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Fragen Sie Reich-Ranicki : Ich kenne kein interessanteres Thema

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Ob Frauen als literarisches Thema interessant sind? Ob es neben Ingeborg Bachmann eine Dichterin mit vergleichbarer Begabung gebe? Ob Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ bedeutend sei? Marcel Reich-Ranicki antwortet einmal mehr auf Leserfragen.

          Ich habe kürzlich „Die Rote“ von Alfred Andersch gelesen und fand es grauenhaft und kitschig. Der Roman gilt doch als ein wichtiges Werk der deutschen Nachkriegsliteratur. Oder?
          Ernst Schmied, Braunschweig

          Marcel Reich-Ranicki: Mit dem Leser in Braunschweig bin ich gern und ganz einverstanden. Das Urteil über die „Rote“, die ich vor genau fünfzig Jahren ausführlich (leider!) besprochen habe, lautet auch bei mir (damals und heute) „grauenhaft und kitschig“. Dass der Roman „ein wichtiges Werk der deutschen Nachkriegsliteratur“ sei, ist Mumpitz und Humbug.

          In „Kindlers Neuem Literatur-Lexikon“, erschienen 1988, wird freilich dem Buch eine ganze Seite gewidmet. Doch die Welt macht Fortschritte. In der bearbeiteten Ausgabe des Lexikons, nun von 2009, wird das Urteil über die „Rote“ schön und klar revidiert: Statt einer Seite Text gibt es kein Wort mehr. Die Stille ist beinahe eindrucksvoll. Andersch starb 1980. Bemerkenswert ist sein schlecht geschriebener, aber aufschlussreicher autobiographischer Bericht „Kirschen der Freiheit“ und vor allem sein bester Roman: „Sansibar oder Der letzte Grund“, der während des Dritten Reichs spielt.

          Was halten Sie von Ihrem Freund Karasek. Er schreibt oft über Frauen. Ist das ein interessantes Thema?
          Walter Kund, Regensburg

          Marcel Reich-Ranicki: Von Karasek halte ich sehr viel. In der Tat, ich glaube, dass Frauen als Thema der Literatur interessant sind. Unter uns: Ich kenne kein interessanteres Thema. Allerdings war ich in Regensburg nur sehr kurz.

          Hat es in deutscher Sprache neben Ingeborg Bachmann eine Dichterin mit vergleichbarer Begabung gegeben?
          Sigbert Handler, Offenbach

          Marcel Reich-Ranicki: Ja, Else Lasker-Schüler.

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