran es liegt. Schon immer fiel es mir schwer einzuschlafen. Aber inzwischen habe ich gelernt, damit zu leben.

          Können Sie sich an Ihre Träume erinnern?

          Ja, oft. Vor allem, wenn ich durch einen Traum aufwache und dann nicht mehr einschlafen kann. Vor einiger Zeit hatte ich einen furchtbaren Traum. Ich war alleine im Zimmer, und jemand kam herein und sagte, daß jetzt jeder Mensch auf Erden mit Aids infiziert sei. Das kann nicht sein, entgegnete ich. Doch, sagte mein Gegenüber. Es gibt kein Kind mehr, keinen einzigen alten Mann, in keiner Stadt und keinem Dorf, nirgendwo auf der Welt, der sich nicht angesteckt hätte. Das ist das Ende der Menschheit. In diesem Moment wachte ich auf. Und ich sagte mir: Zum Glück war das nur ein Traum. Aber die Erleichterung war nicht von Dauer. Ich lag im Dunkeln, und meine Gedanken begannen zu kreisen. Und ich dachte daran, daß es Menschen gibt, die zwischen Traum und Wirklichkeit nicht wählen können. In manchen Gegenden der Welt leben Menschen in einem Albtraum. Der Albtraum und die Wirklichkeit sind dasselbe.

          Ihr Buch „Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt“ erzählt von sterbenden Aids-Kranken in Uganda im Osten Afrikas, die ihren Kindern „Memory Books“ hinterlassen, gezeichnete und aufgeschriebene Erinnerungen an das, was ihr Leben ausmachte. Sie selbst eröffnen das Buch mit einer apokalyptischen Vision über Aids. Ist der Traum für Sie ein literarisches Mittel, um dem Entsetzen beizukommen?

          Es mag sein, daß ich diesen und einige andere Texte über Aids mit Träumen begonnen habe. Dann war es so, daß ich davon träumte, während ich an den Texten schrieb. Hunderte anderer Texte habe ich ohne Träume begonnen.

          Sind Sie besessen vom Thema Aids?

          Nein, ich bin besessen vom Leben. Ich bin besessen von dem Umstand, daß so viele Menschen an dieser Krankheit sterben - nur, weil sie keinen Zugang zu Medikamenten haben, die es ihnen erlauben würden, ihr Leben weiterzuführen, der Infektion zum Trotz. Ich habe so viele junge Menschen sterben gesehen, die nicht hätten sterben müssen. Ihr Tod war vollkommen sinnlos. Diese Sinnlosigkeit ist meine Obsession.

          Was kann man gegen Sinnlosigkeit tun?

          Wir leben in einer Welt, die uns in ständige Angstzustände versetzen müßte: Kriege, Krankheiten, Katastrophen. Wir haben unendlich viele Probleme. Aber was mich wütend macht, ist der Umstand, daß viele dieser Probleme völlig unnötig sind. Die meisten hätten wir lösen können, spätestens gestern. Aber wir haben uns nicht einmal damit beschäftigt. So dürfen wir uns nicht darüber beklagen, daß uns das Leben bisweilen erscheint wie Asche im Mund, wie man in Afrika sagt.

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