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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Fragen Sie Reich-Ranicki Interessanter als die Lustspiele von Oscar Wilde

 ·  Seine höchst amüsanten Stücke waren Welterfolge, er selbst als Dramatiker, Filmemacher, Erzähler und Schauspieler berühmt. Doch mit seinem Tod 1960 verschwand auch der Ruhm von Curt Goetz.

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Wie kommt es, dass der Schriftsteller Curt Goetz heutzutage in Deutschland unerwähnt bleibt? Halten Sie seine Theaterstücke nicht für lesenswert?
Dr. Sarah Zerbes, University of Exeter

Marcel Reich-Ranicki: Er wurde am 17. November 1888 unter dem Namen Kurt Walter Götz in Mainz geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater, und seine Mutter ging mit ihm zurück in ihre Heimatstadt Halle an der Saale. Er studierte Medizin, brach sein Studium ab und lebte lange in Berlin. Er wirkte in zahlreichen Stummfilmen mit und begann schon bald, selbst Drehbücher für Filme zu schreiben. Bald begann er auch, Theaterstücke zu schreiben. Sein Stück „Ingrid“ wurde 1923 in Wien aufgeführt. Die Hauptrollen spielten Curt Goetz selbst und die Schauspielerin Valérie von Martens. Im Dezember desselben Jahres heirateten die beiden in Berlin. 1939 gingen sie nach Amerika, Curt Goetz wollte in Hollywood das Filmemachen studieren. Die beiden wurden vom Kriegsausbruch überrascht und blieben in Amerika. 1946 kehrte das Ehepaar in die Schweiz zurück.

Curt Goetz wurde als Dramatiker, Filmemacher, Erzähler und als Schauspieler berühmt, immer als komischer. Nach 1950 steigerte sich der Ruhm seiner höchst amüsanten Stücke noch weiter. Es waren Welterfolge, im Grunde noch interessanter als die einst umjubelten Lustspiele von Oscar Wilde.

Sein Ruhm war plötzlich wie verschwunden

Ab 1950 lebte Curt Goetz in Liechtenstein. Vor allem mit zwei Stücken hat er große Erfolge errungen: „Dr. med. Hiob Prätorius“ und „Das Haus in Montevideo“, das 1951 unter der Regie seiner Frau verfilmt wurde. Seine Stücke wurden überall aufgeführt, aber 1960 starb Curt Goetz, und auch sein Ruhm war damit plötzlich wie verschwunden. Auf dem Waldfriedhof in Berlin wurde er beigesetzt.

Seit etwa fünfzig Jahren kennt niemand mehr Curt Goetz. Niemand kann erklären, warum er so schnell und so ganz und gar in Deutschland und in der Welt vergessen wurde. Sie, Frau Zerbes, können den Grund nicht nennen, obwohl Sie Goetz offenbar als bedeutenden Dramatiker und Könner kennen. Und auch ich weiß ihn leider nicht.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Stichwort „Sonntagsfrage“, Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin.

Quelle: F.A.S.
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