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Fragen Sie Reich-Ranicki Ach, liebe Frau Berben!

 ·  Besonders gelungene Filme sollte man nicht zu oft ansehen: Marcel Reich-Ranicki über filmische Adaptionen literarischer Werke, die entsagungsvolle Arbeit des Librettisten und Wagners besten Operntext.

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Ich wüsste gern, ob Sie eine wahrhaft geglückte Filmadaption eines Romans kennen? Iris Berben, Berlin

Reich-Ranicki: Ach, liebe Frau Berben, Sie gefallen mir sehr, ich bewundere Sie aufrichtig. Aber die Frage, ob eine Filmadaption mich beglückt, ist mir ziemlich gleichgültig. Mich faszinieren gute, schöne Filme. Die Relation von literarischem Werk und Film ist meine Sache nicht. Ich habe „Effi Briest“ in drei Fassungen gesehen, alle drei waren bemerkenswert und interessant. Sie haben vielleicht (und hoffentlich) diese drei Fassungen gesehen. Für die verschiedenen Adaptionen haben Sie wahrscheinlich keine Zeit.

Ich habe den „Tod in Venedig“ zweimal gesehen, der Film hat mich sehr beeindruckt. Ein Kollege vom „Spiegel“ ließ sich nach langer Zeit noch ein drittes Mal den „Tod in Venedig“ vorführen. Er war überrascht und enttäuscht. Ich habe mich gehütet, den Film noch einmal zu sehen. Ich rate Iris Berben, auf die Wiederholung besonders schöner Filme doch zu verzichten.

Welchen literarischen Wert haben die Libretti von Richard Wagner? Welche Operntexte schätzen Sie besonders? Patrik Lang, Zürich

Der Text eines für die Musik geschriebenen Bühnenwerke ist immer als Fundament gedacht, vielleicht als Gerüst. Das Opernlibretto ist letztlich, wie sorgfältig es auch entstanden sein mag, kaum mehr als ein Rohentwurf. Es ist ein Halbfabrikat, das erst mit Hilfe der Musik zu Ende gedichtet werden soll.

Die Arbeit des Librettisten ist also entsagungsvoll. Er hat einen Text zu produzieren, den man weder liest noch hört und der, da er gesungen wird, zum größten Teil unverständlich bleibt. Der Librettist muss darauf verzichten, was dem dramatischen Werk zur stärksten Wirkung verhelfen soll, auf den Dialog. Der besonders wichtige und schätzenswerte Operntext Wagners stammt, glaube ich, aus den „Meistersingern von Nürnberg“. Es ist das weitaus intelligenteste Wagner-Libretto.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Quelle: F.A.Z.
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