13.12.2008 · Der israelische Schriftsteller Amos Oz hat am Samstag den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten. Oz, der zu den Mitbegründern der palästinensischen Friedensbewegung zählt, hob in seiner Dankesrede die Bedeutung europäischer Werte für die Lösung des jüdisch-arabischen Konflikts hervor.
Amos Oz hat am Samstag den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten. Im Werk des 69 Jahre alten israelischen Schriftstellers vereine sich „literarische Kreativität, politische Sensibilität und humanistisches Engagement“, hieß es zur Begründung der mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung. Sie wurde am 211. Geburtstag des aus Düsseldorf stammenden Dichters Heinrich Heine überreicht und ehrt Persönlichkeiten, die sich im Sinne Heines für Völkerverständigung, Menschenrechte und Toleranz einsetzen.
Der 1939 in Jerusalem geborene Amos Oz, der zu den Mitbegründern der israelischen Friedensbewegung gehört und sich für einen Ausgleich mit den Palästinensern engagiert, zählt mit Übersetzungen in etwa 30 Sprachen und zahlreichen internationalen Preisen zu den bekanntesten Autoren und politischen Stimmen seines Landes.
Keine Wahrheit steht allein
In seiner Dankesrede führte Oz aus, wie Europa von weltlich eingestellten Juden von Heine über Kafka bis Einstein Toleranz, Selbstkritik und „Relativismus“ gelernt habe. Der Kontinent habe begriffen, „aber es leider eine Zeit lang vergessen, dass keine Wahrheit allein stehen kann, ohne von anderen Wahrheiten umgeben zu sein und von Nicht-Wahrheiten und von den nicht greifbaren Landschaften der Dichtung“.
Es sei dieses „europäische Erbe“, dass Israel mit seinen politischen und rechtlichen Grundlagen zu einer modernen Zivilgesellschaft macht. Nur mit diesen europäischen Werten der Toleranz, der Rationalität und des Pragmatismus könne der jüdisch-arabische Konflikt gelöst werden. Dieser bedrohliche Konflikt werde allerdings derzeit „von Fanatikern auf beiden Seiten am Leben
gehalten“.
Zu den Trägern des alle zwei Jahre vergebenen Heine-Preises gehören Carl Zuckmayer, Walter Jens, Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger, Elfriede Jelinek, Wolf Biermann und Marion Gräfin Dönhoff. Die Zuerkennung der Auszeichnung an Peter Handke hatte 2006 wegen dessen umstrittener Serbien-Haltung zu einem Eklat geführt. Nachdem der Autor seinen Verzicht auf den Preis erklärt hatte, waren die Vergabebestimmungen der Auszeichnung entscheidend geändert worden.