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Harte Zeiten fürs Kinderbuch : Tiefes Wasser

Jüngste Leser: Welche Titel würden sie wohl auflegen (lassen)? Bild: dpa

Als der Carlsen Verlag sein „Königskinder“-Programm auflegte, waren die Hoffnungen groß. Nun wird die Sparte der aufwendig gestalteten, ungewöhnlichen Kinderbücher eingestellt. Ein Menetekel?

          Anders sollte alles werden, das begann schon mit dem ersten Programm des 2013 unter dem Dach des Carlsen Verlags gegründeten Imprints „Königskinder“. Dessen Leiterin Barbara König hatte zuvor elf Jahre lang das Hardcover-Programm von Carlsen verantwortet und in dieser Funktion Bücher auf den Markt gebracht, die sich verkauften wie geschnitten Brot – die unerträglichen Vampir-Romane einer Stephenie Meyer ebenso wie die erfreulichen Mythologie-Serien („Percy Jackson“) von Rick Riordan.

          Dass sie auch anders kann, bewies sie dann mit den Königskindern: Das erste Programm eröffnete ihr langjähriger Autor Andreas Steinhöfel mit einem Roman, der unübersehbar mit allem brach, wofür man ihn kannte – mit der herzwärmenden Direktheit der „Rico, Oskar“-Bücher ebenso wie mit dem kindheitsdiagnostischen Blick von „Dirk und ich“. Auch Steinhöfel nutzte offensichtlich die Gunst der Stunde, den Aufbruchselan der neuen Verlagssparte und schrieb ein kühles, verrätseltes, literarisch höchst avanciertes Jugendbuch mit dem Titel „Anders“.

          Das Kunststück war freilich, den Anspruch durchzusetzen und mit so unterschiedlichen Autoren wie Kate De Goldi, Jenn Bennett oder Dianne Touchell ein Programm zu bilden, das trotzdem über die avancierte Buchgestaltung eine einheitliche Handschrift zeigte. Das gelang ausgezeichnet, die Königskinder-Titel wurden häufig ausgezeichnet, von den Kritikern gefeiert und für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Gelesen wurden die Bücher, die aufwendig hergestellt und daher oft etwas teurer als der Durchschnitt waren, offensichtlich schon, gekauft allerdings zu wenig, so dass der Verlag gestern bekanntgab, im kommenden Frühjahr nach dann 42 Titeln das letzte Programm auszuliefern.

          „Fehlende Resonanz aus dem Markt“ nennt die Carlsen-Verlagsleiterin Renate Herre das, und „angesichts der Verkaufszahlen ist eine Fortsetzung der Programmarbeit nicht möglich“. Was das für den deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt bedeutet, der in einer insgesamt schwächelnden Branche gegen den Trend wächst und im Buchhandel einen Umsatzanteil von um die 17 Prozent erreicht hat, mag man sich nicht ausmalen. Wenn der Druck der so vielen lieblos zusammengeschusterten, quietschbunten und risikolosen Bücher in diesem Marktsegment so groß ist, dass er, wie es scheint, über seine schiere Präsenz ein solches Projekt buchstäblich aushungern kann, dann besteht wenig Anreiz, künftig ein noch so ambitioniertes und inhaltlich begründetes Programm für junge Leser zu starten. Achtzig Prozent der Bücher aus diesem Bereich werden von Erwachsenen für Kinder und Jugendliche gekauft, heißt es. Vielleicht sähe der Markt anders aus, wenn man den Lesenachwuchs selbst entscheiden ließe.

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