Home
http://www.faz.net/-grg-11pt1
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fragen Sie Reich-Ranicki Ein Genie, ein Talent

05.01.2009 ·  Thomas Mann und Hermann Hesse: Marcel Reich-Ranicki hat beider Werke gründlich studiert. Wem gibt er den Vorzug? Außerdem verrät der Kritiker, warum er schwieg, als man Paul Celan verhöhnte.

Kolumne Bilder (1) Lesermeinungen (5)

Bis heute ist mir nicht gelungen, Hesses „Glasperlenspiel“ bis zum Ende zu lesen. Thomas Manns „Doktor Faustus“ habe ich schon dreimal gelesen. Liegt das an Hesse oder an mir? Hellmut Hoffmann, Oberursel bei Frankfurt

Reich-Ranicki: Es ist müßig, diese beiden Romane zu vergleichen. Thomas Mann und Hesse sind zwei ganz verschiedene Ebenen des literarischen Niveaus, des künstlerischen Formats. Thomas Mann ist ein Genie, Hesse ein Talent mit bedenklichen Neigungen. Der eine Leser bewundert Thomas Mann, der andere ist in Hesse verliebt. Was mich betrifft: Ich habe beide Autoren gründlich gelesen, vor allem ihre vielen Romane und Erzählungen. Nie habe ich gezweifelt, wem die Palme gebührt.

Was halten Sie von Übersetzungen in fremde Sprachen der Werke von Shakespeare, Tolstoi, Thomas Mann? Was geht dabei verloren? Lohnt es sich, schon dafür eine fremde Sprache zu lernen? Gennadi Yerokhin

1) Natürlich und mit Sicherheit geht allerlei verloren. 2) Das ist eine individuelle Angelegenheit. Da sollte man sich selber entscheiden.

Warum war Ihre Stimme nicht zu hören, als Paul Celan immer wieder von Leuten wie Holthusen, Hohoff, Blöcker und anderen nahezu höhnische und nicht selten antisemitische Verrisse bekam? Dr. U. Konietzky, Utrecht

Weil ich damals nicht in Deutschland lebte. Aus der Bundesrepublik konnte ich weder Bücher noch Zeitungen erhalten. Der Name Celan war mir unbekannt. Nicht nur jüngere Leute haben keine Ahnung, was der Eiserne Vorhang war.

Wenn ich es richtig sehe, haben Sie sich in Ihrem Leben noch nie zum Werk von Jorge Borges geäußert. Warum? Eckhard Raabe, Michelstadt

Sie gehören offensichtlich zu den nicht wenigen Lesern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die mir auf die Nerven gehen, weil es ihnen Spaß macht, die Löcher im Schweizer Käse zu suchen. Gewiss gibt es in der Geschichte der Weltliteratur viele Schriftsteller, die ich nur flüchtig oder überhaupt nicht kenne.

Borges? Selbstverständlich habe ich einen Schriftsteller von dieser Bedeutung aufmerksam studiert. Aber ich habe mich nicht oft über ihn geäußert. Um Sie zu beruhigen ein Datum: In der F.A.Z. vom 28. Oktober 1982 habe ich einen Aufsatz mit dem Titel „Borges, der blinde Seher“ publiziert.

Fragen, die mir auf der Suche nach den Löchern im Schweizer Käse gestellt werden, empfinde ich in der Regel als taktlos und indiskret. Ich bin nicht verpflichtet, zu erklären oder mich zu rechtfertigen, warum ich von diesem oder jenem Schriftsteller nichts wissen sollte.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Stichwort „Sonntagsfrage“, Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin.

Quelle: F.A.S.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen