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Frederick Forsyth zum Siebzigsten : Der Rechercheur

Der Schriftsteller Frederik Forsyth wird 70 Bild:

Er wollte Stierkämpfer werden, vielleicht daher der oft angriffslose Ton. Als Schriftsteller verfügt er über ein thematisch breites Spektrum, und er wittert die Themen, setzt sie punktgenau. Zum Siebzigsten des Bestseller-Autors Frederick Forsyth.

          Dumme Menschen können sehr stur sein - so hat Frederick Forsyth erst unlängst in aller Deutlichkeit über Tony Blair gelästert, den er für den schlechtesten englischen Premier der letzten hundert Jahre, für einen Scharlatan und Strolch hält. Selbstverständlich ist der Urheber dieser Einschätzung nicht dumm, höchstens polemisch, aber eines hat er mit seinem ehemaligen Premierminister gemeinsam: Auch er kann ziemlich stur sein. Man denke etwa an seinen Feldzug gegen die Einführung des Euro, als er mit offenen Briefen die Kanzler Kohl und Schröder beharkte, dass die Funken nur so flogen. Aber so angriffslustig war der in Ashford (Grafschaft Kent) geborene Sohn eines Kürschners vermutlich schon immer.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Die Schule verließ er vor der Zeit, und als es mit der angestrebten Laufbahn als Stierkämpfer nicht klappte, wurde er im Alter von neunzehn Jahren der jüngste Pilot der Royal Air Force. Als ihn die BBC wenige Jahre später - er war schon zu schnellem Reporterruhm gelangt - in den Biafra-Krieg nach Nigeria entsandte, schickte er so einseitige wie leidenschaftliche Berichte ins Vereinigte Königreich, dass man ihn von diesem Posten wieder abzog. Solcher Dickköpfigkeit verdankt die Bücherwelt die Geburt des Schriftstellers Forsyth, der diese Bühne mit einem Tusch betrat, der bis heute seinen Rang begründet.

          Eine geradezu visionäre Kraft

          „The Day of the Jackal“ (1971; deutsch „Der Schakal“ 1972) speiste sich aus den Erfahrungen, die Forsyth als Frankreich-Korrespondent bei Reuters gesammelt hatte - immer wieder auch in der Entourage des Präsidenten Charles de Gaulle. Im Roman soll ein namenloser britischer Auftragsmörder den Präsidenten töten. Das Buch schnellte aus dem Stand in den Rang eines Welterfolgs; es ist bis heute Forsyth' bekanntestes und geschlossenstes Werk, das zweimal verfilmt wurde. 1972 legte Forsyth mit „Die Akte Odessa“ nach. Der Thriller spielt in den frühen sechziger Jahren in der Bundesrepublik: Die Erinnerungen an den Nationalsozialismus sind eigentlich noch frisch, dennoch ist einem Netzwerk ehemaliger SS-Angehöriger gelungen, sich in der bürgerlichen Gesellschaft einzurichten. Jenseits der literarischen Güte hat Forsyth hier geradezu visionäre Kraft entwickelt - zwei Jahrzehnte später wurde, wie im Roman entwickelt, von den Nationalsozialisten geraubtes Gold bei Schweizer Banken gefunden.

          Ein scharfzüngiger Zeitgenosse

          Das sind die Stärken des professionellen Rechercheurs: Er verfügt über ein thematisch breites Spektrum, und er wittert die Themen, setzt sie punktgenau, sei es 1974 mit „Die Hunde des Krieges“ über den gescheiterten Staatsstreich in einer Bananenrepublik; seien es die an Umfang zulegenden Thriller aus der Welt der Geheimdienste (“Das vierte Protokoll“ 1984; „Die Faust Gottes“ 1994).

          Frederick Forsyth verwendet bis heute nur seine Schreibmaschine und seine guten Kontakte - im Internet ist er nicht daheim, weil er dem Medium misstraut. Das hat jedoch der soliden Faktenlage seines bislang letzten Romans „Der Afghane“ keinen Abbruch getan (F.A.Z. vom 9. Dezember 2006), in dem er sich den Terrorismus in Zeiten von Al Quaida vorgenommen hat. Forsyth ist ein Mann von Format, ein scharfzüngiger Zeitgenosse. Sein Deutsch ist ausgezeichnet, außerdem spricht er Spanisch, Russisch und Französisch. Ein wohlhabender Weltbürger - mehr als fünfunddreißig Millionen verkaufte Bücher -, der sich als Brüssel-Skeptiker einmischt. Auf die Frage, wie er sterben möchte, hat der passionierte Hochseefischer im F.A.Z-Fragebogen geantwortet: „So spät als möglich.“ Heute wird er siebzig Jahre alt.

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