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Fragen Sie Reich-Ranicki Ein gefürchteter Freund

03.03.2009 ·  Kann ein Schriftsteller mit einem Kritiker befreundet sein? Welche Rolle spielt die Philosophie in der Literatur? Und welche Philosophen waren literarisch am besten? Antworten von Marcel Reich-Ranicki.

Kolumne Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Kann ein Schriftsteller mit einem Kritiker befreundet sein? Welche Rolle spielt die Philosophie in der Literatur? Und welche Philosophen waren literarisch am besten? Antworten von Marcel Reich-Ranicki.

Wie bewerten Sie das Werk von Rolf Dieter Brinkmann? Hans Rohe, Berlin

Marcel Reich-Ranicki: Ich kann nicht von unseren Lesern erwarten, dass sie alle meine Antworten in der Sonntagszeitung auswendig lernen. Andererseits sollten die Leser nicht immer wieder dieselben Fragen stellen, weil sie meine längst gedruckten Antworten übersehen oder vergessen haben.

Über Brinkmann habe ich in der Sonntagszeitung vor einigen Jahren geschrieben. Man kann den Aufsatz leicht finden. Er ist in dem Buch „Marcel Reich-Ranicki antwortet auf 99 Fragen“ enthalten, das 2006 im Insel-Verlag erschienen ist. Weitere Beiträge aus der Rubrik „Fragen Sie Reich-Ranicki“ werden im zweiten Band zu finden sein, der jetzt vorbereitet wird.

Was halten Sie von dem Schriftsteller Franz Tumler? Gab es jemals eine persönliche Begegnung zwischen Ihnen? Sigrid John Tumler

Marcel Reich-Ranicki: Es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen. Nicht zum ersten Mal muss ich erklären, dass ich nie Kontakte mit Tumler hatte und dass ich mich nie mit seinem Werk beschäftigt habe. Nur ein einziges Mal habe ich mich über sein Werk geäußert: Es war auf einer Tagung der Gruppe 47. Es ist schon lange her. Ich sprach über das von Tumler vorgelesene Prosastück freundlich und respektvoll. Er war, glaube ich, sehr zufrieden.

Warum machen Sie nicht weiter das „Literarische Quartett“? So viele Leute würden sich über eine Neuauflage des „Quartetts“ freuen.

Marcel Reich-Ranicki: Immer wieder erhalte ich diese Frage. Sie ist an die falsche Adresse gerichtet. Sie müssen sich an den Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens wenden oder an einen anderen Intendanten.

Welche Rolle spielt die Philosophie in der Literatur, welche sollte sie spielen und welche nicht? H. Kreiner

Marcel Reich-Ranicki: Das hängt vom Autor ab, da kann es keine Regel geben. Sicher ist jedenfalls: Die Philosophie kann keinen schwachen Roman stark machen.

Welche philosophischen Werke finden Sie literarisch am besten? Karl Sommer, Freiburg

Marcel Reich-Ranicki: Von der deutschen Philosophie einiges von Nietzsche und Schopenhauer, aber die griechischen Philosophen haben auch nicht schlecht geschrieben.

Gibt es einen Schriftsteller, mit dem Sie befreundet sind oder waren? Kann es so etwas wie Freundschaft zwischen einem Kritiker und einem Autor geben? Susanne Korgel, Darmstadt

Marcel Reich-Ranicki: Eine Freundschaft zwischen einem Autor und einem Kritiker ist beinahe immer eine ziemlich heikle Sache. Der Autor erwartet, dass der Kritiker sich über ihn äußert - und meist ist der Autor unzufrieden. Das ist nicht unverständlich. Irgendwann werde ich über meine Erfahrungen auf diesem Gebiet schreiben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, ob der Kritiker wirklich Einfluss im literarischen Leben hat. Dann wird er gefürchtet, auch von seinem Freund. Der Autor und der Kritiker - es sind Menschen mit sehr menschlichen Schwächen.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Stichwort „Sonntagsfrage“, Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin.

Quelle: F.A.S.
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