17.01.2006 · Altväterlich geht es gewöhnlich im Märchen zu. Doch das „Märchen von der Unke“ hört sich eher nach Kurt Schwitters an als nach den Gevattern Grimm, lobt Hans Magnus Enzensberger.
Es war einmal eine Prinzessin... Wir wollen noch heute die Hochzeit feiern... Und so lebten sie von nun an vergnügt bis an ihr Ende... So altväterlich geht es gewöhnlich im Märchen zu. Aber nicht immer.
Manchmal schlägt durch die erbauliche Oberfläche etwas ganz anderes durch, etwas Unheimliches, Vertracktes und Verrücktes, so, als wäre da ein Poltergeist am Werk. Es könnte aber auch der König Ubu sein, der Humpty Dumpty oder der Gingganz, der da in Rätseln spricht: „Unke ruft ,huhu, huhu'. Kind spricht ,komm herut'. Die Unke kommt hervor, da fragt das Kind nach seinem Schwesterchen ,hast du Rotstrümpfchen nicht gesehen?' Unke sagt: ,Ne, ik og nit; wie du denn? Huhu, huhu, huhu.'“
Das ist alles. Und es hört sich eher nach Kurt Schwitters an als nach den Gevattern Grimm. Es geht also auch ohne den verzauberten Königssohn und die böse Stiefmutter, ohne Erbaulichkeit und ohne Moral.
Das Märchen ist aus, da läuft eine Maus, fang sie und mach dir ein Pelzmützchen draus. Huhu, huhu, huhu.