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Frederick Forsyth : Das Establishment sollte man meiden

Die Geheimnisse der Geheimdienste interessieren ihn ungemein: Frederick Forsyth. Bild: Francesco Guidicini

Frederick Forsyth war Pilot der Royal Air Force, Lokaljournalist, Geheimdienstmitarbeiter und Bestsellerautor. In seiner Autobiographie „Outsider“ erzählt er von alldem – und begleicht eine offene Rechnung.

          Am 2. Januar 1970 setzte ich mich an den Küchentisch der geborgten Wohnung, nahm den Metalldeckel mit der Streifschussnarbe von meiner getreuen alten Reiseschreibmaschine, spannte den ersten Bogen ein und begann zu tippen.“ Dieser Satz steht auf Seite 271, und er ist, abgesehen von ein paar flüchtigen Nebenbemerkungen, der erste Abschnitt, der sich tatsächlich damit beschäftigt, wie aus einem vergleichsweise unbekannten britischen Auslandskorrespondenten nach seinem Romandebüt „The Day of the Jackal“ (Der Schakal) ein weltweit erfolgreicher Autor von Thrillern wurde.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Nur hundert Seiten später schließt Frederick Forsyth, Jahrgang 1938, das Album seines Lebens wieder, auf das er den programmatischen Titel „Außenseiter“ gesetzt hat. Es ist ein Selbstporträt des Autors als junger Spund. Denn was er auch unternimmt, er ist meist der Jüngste, der Sohn eines Kürschners aus Ashford in der Grafschaft Kent. Man könnte auch sagen: Er ist frühreif und dadurch gern zu früh dran. Dank der Weitsicht seiner Eltern lernt er bei Auslandsaufenthalten Deutsch und Französisch fließend, später kommen Spanisch und ein wenig Russisch dazu. So aufgestellt, wird er in Cambridge in ein bekanntes College eingeladen, von wo aus ihn man gleich für eine Laufbahn im Außenministerium empfehlen will.

          Das Leben war seine Hochschule

          Aber ein Studium ist seine Sache nicht, eher schon der Besuch einer Schule für Matadore, auch wenn er im Vorbeigehen ein Diplom der Universität von Granada mitnimmt, während dessen ihn eine deutsche Gräfin die Liebeskunst lehrt: Das Leben ist seine Hochschule, und zwar das pralle, das riskante, das er gelegentlich leichtsinnig aufs Spiel setzt. An Selbstbewusstsein und elterlicher Liebe scheint es dem Einzelkind nie zu mangeln. Der Kasernierung der verhassten Internatsschule entzieht er sich mit tollkühnen Manövern, die ihn schließlich zum jüngsten Piloten der Royal Air Force machen.

          Der junge Mann möchte Auslandskorrespondent werden, weil er die Welt bereisen will. Zunächst geht er in Norfolk in die beste aller Grundausbildungen - er wird Lokaljournalist; dann zieht er weiter in die Fleet Street, landet bei Reuters, wird nach Paris abkommandiert, wo er den stets unter Anschlagsgefahr lebenden General de Gaulle erlebt, den er später als Romanfigur einsetzen wird. Es folgt ein Jahr in der Hauptstadt des Arbeiterparadieses DDR, in Ost-Berlin. In Notlagen schlüpft er in die Rolle des naiven Trottels, der Stasi gegenüber verfängt dieses Spiel naturgemäß nicht.

          Der Wechsel zur BBC erweist sich als kompletter Fehlschlag, weil Forsyth nicht begreifen will, dass der Staatssender dazu da ist, London wohlgefällige Nachrichten zu verbreiten. Und so ist er wohl bis heute im Herzen Journalist geblieben, einer der altmodischen Sorte, wie sein Credo verrät: „Ein Journalist sollte sich nie mit dem Establishment gemeinmachen, allen verführerischen Schmeicheleien zum Trotz. Unsere Aufgabe besteht darin, die Mächtigen zur Rechenschaft zu ziehen, nicht, uns mit ihnen zu solidarisieren.“ Freilich, als Millionenseller ist es ihm später nicht gegeben gewesen, sich den Lockungen des Establishments ganz zu entziehen - man trifft sich eben doch auf Dinnerpartys.

          Vorwürfe an die Regierung unter Harald Wilson

          Der Tonfall dieser Memoiren ist salopp, die politischen Bewertungen sind gelegentlich stereotyp und spiegeln die Zeit, in der sie herausgebildet wurden - den Kalten Krieg. Manches Argument reitet Forsyth bewusst trotzig gegen den Zeitgeist, etwa das Lob der Wehrpflicht; das „Gewese“ der Deutschen um die Natur ist ihm in dem Maße fremd, in dem er sein eigenes Gewese um die Einsamkeit des Schriftstellers ignoriert.

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