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Hans-Albrecht Koch Oma Venus: „Amor und Psyche“ aus den „Metamorphosen“ des Apuleius

15.02.2006 ·  Es ist die bekannteste Einlage im ältesten vollständig überlieferten Roman der römischen Literatur: Apuleius' Märchen von „Amor und Psyche“, das Venus in schönster Empörung zeigt, als sie erfährt, sie könnte Großmutter werden.

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Die „Metamorphosen“ des Afrikaners Apuleius aus dem zweiten Jahrhundert sind der älteste vollständig überlieferte Roman der römischen Literatur, in dem das Märchen von „Amor und Psyche“ eine von vielen Einlagen ist, freilich die bekannteste:

Psyche, eine Königstochter von solcher Schönheit, daß man sie wie eine Göttin verehrt, erregt die Eifersucht der Venus, die ihren Sohn Amor auffordert, die Mutter zu rächen und Psyche in Liebe zu dem niedrigsten Manne entbrennen zu lassen. Amor, ihrer ansichtig geworden, vergißt augenblicks den Auftrag der Mutter und nimmt Psyche zur Gemahlin. Allerdings ist Psyche einem Neugier-Verbot unterworfen: Ihren nächtlichen Besucher darf sie nie in seiner wahren Gestalt sehen.

Schließlich wird sie doch unsterblich

Von ihren neidischen Schwestern besorgt gemacht, er könne ein Scheusal sein, gibt Psyche endlich der Neugier nach. Kaum ist Amor wieder einmal eingeschlafen, greift sie zur Öllampe und wird des anmutigen Knaben Cupido gewahr, der mit einem Schrei auffährt, da ein Tropfen heißen Öls der Lampe ihm die Schulter verbrennt. Amor muß Psyche bestrafen, indem er davonfliegt. Ein schwatzhafter Vogel unterrichtet Venus, daß sie sich um ihren verletzten Buben kümmern müsse. Venus, endlich darüber aufgeklärt, was aus ihrem Auftrag geworden ist, putzt den Knaben herunter und erlegt Psyche zur Strafe vier unlösbar scheinende Aschenputtelaufgaben auf. Wunderbar unterstützt - beim Körnersortieren etwa helfen ihr die Ameisen -, besteht Psyche alle Prüfungen.

Köstlich der Einfall, daß Venus sich über alle Maßen empört, da sie erfährt, daß Psyche sie auch noch zur Großmutter zu machen im Begriff steht. Als Psyche aber schließlich unter die Unsterblichen aufgenommen worden ist, findet Venus sich mit der nunmehr standesgemäß erhöhten Schwiegertochter ab, und alles wendet sich sich zum guten Ende.

Vermutlich war es der Kirchenvater Augustinus, der - Afrikaner wie Apuleius auch er - für die „Metamorphosen“ den Alternativtitel „Der goldene Esel“ aufgebracht hat. Angesichts der eigenen, freilich nicht schon im Jugendalter erfolgten Metamorphose des Augustinus vom jugendfrischen Lebemann zum frommen Bischof dürfte er das Werk nicht nur als Allegorie gelesen, sondern auch die pikanten Partien genossen haben.

„Das Märchen von Amor und Psyche“ des Apuleius gibt es in zweisprachiger Ausgabe als Reclamheftchen für vier Euro.

Quelle: F.A.Z., 15.02.2006, Nr. 39 / Seite 39
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