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Interview mit Dave Eggers : Wir brauchen eine neue Erklärung der Menschenrechte

  • -Aktualisiert am

Dieses Gebäude ist nicht das Hauptquartier von „The Circle“, sondern der Entwurf von Apples neuer Unternehmenszentrale Bild: Archiv

Der amerikanische Schriftsteller Dave Eggers hat den Roman unserer Zeit geschrieben: „Der Circle“ zeigt die Welt im Griff der Internetindustrie. Was ist zu tun, damit diese Horrorvision nicht wahr wird? Oder ist sie es sogar schon?

          Dave Eggers, 44, ist eigentlich nicht zu sprechen. Er hat keine E-Mail-Adresse mehr, heißt es, Interviews wolle er keine geben, lässt seine amerikanische Agentur ausrichten. Schließlich ist er doch zu einem Gespräch bereit, Agent, Verleger, Pressesprecher arrangieren immer wieder neue Termine und Orte, nehmen sie wieder zurück, Treffen in San Francisco, anderswo, dann schließlich: Florenz, 12. Juni, 15 Uhr, Hotellobby. Aber Dave Eggers ist nicht da. Anruf in seinem Zimmer, seine Frau nimmt ab, oh, Dave sei gerade weggegangen, nein, er sei nicht erreichbar, frühestens in einer Stunde sei er wieder da. Nein, zu warten habe gar keinen Zweck. Hm, in drei Stunden geht schon wieder mein Flug zurück. Sehr komisch. Mail an seine Agentur. Die schreibt zurück: „Wir haben keine Möglichkeit, Dave Eggers im Ausland zu erreichen. Es tut uns leid.“ Der Autor des „Circle“, der Dystopie der totalen Erreichbarkeit, der totalen Transparenz, ist also irgendwo in Florenz spazieren gegangen, statt sich um Termine zu kümmern. Als ich eine Stunde später wiederkomme, empfängt er mich gut gelaunt in der Lobby. Er dachte, unser Termin sei erst um vier.

          Das fängt ja gut an. Es ist, als wollten Sie mir gleich mal die Gegen-Utopie Ihres Romans demonstrieren.

          Dave Eggers: Ja, lustig. Ich habe versucht, Sie zu erreichen, aber Ihre Mailbox ist voll. Hier im Hotel funktioniert das Internet nicht, ich habe keinen Computer dabei, der von meiner Frau ist kaputt, Ihre E-Mail-Adresse habe ich auch nicht. Wir sind zehn Tage lang hier, im alten Italien, da dachte ich mir: Ach, lass den Laptop zu Hause. Also habe ich ihn zu Hause gelassen. Es ist irgendwie schön. Oh, Sie zeichnen hier mit diesen Digitalrekordern auf? Die hatte ich früher auch, irgendwann kam ich an die alten Aufnahmen nicht mehr ran. Jetzt benutze ich wieder alte analoge Geräte. Ich bin nicht so gut in diesen Dingen.

          Und haben einen Roman über die Zukunft der Technik geschrieben. Warum?

          Wenn man in San Francisco wohnt, dann schwimmt man ja geradezu darin, die ganze Zeit. Sie umgibt dich komplett, die Welt der Technologie, nicht nur, wie man sie täglich nutzt, sondern als Geschäft, als Industrie. San Francisco ist ja wie eine Fabrikstadt, jeder arbeitet im gleichen Geschäftsbereich, der Welt der Internettechnologie. Ich habe mir die ganze Zeit Notizen gemacht, ich schrieb Konzepte über Möglichkeiten, die die neuen Techniken bieten. Mir fehlte aber ein Protagonist. Es war klar, dass ich nicht aus meiner Perspektive erzählen kann, ich bin zu alt und zu skeptisch. Irgendwann hatte ich Mae, eine Frau aus einer komplett anderen Gegend Amerikas, die zuvor in der „alten Industrie“ arbeitete, die am ersten Tag den Campus betritt und weiß: Sie ist im Paradies. Jeden Tag landen in San Francisco neue Menschen auf einem anderen Campus der Internetwelt und halten sie für Wirklichkeit gewordene Orte der Utopie. Mae kommt an, alles scheint perfekt, dann zieht sich die Schlinge langsam zu, Tag für Tag.

          Was haben Sie als Erstes geschrieben?

          Die Szene, in der Alistair so tief beleidigt reagiert, weil Mae nicht zu seinem Portugal-Brunch gekommen ist. Ich musste so lachen dabei. Erinnern Sie sich? Der Circle-Mitarbeiter Alistair hatte aus der Cloud die Information erhalten, dass Mae zehn Jahre zuvor in Portugal gewesen ist, er setzt sie also auf die Mailing-Liste für seinen Portugal-Abend, sie antwortet nicht einmal, und er ist tief bestürzt und beleidigt.

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