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Fragen Sie Reich-Ranicki Kafka in Kürze

18.04.2006 ·  Warum Kafka so wichtig sei, wurde Marcel Reich-Ranicki gefragt. Ausgezeichnete Bücher würden darauf ausführliche Antwort wissen, gibt der Literaturkritiker zurück . Und antwortet selbst in aller Kürze.

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Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff äußerte einmal, man müsse unbedingt Kafka gelesen haben. Warum ist Kafka so wichtig?
Evelyn Plüm

Reich-Ranicki: Darüber sind viele, auch ausgezeichnete Bücher geschrieben worden. Hier eine knappe Antwort, die auf seine zentrale Problematik verweisen soll.

In seinen Romanen (vor allem im „Prozeß“) und Erzählungen war Kafka seiner Epoche vorausgeeilt - wie kein anderer seiner Zeitgenossen. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod (er starb im Jahre 1924), als sich die Rolle der Intellektuellen in der Gesellschaft weitgehend geändert hatte, vermochte man zu erkennen, daß die zunächst bloß auf eine spezifische Prager Konstellation zu beziehenden Geschichten vom Schicksal der Ausgestoßenen und Angeklagten klassische Parabeln der Heimatlosigkeit und der Entfremdung sind. Die von Kafka immer wieder dargestellte Tragödie der Juden - das Wort „Jude“ kommt übrigens in seinen Romanen nicht vor - wurde von späteren Lesern als Extrembeispiel der menschlichen Existenz verstanden.

Kafka gilt als der neben Thomas Mann bedeutendste deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Einfluß auf die Weltliteratur ist enorm.

Ich finde Ihr Buch „Mein Leben“ toll. Würden Sie es gerne auch verfilmt sehen? Wer sollte die Hauptrolle spielen?
Zuzana Kurakova, Slowakei

Reich-Ranicki: Aber ja, ich möchte die Verfilmung meiner Lebenserinnerungen sehr gern sehen. Und in der Tat wurde der Vertrag für diese Verfilmung längst abgeschlossen. Aber der Film läßt auf sich warten, er wird vorbereitet, doch die eigentliche Arbeit ist noch nicht einmal begonnen worden. Es steht auch noch nicht fest, wer Regie führen wird und wer die Hauptrolle spielen soll. So bleibt mir nichts anderes übrig, als geduldig zu warten. Hoffentlich werde ich den Tag der Uraufführung dieses Films noch erleben.

In Ihren wunderbaren Memoiren schreiben Sie so geheimnisvoll wie prickelnd über Ihre Begegnung mit Lilli Palmer. Über die Palmer als Schriftstellerin dagegen finden Sie kein Wort. Was nun halten Sie von Lilli Palmer?
Paul Samson

Reich-Ranicki: Bisweilen geht es mir schon auf die Nerven, daß ich mich in dieser Rubrik immer wieder rechtfertigen muß. Ja, in der Tat: Ich habe nicht alle in den letzten sechzig Jahren erschienenen Bücher gelesen, nicht einmal alle wichtigen. Als Filmschauspielerin hat mich Lilli Palmer sehr beeindruckt, unter anderem - um nur ein Beispiel anzuführen: in der „Lotte in Weimar“. Von ihren Büchern kenne ich lediglich ihre Lebenserinnerungen „Dicke Lilli - gutes Kind“. Sie sind vorzüglich.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Stichwort „Sonntagsfrage“, Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.04.2006, Nr. 15 / Seite 28
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