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Fragen Sie Reich-Ranicki Der Literaturkritiker hat's schwer

23.06.2009 ·  Den Friedenspreis erhält in diesem Jahr genau der richtige Autor, für Klagenfurt ist er nicht zuständig, Vicky Baum hat er zu lange nicht mehr gelesen und in der Tat einen sehr schweren Beruf: neue Fragen an und Antworten von Marcel Reich-Ranicki.

Kolumne Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Erwarten Sie sich irgendetwas von dem Vorlesewettbewerb in Klagenfurt in der nächsten Woche?
Sandra Escher, Göttingen

Marcel Reich-Ranicki: Ich habe schon oft geschrieben, dass ich zuständig bin für Literatur der Gegenwart und Vergangenheit. Für die Literatur, die erst in der nächsten Woche bekannt wird, bin ich nicht zuständig.

Sind Sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Claudio Magris einverstanden?
Anita Hausmann, Schwäbisch-Gmünd

Marcel Reich-Ranicki: Jawohl, es handelt sich hier um eine hervorragende Entscheidung.

Goethe und Mozart treten wohl in unserer Gesellschaft immer erst dann in Erscheinung, wenn alle satt und zufrieden sind und Muße haben. Die Hungrigen und Unzufriedenen suchen ihr Heil eher in handfesten Gütern.
Hans Klausing, Stuttgart

Marcel Reich-Ranicki: Ich kann diese Frage nicht beantworten, weil sie von einer vollkommen falschen Voraussetzung ausgeht.

Ein Wort zu Vicky Baum?
Martin Luecker, Frankfurt am Main

Marcel Reich-Ranicki: Es ist sehr lange her, dass ich Vicky Baum gelesen habe, daher kann ich diese Frage nicht beantworten.

Ricarda Huch und ihre Bücher sind relativ unbekannt, warum?
Otto Arnold, Marbach am Neckar

Marcel Reich-Ranicki: Fortwährend werde ich gefragt, warum bestimmte Autoren in Vergessenheit geraten und unbekannt sind. Dies hat stets denselben Grund: Die Leser unserer Zeit interessieren sich für manche Autoren nicht mehr. Dagegen lässt sich wenig tun. Damit neue Ausgaben erscheinen können, müsste man ziemlich viel Geld organisieren.

Was halten Sie von Heinrich Breloers Verfilmung „Die Manns - Ein Jahrhundertroman“?
Bastian Nitzschke

Marcel Reich-Ranicki: Meinen Aufsatz über diesen Film in der Frankfurter Allgemeinen habe ich betitelt: „Ein nationales Ereignis“. Das ist wohl unmissverständlich.

Ist es nicht schrecklich als Kritiker, so viel mittelmäßige oder ganz schlechte Bücher lesen zu müssen? Sie erwähnten einmal (zu Zeiten des „Literarischen Quartetts“), dass Sie die besprochenen Bücher vollständig lesen mussten. Daraus schließe ich, dass Sie eine große Anzahl schlechter Bücher gelesen haben, um sie hinterher rezensieren zu können. Sie haben doch keinen leichten Beruf.
Urs Wolfer, Berlin

Marcel Reich-Ranicki: Recht haben Sie. Es ist schon ein sehr schwerer Beruf. Ich werde über ihn in nächster Zeit einmal etwas ausführlicher schreiben.

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